GELDERN. Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen stellen die Gelderner Tafel seit nunmehr einem Jahr vor große Herausforderungen. Um die ehrenamtliche Arbeit trotz Ausbreitung des Virus fortführen zu können, müssen immer wieder neue Wege beschritten werden. „Für uns war es nie eine Option, den Betrieb einzustellen“, betont Alfred Mersch, Vorsitzender der Gelderner Tafel. „Unsere Tafelbesucher verlassen sich auf uns. Gerade in dieser schwierigen Zeit möchten wir weiterhin ein verlässlicher Partner sein.“

Priorität sei in jedem Fall, die Sicherheit der Mitarbeiter und Tafelbesucher zu gewährleisten. Dazu hat die Gelderner Tafel in den vergangenen Monaten einige Vorkehrungen getroffen. Neben der geltenden Maskenpflicht wurden Desinfektionsspender am Eingangsbereich aufgestellt, Raumluftreiniger installiert und die Ausgabe im Zwei-Schicht-Betrieb durchgeführt. „Bislang haben wir keine Ausgabe ausfallen lassen“, erklärt Mersch. 52 Wochen im Jahr leistet die Tafel ihre wertvolle Arbeit, auch rund um die Weihnachts- und die bevorstehenden Ostertage sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Einsatz.

Feiertage erfordern
einen besonderen Einsatz

Insgesamt sei die Gelderner Tafel, die auch in Kerken, Issum und Straelen Lebensmittel ausgibt, ganz gut durch die Pandemie gekommen, sagt Mersch. Nachdem man im März 2020 von Corona „kalt erwischt“ worden sei, habe man kurzzeitig die Ausgabestelle schließen müssen. Als Alternative wurde kurzerhand ein Liefer- und Bringdienst eingerichtet. Da einige der bewährten Tafel-Mitarbeiter, die aufgrund ihres Alters zur Virus-Risikogruppe gehören, ihr Engagement kurzzeitig aussetzen wollten, sprangen freiwillige Helfer ein, die unter anderem als Fahrer die Nahrungsmittel an die Bedürftigen auslieferten.

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Zahl der Tafel-Besucher steigen

Im Mai 2020 konnte die Gelderner Tafel schließlich zur normalen Ausgabe unter Einhaltung aller Hygienebestimmungen zurückkehren und ihre Arbeit über den Sommer fortsetzen. „Für die zweite Welle im Winter waren wir gut gerüstet und hatten auch nicht mehr den Ausfall von Helfern wie im Frühjahr“, erklärt Mersch. Denn die Arbeit wird nicht weniger. Ganz im Gegenteil. Auswirkungen der Corona-Pandemie wie Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit lassen die Zahl der Tafel-Besucher steigen. „Wir sind in der glücklichen Lage, viele Waren zu bekommen, sowohl von Discountern und Zulieferern, aber auch von einzelnen Produzenten und Bürgern, die für die Tafel einkaufen. Anderen Tafeln geht es da nicht so gut.“ So habe man auch die Weihnachtspäckchen-Aktion 2020 trotz Corona erfolgreich durchführen können. „Aus allen Orten haben wir wieder viele Päckchen bekommen, die unsere Besucher vor den Weihnachtstagen in Empfang nehmen konnten“, freut sich Mersch. Für ihn und seine Mitstreiter gab es vor allem in der Weihnachtszeit viele Dankesbriefe der Tafel-Besucher. „Das motiviert und tut einfach gut“, weiß der Vorsitzende.

80 ehrenamtliche Helfer

Insgesamt beteiligen sich bei der Gelderner Tafel momentan rund 80 ehrenamtliche Helfer. Sie versorgen zwischen 1.200 und 1.300 Menschen in Geldern, Straelen, Kerken und Issum. Fünf bis sechs Tonnen Lebensmittel bewegen sie pro Woche. „Wir können durch unsere Arbeit die Gesellschaft nicht verändern, aber wir können auf die Missstände aufmerksam machen“, betont Mersch, der die Gelderner Tafel vor 20 Jahren gründete. „Von über 950 Tafeln bundesweit, haben ‚nur‘ 40 aufgrund Corona geschlossen, das zeigt, dass wir unser Anliegen sehr ernst nehmen.“ Solange es die politischen Beschlüsse zulassen, will man weitermachen. Geschlossen bleiben muss aktuell lediglich das Schulmaterialmagazin der Tafel am Gelderner Bahnhof.

20-jähriges Bestehen
am 6. April

Am 6. April feiert die Gelderner Tafel ihr 20-jähriges Bestehen. „Groß feiern können wir aufgrund der Corona-Krise leider nicht“, sagt Mersch. Zurückblickend betrachtet sei es schon enorm, wie sich die Gelderner Tafel entwickelt habe. „Mehr werden darf und kann es mit Blick auf den Aufwand, den wir betreiben, und die ganze Logistik, die dahintersteckt, aber nicht.“ Wer sich im Tafelteam einbringen möchte, kann sich an Alfred Mersch wenden, der telefonisch unter 0173/2561475 erreichbar ist.

Information

Zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland pro Jahr im Müll. Die über 950 Tafeln retten davon rund 270.000 Tonnen, die sie an 1,65 Millionen Tafelbesucher verteilen. Damit zählen die Tafeln zu den größten Lebensmittelrettern in Deutschland und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.