Die Stille im Fenster

KLEVE. Nicht jeder kann etwas anfangen mit dem Namen Robert Allen Zimmerman. War das der von Aktenzeichen XY? Nicht wirklich. Man kennt Robert Allen Zimmerman unter dem Namen Bob Dylan.

Puppa

Und wer ist Marie-Luise Klar? Zumindest in Kleve dürfte Klar unter ihrem Künstlerinnennamen besser bekannt sein: Puppa Schmitz. Ach so. Tanzpalast Bresserberg. Puppa Schmitz steht für Veranstaltungen – das fängt beim Geburtstagskaffee an und hört beim Schwof nicht auf. Derzeit ist Klars/Schmitz‘ Konterfei in einem Schaufenster an der Kavarinerstraße in Kleve zu sehen. Was sie von Robert Allen Zimmerman unterscheidet? Zimmerman wird sich auch in Lockdown-Zeiten keine Sorgen um seine Existenz machen müssen.

Gesellschaft

Im Schaufenster an der Kavariner Straße ist Puppa Schmitz übrigens nicht allein. Ebenfalls anwesend sind Mirjam Hardenberg (Sopranistin, Cellistin), Thomas Geisselbrecht (Gitarrist, Musikschullehrer), Jaron Tripp und Samantha Archer-Tripp (Musiker) und Bruno Schmitz.
Es geht – natürlich – um Kultur. „Ohne Kunst und Kultur wird‘s still“ ist das Motto im Scheerer-Schaufenster. Das Fenster: eine Erinnerung. Eine Mahnung. Die da zu sehen sind, haben derzeit nichts zu lachen. Die Kultur steht still. Keine Konzerte, kein Kabarett – nichts. Allenfalls für Musikschullehrer wie Thomas Geisselbrecht (der Gitarrist ist Fachbereichsleiter einer Musikschule in Dormagen) geht das (Unterrichts)Leben digital weiter. „Aber längst nicht alle meiner Kollegen sind in einer solchen Situation. Im ersten Lockdown, als teilweise überhaupt kein Unterricht stattfand, bedeutete das für diese Kollegen: kein Geld.“

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Ich würde es gern erleben

Für andere werden Konzerte abgesagt. Die Gagen entfallen. Veranstalter haben nichts zu veranstalten. Puppa Schmitz: „Meine Mitarbeiter suchen sich anderswo Jobs und ich hoffe, dass ich sie zurück bekomme, wenn es wieder los geht.“ Schmitz hat – sie ist Mitglied der entsprechenden Altersgruppe – bereits einen Impftermin für Februar, aber der Termin, an dem es auch am Bresserberg wieder losgeht, kann ihr momentan niemand sagen. „Ich will ja hoffen, dass ich das noch erlebe“, sagt sie und es steckt ein bisschen Ratlosigkeit in ihrem Satz. Im Schaufenster an der Kavarinerstraße treffen sie sich alle: da stehen die Fotoportraits und es ist still. Das passt.

Warten auf den Neustart

Konzerte im Home-Office? Das ist nicht wirklich das, was man erleben möchte. Alle warten auf den Neustart, aber niemand weiß, wer am Tag X noch wird an den Start gehen können.
Und was hat all das mit Scheerer zu tun? Die Antwort ist denkbar einfach: „Beschreibung: Musik, Konzerte,Theater, Kirchenbesuche sind für die Einstellung von Hörgeräten wichtige Faktoren, da die akustischen Situationen in den Räumen hohe Anforderungen ans Hören stellen. So sind wir indirekt auch von dem Kultur-Lockdown betroffen“, erklärt Wolfgang Scheerer die Idee zum besonderen Schaufenster. Wie lange werden die Gesichter zu sehen sein? „Das lässt sich natürlich schwer sagen, aber ein paar Wochen ganz bestimmt.“