NIEDERRHEIN. Immer öfter hört man von speziellen Brillen, die die Augen vor dem auf Dauer schädlichen Blaulicht schützen sollen. Aber was hat es mit diesen Blaulichtfilter-Brillen auf sich? Steffen Borrmann von Optik Hammans in Straelen kann diesbezüglich ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Zum Beispiel, wer besonders davon profitiert und wer darauf verzichten kann – oder sogar sollte. Für viele Menschen sind Blaulichtfilter in jedem Fall eine Überlegung wert, egal ob in den Gläsern einer Arbeitsplatzbrille oder in der normalen Brille für Menschen mit Sehschwäche.

Blaues Licht, so erzählt Borrmann, gehöre zur normalen Farbwahrnehmung dazu, als Teil des natürlichen Sonnenlichts. „Mit der verstärkten Nutzung von Medien durch Computerbildschirme und auch mit den modernen Leuchtmitteln, die zum größten Teil aus LEDs bestehen, hat sich der Anteil des künstlichen Lichts deutlich verändert“, sagt er. Und damit habe sich auch die Belastung durch das Blaulicht erheblich verstärkt.

Hohe Belastung kann zu Langzeitfolgen führen

Für eine entsprechende Leuchtkraft würden die modernen Displays oft im Bereich des kurzwelligeren Blaulichts hochgezogen werden. „Unsere Augen haben zwar einen natürlichen Schutz, insbesondere vor UV-Licht, aber wenn die Belastung durch künstliches Blaulicht vergrößert wird, werden die Augen nach längerer Belastung Schaden nehmen können“, erläutert Borrmann und verweist dazu auf unterschiedliche Studien.

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Der energiereiche Blaulicht-Anteil kann bis in die Bereiche der Netzhaut vordringen und dort photochemische Reaktionen auslösen, die dann über mehrere Jahre gesehen Schäden verursachen können. So entstehen unter Umständen Langzeit-Folgen wie die Makuladegeneration, die sich vor allem im Alter bemerkbar machen dürften. Bevor man sich allerdings nur auf Blaulichtfilter-Brillen fokussiert, um Probleme zu lösen, betont Borrmann die Wichtigkeit von Untersuchungen: Mögliche Fehlsichtigkeiten zu korrigieren ist zunächst wichtiger als eine Blaulichtfilter-Brille.

Blaulichtfilter für viele geeignet, aber nicht für alle

Aus seinem Alltag weiß er, dass genauere Untersuchungen schon mal eine versteckte Fehlsichtigkeit offenbaren, „die dann auskorrigiert werden sollte. Und wenn die Person dann eine Brille trägt, insbesondere bei Bildschirmarbeit, werden die Probleme schon mal geringer“, erklärt er. Wie Borrmann sagt, gibt es keine konkreten Zahlen, ab wie vielen Stunden Bildschirmarbeit pro Tag eine Brille empfehlenswert ist. Eine Blaulichtfilter-Brille, ganz gleich ob mit oder ohne Sehstärke, ist jedoch für alle nützlich, die verstärkt auf Bildschirme schauen – wie zum Beispiel Büroarbeiter. Aber nützlich ist sie besonders dann, wenn man das Gefühl hat, dass das Licht unangenehm ist, vielleicht zu grell. Oder wenn Stress aufkommt, wenn das Sehen anstrengend wird, die Augen brennen, jucken oder müde werden. „Solche Dinge können darauf hinweisen, dass der erhöhte Blaulicht-Anteil zu Problemen führt“, sagt Borrmann.

Typischen Ermüdungserscheinungen vorzubeugen und möglichen Dauerschäden entgegenzuwirken, kann also ein Grund sein, auf eine solche Brille zurückzugreifen. Aber auch Menschen, die generell öfter unter Beschwerden wie trockenen oder brennenden Augen leiden oder manchmal mit einem Fremdkörpergefühl kämpfen, profitierten durchaus von einer Blaulichtfilter-Brille, wie Borrmann sagt.

