KREIS KLEVE. Unabhängig davon, wie der Vorlesewettbewerb in der Gelderner Bücherei ausgegangen ist: In den Kreisentscheid Kleve-Süd mit insgesamt fünf Sechstklässlern von fünf Schulen schafften sie es alle nur, weil sie es sich mit ihrem Können verdient hatten. Was wiederum nicht heißt, dass die Schüler, die in den jeweiligen Schulwettbewerben das Nachsehen hatten, schlecht waren. Aber letztlich muss es immer einen Gewinner geben und dieses Jahr ist es Felicitas Emilia Heinzelmann von der Freien Gesamtschule „Facettenreich“ in Sevelen. Sie überzeugte die Jury mit ihrer Interpretation einer Textstelle aus „Pferdeflüsterer-Academy“.

Aber auch die anderen Schüler und ihre beherzten Leistungen sollen nicht ungenannt bleiben (nicht nach Platzierung, sondern alphabetisch geordnet): Julia Püttmann, Tyreese Singh, Jolina Mia Ullenboom und Amira Wehling. „Alle Kinder haben es toll gemacht“, betont Jurymitglied Mirjam Keuck-Grönheim, Geschäftsführerin von Bücher Keuck in Geldern. „Es war Humorvolles, aber auch Spannendes dabei.“

Während jeder einzelnen – auf Video gebannten – Vorlesung im Keller der Bücherei verstärkte die meist nur durch die Kinderstimmen gebrochene Stille den Eindruck, wie gebannt die Jurymitglieder den Auszügen aus den verschiedensten Geschichten lauschten. Von der Jury war hin und wieder nur ein Lachen zu hören, wenn die Vorleser wieder einmal einen witzigen Moment zum Leben erweckt hatten.

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Und auch wenn sich die Kinder nicht zum Wettbewerb versammeln konnten, sie alle bekamen von der Jury ihren persönlichen Applaus nach Ende eines jeden Videos. Allen Teilnehmern winkt nun zur Belohnung eine Urkunde, Heinzelmann hingegen kann sich noch über eine zusätzliche Siegerurkunde freuen.

Versuch’s mal digital

Coronabedingt war der 62. Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels der erste, der – versuchsweise – in digitaler Form stattfand. Sicher, ohne Live-Lesung und stattdessen als aufgezeichnetes, dreiminütiges Video hätte der Wettbewerb dieses Jahr auch ausfallen können: „Dahinter steht aber auch der Aspekt der Leseförderung“, erläutert Keuck-Grönheim. Sie und Daniela Verhoeven, ebenfalls Jurymitglied und Leiterin der Öffentlichen Bibliothek in Geldern, verstehen mit Blick auf die Kinder die Entscheidung, den Wettbewerb nicht ausfallen zu lassen. So sei derzeit ohnehin schon vieles nicht möglich. „Ich glaube, für die Kinder ist es wichtig. Es ist ein Stück Normalität“, sagt Keuck-Grönheim. Die Kinder, die gerne lesen, würden teils sogar auf diesen Wettbewerb hinfiebern.

Wie sie zugeben, hätten die beiden persönlich dennoch gut mit einem Ausfall leben können. Denn sie kennen den Wettbewerb anders, lebhafter durch den Kontakt mit den Kindern und die vielen Zuschauer. „Es macht uns in dieser Form nicht so viel Spaß wie sonst“, sagt Verhoeven. „Aber es gar nicht zu veranstalten, war dann mit Blick auf die Kinder auch keine Option.“ Sie ist zum ersten Mal Jurorin und kümmerte sich sonst immer um die Kinder und die Moderation während des Wettbewerbs.

Andere Bewertung

Die digitale Form wirkt sich auch auf die Herangehensweise aus. So fällt dieses Jahr der unbekannte Text weg, der laut Verhoeven sonst vor allen anderen Kriterien die Souveränität der Kinder erkennen lasse. Die drei Bewertungskriterien zum eigenen Text hingegen sind neu gewichtet. So wird der Aspekt „Lesetechnik“ etwas stärker betont, die Gestaltung des Vortrags (Interpretation) und die Textauswahl hingegen weniger. Das hat vor allem damit zu tun, dass durch die eingereichten Videos irgendwie geartete Einflüsse Dritter, wie Regieanweisungen, schwerer zu erkennen sind.

Trotzdem sehen die beiden Jurorinnen die Chancen als ausgeglichen, da die Bedingungen für alle gleich seien. Die Möglichkeit, ein Video mehrmals zu drehen, vergleicht Verhoeven eher mit dem Üben zu Hause. „Und geschnitten war keines der Videos, das hätte man bemerkt“, sagt sie.

Die technischen und ästhetischen Merkmale der Videos fließen bei der Bewertung nicht ein. Um einen ungerechten, unterbewussten Einfluss in die Punktevergabe zu verhindern, wissen die Juroren bei der Bewertung außerdem nicht, von welcher Schule die Kinder kommen.

Jedes Mitglied der Gelderner Jury vergab die Punkte für sich, ehe sie sie dann addierten und so die diesjährige Siegerin ermittelten. Allzu viel Grübeln mussten die Juroren bei der Bewertung nicht, denn laut Verhoeven und Keuck-Grönheim erleichterten die eindeutigen Kriterien des Wettbewerbs die Punktevergabe maßgeblich.

Weitere Mitglieder der von rund neun auf fünf Köpfe geschrumpften Jury waren Bücherei-Mitarbeiterin Sieglinde Snitmans, Pascal Verhoeven, Ehrenamtlicher Bücherei-Mitarbeiter und Vertretungslehrer an der Adelheid-Grundschule sowie der ehemalige Rektor der Realschule an der Fleuth, Volker Streck. Für die Kreissieger geht es als nächstes in den Bezirksentscheid. Dann folgen der Landes- und schließlich im Mai der Bundesentscheid.