Friseure

NIEDERRHEIN. Sie sind Profis an Kamm und Schwere, aber auch gute Zuhörer und Seelentröster. Seit dem 16. Dezember – mit Beginn des zweiten kompletten Lockdowns im Zuge der Coronavirus-Pandemie – können Friseure ihr Handwerk jedoch vorerst nicht mehr ausüben. „Viele Familienbetriebe im Friseurhandwerk können die damit verbundenen Umsatzverluste nicht mehr überbrücken. Sie stehen vor dem existenziellen Aus“, sagt Cilly Elsing von der Kreishandwerkerschaft Kleve. Zusammen mit dem Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks kämpft die Friseur-Innung des Kreises Kleve für einen Re-Start ab dem 15. Februar und ruft alle 67 Friseur-Betriebe im Kreis Kleve dazu auf, am Sonntag und Montag 24 Stunden lang das Licht in ihren Salons im Rahmen der Aktion „Licht an, bevor es ganz ausgeht!“ brennen zu lassen.

„Wir wollen für unsere Kunden sichtbar bleiben und geben nicht auf“, sagt Karin Ingenillem, Obermeisterin der Friseur-Innung des Kreises Kleve. Das Licht soll demonstrieren, dass das Friseurhandwerk noch lebt. Es soll aber auch auf die dramatische Situation im zweiten Lockdown aufmerksam machen. „Wir kämpfen um unsere Existenz. Vor allem viele junge Kollegen, die noch nicht viel zurücklegen konnten, geraten in eine bedrohliche wirtschaftliche Situation“, sagt Ingenillem. Verschärft werde diese dadurch, dass noch keine finanziellen Hilfen seitens der Regierung zur Verfügung stünden: „Ich war jetzt zwei Mal bei meinem Steuerberater. Er hat mir gesagt, dass es noch keine Anträge gibt, die ich stellen könnte. Dabei laufen die Fixkosten ebenso wie Mitarbeiterkosten ja weiter. Wir brauchen jetzt dringend schnelle und unbürokratische Hilfen, die auch den Chef berücksichtigen.“

Für Kunden da sein

Derzeit versucht Ingenillem – wie viele ihrer Kollegen – mit dem Verkauf von Friseur-Produkten für ihre Kunden da zu sein: „Sie können mich jederzeit telefonisch erreichen. Zudem bin ich jeden Tag im Laden. Dadurch können meine Kunden zum Beispiel ihre Haarfarbe bei mir kaufen, damit sie zumindest nicht auf Drogerieprodukte zurückgreifen müssen.“ Das ersetze aber natürlich nicht das Handwerk an sich. „Ich glaube, dass viele, die sich zurzeit morgens die Haare waschen und sehen, wie ihr Ansatz aussieht oder ihr Haarschnitt rauswächst, deprimiert sind. Außerdem habe ich einige ältere Kundinnen, die mich wöchentlich besuchen und für die ihr Friseurbesuch das Highlight der Woche ist. Sie wollen erzählen und mit jemandem sprechen. Das fällt gerade auch weg. Deshalb möchte ich, dass wir für unsere Kunden wieder öffnen dürfen“, sagt Ingenillem.

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Die Forderungen
1. Die Überbrückungshilfen müssen passgenau gestaltet und schnell und unbürokratisch gewährt werden. 2. Eine nachhaltige Förderung unserer Ausbildungsleistung ist jetzt notwendig, um die duale Berufsausbildung zu sichern. 3. Auch der Chef oder die Chefin als wichtigster Mitarbeiter des Betriebs muss berücksichtigt werden. Sie gehen in den aktuellen Regelungen noch leer aus. 4. Schwarzarbeit muss gestoppt werden. Sichere Friseurdienstleistungen können nur wir Profis unter Wahrung der Hygiene- und Arbeitsschutzstandards in den Salons bieten.

Sorge bereitet der Branche auch die Zunahme von Schwarzarbeit bedingt durch die Schließung der Salons. „Wenn Friseurgeschäfte geschlossen bleiben, nimmt diese zu. Dabei können nur wir Profis in den Salons die Hygiene- und Arbeitsschutzstandards einhalten. Unser Hygienekonzept hat in den vergangenen Monaten gezeigt, dass es funktioniert. Es hat keine Masseninfektionen in Friseursalons gegeben“, sagt Ingenillem.

Optimistisch bleiben

Auch sie sei schon von Kunden gefragt worden, ob es nicht doch irgendwie eine Möglichkeit gebe, ihnen die Haare zu schneiden. „Ich habe ihnen erklärt, dass das nicht geht und ich ihnen lediglich einen Termin nach dem Ende des Lockdowns anbieten kann. Da wollen natürlich alle direkt den frühstmöglichen haben“, berichtet Ingenillem. Die Friseurmeisterin glaubt schließlich fest daran, dass sie ihren Laden in Geldern am 15. Februar wieder öffnen darf: „Ich muss ja optimistisch bleiben. Irgendwie muss es ja weitergehen.“