Das lässt sich nicht vergleichen

KRANENBURG. Dirk Willemsen ist ein wandelndes Lexikon – unter anderem. Wenn es um Kranenburg-Wissen geht, ist Willemsen immer eine der guten Anlaufstationen. Gleiches gilt für den Karneval.
Fragt man ihn nach der Session 1991, schickt er eines gleich vorweg: „Man kann das nicht mit dem Jahr 2021 vergleichen. Das war etwas komplett anderes.“ Damals – vor 30 Jahren – wurden die Karnevalszüge abgesagt. Grund war Golfkrieg. Willemsen: „Damals hatten viele den Eindruck, der Karneval wurde ‚geopfert‘. Ich finde diese Absage noch heute nicht okay. Der Golfkrieg war ein Geldkrieg und die Absage der Karnevalszüge war aus meiner Sicht nicht okay. Viele andere Dinge fanden ja trotzdem statt.“

Wo ist die Grenze

Willemsen ist nicht empathielos. „Natürlich geht es mir nah, wenn es irgendwo auf der Welt Krieg gibt und Menschen leiden, aber wenn das der Maßstab ist, könnten wir Karneval gar nicht mehr feiern. Wo ist die Grentze? Wenn man sich ansieht, was beispielsweise in Syrien los ist …“ Damals, 1991, fand in den Niederlanden der Karneval statt und Willemsen und ein paar seiner Freunde feierten jenseits der Grenze. „Dafür haben uns einige hier ziemlich schief angeguckt, aber ich stand damals und ich stehe heute dazu, dass wir mit unseren Karnevalskollegen in Holland gefeiert haben.“ Der 91-er Prinz: Harald der Weltenbummler. Willemsen ist bei den Krunekroane der Prinzenorderentwerfer. In seinem Arbeitszimmer hängt ein Riesenknubbel: alle Orden seit anno dunnemals. Und der 91-er Orden?
Willemsen sucht und beim Suchen schäppert es. Dann fällt ihm ein: „Damals hat wir noch keine Metallorden. Damals, 1991, waren die Orden noch aus Pappe.“ Der 91-er Orden: nicht dabei.

Völlig okay

Und 2021? Willemsen: „Das ist – ich habe‘s ja schon gesagt – etwas anderes und ich muss ehrlich sagen: Ich finde es absolut okay finde, dass der Karneval nicht stattfinden kann. Karneval hat doch immer vor allem mit Kontakt zu tun und mit dem einen oder anderen Bierchen. Karneval ist Leichtigkeit. All das kann es unter Corona-Bedingungen nicht geben.“
Nein, er habe keine Angst vor Corona, betont Willemsen, aber es gehe um die Gesundheit vieler Menschen. „Karneval hat ja vor allem etwas mit Gemeinschaft zu tun und das bedeutet doch auch, dass niemand gefährdet sein soll.“ Auch im letzten Jahr gab es eine Absage, „aber die bezog sich ja ausschließlich auf den Frühschoppenzug. Die Sitzungen, der Möhnenball, der Rathaussturm – all das hat ja stattgefunden.“ Wie sieht es denn mit dem geplanten Prinzen aus?
„Thomas Peters wird in der kommenden Session als Prinz antreten. Verschiebt sich also.“ Immerhin: Den Prinzenorden hatte Willemsen schon im vergangenen Jahr ‚gebaut‘.

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Ganz oder gar nicht

Karneval mit Abstand, ohne ein Küsschen hier und da – Willemsen hält das irgendwie für das Gegenteil der Grundidee. „Für mich gilt: Wenn ich Karneval feiere, dann ohne Einschränkungen.“ Willemsen, auch das sollte man erwähnen, gehört nicht zu den Superwilden – aber Feiern muss doch möglich sein. „Ich habe auch große Hochachtung vor all denen, die versuchen, trotz Corona etwas auf die Beine zu stellen. Aber ich muss das jetzt nicht haben“, sagt er.
„Natürlich ist es schade: Im letzten Jahr mussten wir wetterbedingt den Frühschoppenzug in Kranenburg, aber alles andere konnten wir feiern. In diesem Jahr findet gar nichts statt. Das ist natürlich für alle, die den Karneval mögen, eine traurige Sache, aber ich bleibe dabei: Entweder ganz oder gar nicht.”