Sie sehen die neue Fachklasse als Bereicherung für die Region (vl): Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers, Bildungsgangleiter Markus Kerst, Landrätin Silke Gorißen und Schulleiter Peter Wolters. NN-Foto: CDS

KREIS KLEVE/GOCH. Peter Wolters, Schulleiter des Berufskollegs Kleve am Standort Goch, nutzt bei der offiziellen Auftaktveranstaltung zur Einrichtung der neuen Fachklasse im Ausbildungsberuf „Kaufleute für Versicherungen und Finanzen“ ein anschauliches Bild: „Es war eine schwere Geburt, mit neun Monaten war es definitv nicht getan!“

Im frisch sanierten Schulgebäude an der Jakob­straße in Goch starten im August 25 Berufsschüler in diesem Bildungsgang, der bisher im Kreis Kleve nicht angeboten werden konnte. Doch bis es soweit war, mussten einige Hürden genommen werden. „Schon mein Vorgänger war mit diesem Thema beschäftigt“, so Wolters. Zwischenzeitlich habe auch das Berufskolleg in Geldern diesen Bildunsgzweig etablieren wollen, aber dann sei der Ball wieder nach Goch gespielt worden. Bildungsgangleiter Markus Kerst erläutert die notwendigen Schritte, die seit 2017 unternommen wurden – von der Bedarfs­analyse, bei der die Versicherungsagenturen eng eingebunden waren, über die Beantragung der neuen Fachklasse beim Kreis Kleve als Schulträger bis hin zur positiven Entscheidung der Bezirksregierung Düsseldorf.

Dass sich letztere über die Bedenken der Nachbarschulen hinweg gesetzt habe, sei ungewöhnlich, stellt Peter Wolters fest und fährt fort: „Das ist für uns eine riesige Verpflichtung; wir stehen im Wort, dass dieser Ausbildungsgang gut in die Gänge kommt.“ Für einen vernünftigen Bildungsgang brauche man 20 Teilnehmer, sollten es zweimal hintereinander weniger sein, dann „bricht wieder alles in sich zusammen“, macht er deutlich.

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Interesse der Betriebe

Was das Interesse seitens der Wirtschaft angeht, braucht er sich darüber aber keine Sorgen zu machen. Denn der neue Bildungsgang soll eben verhindern, dass Fachkräfte abwandern und den Agenturen vor Ort der Nachwuchs fehlt. Ein Anliegen, das René Wilmsen (LVM Service Agentur Berger & Wilmsen) und Richard Dolan (Provinzial Rheinland Versicherung) nur unterstützen können: „Wir haben große Erwartungen; es ist für uns die Chance, Dinge mitzusteuern und neue Wege zu gehen“, so Renè Wilmsen. „Es ist ein toller Beruf mit hoher Veranstwortung für die Gesellschaft“, ergänzt Richard Dolan, „wir brauchen Top-Leute, die motiviert sind und Lust auf den Job haben.“
Heiner Deroy vom Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute Nieder­rhein-Nord, stellt noch einmal die Vorteile der kurzen Wege für die Auszubildenden heraus, die für die berufsschulische Ausbildung nun nicht mehr die Strecke bis nach Krefeld oder Moers auf sich nehmen müssten.

Potenzial im Kreis Kleve

„Wir verlieren Auszubildende, weil sie so weit fahren müssen“, diesen Hilferuf seitens der Betriebe habe auch die Kreis-Wirtschaftsförderung 2019 vernommen und dem damaligen Landrat Wolfgang Spreen vorgetragen, beschreibt Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers das Engagement seines Hauses. „Es ist der richtige Weg, wenn sich die heimische Wirtschaft engagiert“, unterstreicht er die Bedeutung der neuen Fachklasse. „Das zeigt, welches Potenzial wir im Kreis haben“, freut sich Landrätin Silke Gorißen über den Erfolg des Projektes, welches das Berufskolleg Kleve und den Dienstleistungsstandort Kreis Kleve stärke. „Der Bildungsgang zeigt, wie wichtig eine gute Verzahnung zwischen Betrieben und Schulen ist“, betont die Landrätin. Die Versicherungsbranche zähle zu den stark wachsenden Branchen, damit stiegen auch die Anforderungen an die Auszubildenden. Und deren Situation verbessere sich durch die neue Fachklasse erheblich.

Anmeldung für kommendes Ausbildungsjahr

In Goch werden rund 1.000 Berufsschüler in zwölf kaufmännischen Ausbildungsberufen unterrichtet. Dies sei bei der Einrichtung der neuen Fachklasse von großem Nutzen gewesen: „Unsere Kollegen verfügen über eine hohe Fachkompetenz und sind bestens vertraut mit den zu vermittelnden Lerninhalten, da sie selbst aus der Berufspraxis kommen und eine entsprechende Ausbildung absolviert haben. Für uns lag es daher auf der Hand, auch diesen Ausbildungsberuf anzubieten“, sagt Bildungsgangleiter Markus Kerst. Unterrichtet wird in Teilzeit. Eineinhalb Tage pro Woche geht es um rechtliche Grundlagen zum Vertragsabschluss und Details rund um Versicherung und private Vorsorge. Die restliche Zeit sind die angehenden Kaufleute für Versicherungen und Finanzen im Ausbildungsbetrieb. Der Unterricht ist in Lernfeldern organisiert – hier arbeiten die Schüler mit Fallbeispielen. Für das kommende Ausbildungsjahr ist die Anmeldung, die über die Ausbildungsbetriebe läuft, bereits möglich. „Das haben wir mit vereinten Kräften geschafft“, dankt Peter Wolters allen Beteiligten. Mit der neuen Fachklasse werde echter Bedarf gedeckt und gleichzeitig die Duale Ausbildung in der Region gestärkt, freut er sich auf die kommenden Schuljahre.