Die Brillen filtern das Blaulicht aber nur prozentual, niemals vollständig. Ansonsten wäre die Farbwahrnehmung stark verfälscht. Das Gute bei all dem: Laut Borrmann kostet ein zusätzlicher Filter für die Brille keine hohe Summe. Außerdem seien Blaulichtfilter-Brillen auch im Alltag kein Problem.

Dennoch, in Berufen, in denen man auf eine möglichst haargenaue Farbwahrnehmung angewiesen ist, sollte man auf solche Brillen verzichten, um die Wahrnehmung nicht zu verfälschen. Auch für Menschen, die nur abends zwei bis drei Stunden vor dem Fernseher verbringen, sei eine Blaulichtfilter-Brille laut Borrmann nicht unbedingt notwendig.

Verschiedene Arten Blaulichtfilter

Zum einen gibt es eine bestimmte Entspiegelung für die Gläser, die das Blaulicht filtern kann. Alternativ erledigt das aber auch eine Tönung. Bei letzterer gibt es ebenso Unterschiede, je nach Hersteller. „Es gibt Tönungen, die den Blaulicht-Anteil bis etwa 410 Nanometern herausfiltern und es gibt Tönungen, die den Anteil bis 420 Nanometern zum größten Teil herausfiltern. Wichtig ist, dass man trotz dieser Filter eine einigermaßen natürliche Farbwahrnehmung hat“, sagt Borrmann.

Auch wenn Menschen, die auf eine ganz penible Farbwahrnehmung angewiesen sind, lieber die Finger von Blaulichtfiltern lassen sollten, brauchen sich alle anderen Interessierten trotzdem keine großen Sorgen wegen eines Farbstichs beim Sehen zu machen. „Es kann sein, dass, wenn man die Brille aufsetzt und bewusst auf die eine oder andere Farbwahrnehmung achtet, vielleicht einen kleinen Farbunterschied feststellt. Schaut man aber länger auf den Bildschirm oder einen Film, wird man eigentlich keine wirklichen Unterschiede oder Verfälschungen wahrnehmen. Das ist so minimal, das wird kaum ins Gewicht fallen.“

Entspiegelte Brillen haben farblose Gläser. Borrmann empfiehlt jedoch eher eine Tönung gegenüber einer Entspiegelung. Das hat vor allem ästhetische Gründe. „Es lässt sich auch mit anderen Tönungen kombinieren. Wenn man Wert auf beste Ästhetik legt, sind die Entspiegelungen nicht unbedingt für jede Brille empfehlenswert.“ Die Filter-Tönungen seien ziemlich gering, sodass man sie auf den ersten Blick gar nicht unbedingt sehe, verrät Borrmann. „Das kann man nicht vergleichen mit möglichen Gelb- oder Orangefiltern, die man aus dem Freizeitbereich von Sportbrillen kennt.“

Unterschied Jung und Alt

Durch Kundengespräche hat Borrmann erfahren, dass jeder Mensch eine längere Belastung durch Blaulicht subjektiv anders empfindet. „Ich glaube, dass die jungen Leute zum großen Teil weniger Probleme haben. Das zeigt sich auch darin, dass sie viel Zeit vor Tablets oder Handys verbringen. Ich denke, mit zunehmendem Alter, also etwa ab 40 Jahren aufwärts, treten mehr Probleme auf.“ Das habe aber vor allem damit zu tun, dass sich das kurzwellige Blaulicht im Bereich der Augenlinse bemerkbar mache, wenn früher oder später eine Linsentrübung auftrete. Kurzwelliges Licht wird nämlich laut Borrmann stärker in einer leicht getrübten Augenlinse gestreut, das Blenderscheinungen oder reduzierte Kontrastwahrnehmung verursachen kann.

Die Augen älterer Menschen sind so gesehen gewissermaßen vorbelastet, weshalb sie das blaue Licht weniger gut verarbeiten können. Das bedeutet jedoch nicht, dass junge Augen bei starker Belastung vor dem Blaulicht auf Dauer geschützt sind.