Dietmar Heyde geht gerne zur Arbeit ins Stadthaus

Rheinbergs Bürgermeister gibt einen kleinen Rückblick nach über 100 Tagen im Amt - Interview mit Redakteurin Lorelies Christian

RHEINBERG. Dietmar Heyde ist der erste „grüne“ Bürgermeister in Rheinberg, der im September 2020 gewählt wurde. Nach gut 100 Tagen im Amt stellte er sich bei der Jahreshauptversammlung den Fragen seiner Parteifreunden. Auch im NN-Interview gab er Auskunft über seine ersten Erfahrungen.

Bürgermeister Dietmar Heyde verspricht, immer ein offenes Ohr zu haben für alle Rheinberger Bürger. Foto: Stadt Rheinberg

Vor Ihrem Antritt haben Sie versprochen, die Stadt voranzubringen im Klimaschutz, in der Bildung, im Sport, im Sozialen, im Wirtschaftlichen. Welche Unterstützung erhalten Sie von Rat und Verwaltung bei diesen Vorhaben. Was steht auf der Dringlichkeitsliste?

Heyde: Im Rahmen meiner ersten 100 Tage lag mein Handlungsschwerpunkt darin, die strukturellen Rahmenbedingungen zur Verfolgung meiner Ziele zu schaffen und die personellen Entscheidungen so weit vorzubereiten, um so zeitnah wie möglich in die Formulierung und Priorisierung der Inhalte und Ziele in den genannten Bereichen zu kommen und dabei möglichst viele Akteur *innen mitzunehmen.
Das ist aus meiner Sicht recht gut gelungen. Der Rat hat die vorgeschlagene Organisationsstruktur einstimmig beschlossen und über die Parteien hinweg besteht große Übereinkunft hinsichtlich der vorrangigen Zielsetzungen.
In der Verwaltung habe ich hohe Kompetenz, Motivation und Unterstützungswillen vorgefunden und das Paket stimmt mich sehr zuversichtlich.

-Anzeige-

Welche Aufgaben sehen Sie als besondere Herausforderung?

Heyde: Eine der größten Herausforderungen besteht darin, angesichts der nicht unproblematischen Haushaltslage erforderliche, sicher schmerzhafte Einsparmaßnahmen so moderat und sozialverträglich wie irgend möglich zu gestalten.
Eine größere Herausforderung als gedacht oder erhofft besteht darin, die Menschen in den Ortsteilen – in Vereinen, Verbänden, Initiativen organisiert oder auch nicht organisiert – aktiv bei den Prozessen und Vorhaben mitzunehmen angesichts der sehr begrenzten Möglichkeiten analoger Veranstaltungsformate. Das geht auf digitalem Wege nicht wirklich gut, zumal wir feststellen mussten, dass die technischen Möglichkeiten im Stadthaus deutlich verbesserungsfähig sind.

Wird sich die Corona-Pandemie bei Ihren Vorhaben auswirken und wie?

Heyde: Die Folgen der Corona-Pandemie sind sehr vielfältig und bestimmen mehr oder weniger intensiv auch mein tägliches Handeln. Wir werden mit dem Virus leben lernen müssen und das auch schaffen, wenn wir zueinander stehen und uns gegenseitig unterstützen. Eigentlich sollte uns diese Erfahrung bei den anstehenden Herausforderungen helfen können.
Dabei müssen wir sicher noch viel Geduld aufbringen und kommen ohne die Unterstützung durch Bund und Land nicht aus – zum Überleben vieler Unternehmen und zum Erhalt der Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit der Kommune. Aber -wie hieß es schon mal aus dem Kanzleramt: „Wir schaffen das!“

Sie haben die persönliche Freitags-Sprechstunde eingeführt. Wie wird sie angenommen? Was nehmen Sie für sich daraus mit?

Heyde: Die Bürgersprechstunde wird erfreulich gut angenommen und vielfach wird es sehr begrüßt, dass ich tatsächlich zu erreichen bin und ein offenes Ohr habe. Mich erdet die Sprechstunde fast wöchentlich, denn es geht zumeist um die Sorgen und Nöte des „normalen Alltags“. Und schön ist es einfach, dass diese nicht selten zeitnah aufgegriffen und gelöst oder vermindert werden können.
Das funktioniert oft eben nur, wenn Menschen miteinander sprechen. Dazu erfahre ich hier auch, wie groß die Identifikation der Bürger*innen mit unserer Stadt und ihren Ortsteilen ist und wie viel Verantwortungsgefühl und Mitwirkungsbereitschaft in der Bevölkerung vorhanden ist. Das macht mir Mut und schafft jeden Tag Lust auf die Arbeit.