Exotische Versuche im Versuchszentrum Gartenbau

Erste Erfolge beim Papaya-Anbau in Straelen – Weitere Experimente werden mit Passionsfrucht und Wasabi durchgeführt

Papaya
Bei der Papaya-Kultivierung kann das Versuchszentrum Gartenbau in Straelen schon erste Erfolge vorweisen, muss aber ebenso noch einige Probleme lösen. Foto: privat

STRAELEN. Wenn nicht hier, wo dann? Das in der Blumenstadt Straelen ansässige Versuchszentrum Gartenbau Straelen versucht seit 2020, einen exotischen Neuzugang fest zu verwurzeln: die Papaya-Pflanze, die sonst in Mittelamerika und Südmexiko beheimatet ist. Beim Versuch, sie zu kultivieren, konnte das Team bereits erste Erfolge feiern, erfolgreich beendet ist das Experiment aber noch nicht.

So ein Exot hat, wenig überraschend, eigene Anforderungen. Daher greift das Versuchszentrum hier wie bei anderen Versuchen mit Tomate, Gurke, Paprika oder Aubergine auf den Unterglasanbau, also auf Gewächshäuser zurück. „Wir suchen immer nach neuen Dingen“, sagt Benedikt Uerlings vom Bereich Versuche. Neben der Papaya beschäftigt sich das Zentrum neuerdings auch mit der Passionsfrucht und Wasabi.

Gute Gründe

Die Versuche, in neue Nischen vorzudringen, haben mit dem Druck auf die Gärtner zu tun, umzudenken. Das nicht zuletzt wegen dem Klimawandel: „Egal ob Freiland oder unter Glas, es stellt eine große und heftige Herausforderung dar“, betont Uerlings. Trockenheit und Hitze stresse die Pflanzen übermäßig.

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Aber auch der Markt sei irgendwann einfach übersättigt. Wie Uerlings erzählt, war der Tomatenanbau vor drei Jahrzehnten noch in den Anfängen. Durch immer wachsende und spezialisiertere Betriebe konnte die Bevölkerung jedoch nach und nach ganzjährig versorgt werden. „Der Preis ist dementsprechend gesunken und in der Hauptsaison geht er noch weiter runter. So ist es immer ein Kampf, dass sich die Kultur noch lohnt“, sagt Uerlings.

Grenzüberschreitende Befruchtung

Zurück zur Papaya: Zunächst hörte das Zentrum von einem Betrieb in Holland nahe der Grenze, der von Tomaten auf Papaya umgestiegen war. Dieser hatte die Fläche, die 2019 noch bei einem Hektar lag, auf 3,7 Hektar angehoben. Das veranlasste das Versuchszentrum dazu, 2020 einen eigenen Versuch zu starten. So wollte es zunächst herausfinden, ob ein Anbau hier möglich und rentabel sein kann. Auch wenn die endgültige Antwort noch ausbleibt, machen die bisherigen Erkenntnisse zuversichtlich.

Wie das im Leben nun mal so ist, gab es schon früh erste Probleme und Rückschläge. Nach ausgiebiger Internetrecherche bestellten die Mitarbeiter Saatgut, „aber das ist leider nicht gekeimt“, sagt Uerlings. Schließlich haben sie die Kerne einer Papaya-Frucht aus dem Handel ausgesät. Das war im Februar 2020 – und siehe da – es funktionierte.

Wegen dem ab Herbst zunehmenden Sonnenlicht-Mangel, griff das Zentrum für die folgenden kälteren Monate auf künstliches LED-Licht zurück. Auch die Temperatur hielten sie auf 19 Grad. „Normalerweise kann die Papaya zwischen zehn und 15 Grad auf jeden Fall überwintern. Aber so bekommt man auch keine Früchte daran“, erläutert Uerlings. Die Pflanze gehe gewissermaßen in die Winterpause und werfe ihre vorhandenen Früchte ab. „Das wollten wir vermeiden.“

Anfang Februar 2021 war schließlich die erste Frucht erntereif, Anfang März die nächsten beiden. „Auf jeden Fall ein kleiner Erfolg“, resumiert Uerlings. Und auch wenn die angebauten Früchte kleiner seien als die gekauften, könne man mit der Düngung und Kulturführung noch mehr herausholen.

Es geht weiter

„Dieses Jahr geht es daran, noch andere Sorten zu finden“, verrät Uerlings und verweist auf eine, die besonders kleine Früchte hervorbringt. Dies eigne sich insofern, als es so schneller reife Früchte gebe. Überhaupt möchte das Team weiter in die Materie eindringen und dabei das Thema Energieaufwand beleuchten. Diesbezüglich, aber auch ganz allgemein, geht es jetzt darum, das Vorgehen zu optimieren.

Da das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt, ist aktuell unklar, wie lohnend die Sache letzten Endes sein wird. Uerlings plant, mit Einzelhändlern zu sprechen und sich ein Bild von den Gewinn-Möglichkeiten zu machen. Denn zu bedenken ist auch: „Der ausländische Markt ist viel billiger, er kann ganz anders produzieren.“

Erfolgspotenzial birgt allerdings die positive Einstellung der Bevölkerung gegenüber regionalen Produkten, von der Uerlings überzeugt ist. „Hauptsache regional“ ist eine Aussage, die er immer wieder vom Einzelhandel gehört hat.

Beim Erfolgsfaktor Wirtschaftlichkeit spielt auch die CO2-Steuer mit hinein, einerseits beim Energieaufwand. „Wir müssen die Kulturführung immer besser in den Griff bekommen. Andererseits wird auch der Import durch die Steuer teurer. Dadurch ist die Regionalität wohl besonders gefragt“, beleuchtet Uerlings.

Neben solchen Überlegungen besteht aber noch immer das grundlegende Problem mit dem Saatgut. „Das ist schwer zu bekommen.“ Und wie sich gezeigt hat, keimt es nicht so leicht auf. „Aber wir sind dabei, das Problem zu lösen“, zeigt sich Uerlings optimistisch. Problematisch ist auch der echte Mehltau, ein Pilzbefall, der mit der Klimaführung zusammenhängen könnte. Aber auch hier sucht das Team schon nach Lösungen.