GELDERLAND. 15 Jahre sind eine gute, stolze Zahl. Da ist es nicht unpassend, aufzuhören. Genau dazu haben sich nämlich Ria und Werner Gerhards, die nahe bei Kapellen wohnen, entschieden. Er wird bald 80 Jahre alt, sie ist 78. „Das ist auch der Grund, warum wir jetzt aufhören“, sagt Werner Gerhards. Vor rund 60 Jahren haben sie sich kennengelernt und nach rund 15 Jahren gemeinsamen Jahren Ehrenamt im Museum de Locht in Melderslo wollen beide nun auch gemeinsam aufhören.

Dabei hat sich Ria Gerhards – sie war im Berufsleben kaufmännische Angestellte bei der UGA in Straelen – schon 2004 für das Ehrenamt beim Museum De Locht entschieden. Es ergab sich im Grunde von selbst, dass Werner Gerhards ihr ins Museum nachfolgte. „Als meine Frau da war, kam der Direktor des Museums zu mir in die Versteigerung und sagte: Werner! Wir brauchen dich, du kannst das auch. Somit habe ich schon in der Zeit, als ich noch bei der Versteigerung war, gerne die ehrenamtliche Tätigkeit aufgenommen und das eine oder andere ins Deutsche übersetzt.“ Dabei zeigt er sich bescheiden, erzählen seine Kollegen doch, er habe fast alle Übersetzungen für Flyer, Internetseite und Ausstellungen umgesetzt.

Besondere Beziehung

Da sich das Ehepaar schon lange kennt, war Werner Gerhards auch früh im Dorf Melderslo bekannt. „Ihre Beziehung ist eine besondere und hat dem Museum viel gebracht“, weiß Roel Baas vom Geschäftsführungsteam des Museums. Da er erst seit Januar 2020 dabei ist und Corona den Museumsbetrieb stark eingeschränkt hat, hatte Baas zu seinem Bedauern kaum Kontakt zum Ehepaar Gerhards. Trotzdem hat er von den übrigen Mitarbeitern nur Gutes gehört und weiß, dass alle sie sehr vermissen werden.

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Das Ehepaar Gerhards hat das Museum am Niederrhein immer weiter bekannt gemacht, Gruppen ins Museum gelockt und dort in deutscher Sprache herumgeführt. Dieses Engagement blieb auch von den anderen Mitarbeitern nicht unbemerkt: „Die beiden waren – während Ihrer vielen Fahrradtouren – immer mit Flyern von De Locht unterwegs und haben Unmengen davon verteilt“, sagt Baas.

Führungen mit Herz im Museum De Locht

Ria Gerhards war vor allem als Guide tätig, den Besuchern zeigte sie mit viel Herzblut die Sammlungen des Museums. Dabei erzählte sie immer gerne vom früheren Leben auf dem platten Land und auch von den Produkten der Region von damals und heute. Champignonzucht, Spargelanbau und Unterglasgartenbau setzte sie eindrucksvoll ins Licht.

Aber „wenn es größere Gruppen waren, wurden sie aufgeteilt und ich habe dann mitgemacht“, sagt Werner Gerhards. Wenn er also einmal in die Rolle eines Guides geschlüpft ist, nahm er am liebsten die historische Versteigerungsuhr in Betrieb und demonstrierte das Versteigerungswesen. „Das ergab sich ja von selbst, da ich im Berufsleben 36 Jahre Abteilungsleiter der EDV war und bei der Versteigerung die Gegebenheiten einer solchen bestens kannte.“

Außerdem war er ehrenamtliches Mitglied der PR-Kommission, nahm an den monatlichen PR-Besprechungen teil und pflegte die Kontakte zu grenzüberschreitenden Netzwerken und zu den Museen am Niederrhein. Auch das „Haus der Veener Geschichte“ in Alpen-Veen ist ein Partner.

Viele schöne Erinnerungen

In 15 Jahren erlebt man eine Menge. Eine Gegebenheit, an die sich beide noch gut erinnern, liegt bereits rund zehn Jahre zurück. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter wurden befragt, was ihnen an dem Museum am besten gefiel. „Da hat meine Frau einen Bericht über den Friseursalon geschrieben und ich über die Versteigerungsuhr. Die Berichte konnten dann lange Zeit als Audioangebot im Internet abgerufen werden“, erzählt Werner Gerhards.

Ehrenamtler, die über zehn Jahre im Museum De Locht tätig waren, bekommen außerdem nach ihrem Tod ein Blatt mit Namen an einem geschmiedeten Baum.

„Jetzt haben wir uns entschlossen, dass Jüngere übernehmen sollen.“ Werner Gerhards sprach sich zunächst stärker für diesen Entschluss aus, aber seine Ehefrau Ria schloss sich ihm schließlich an. Auch wenn es für sie eine besonders schwierige Entscheidung war. „Wir sind auch meistens beide zusammen zum Museum gefahren“, ergänzt Werner Gerhards.