KREIS KLEVE. Wertschätzung, Solidarität und Würde – Das sind die großen Themen der jetzt gestarteten Jahreskampagne #DasMachenWirGemeinsam der Caritas. Den Anstoß dazu gab die Corona-Pandemie. Denn wie im Brennglas zeigt das neuartige Coronavirus: Die Lebensrealitäten in Deutschland sind grundverschieden, die Spaltung der Gesellschaft nimmt zu. Das Thema des viel beschworenen Zusammenhalts in der Gesellschaft rückt daher unweigerlich in den Fokus.

Wie es um diesen tatsächlich bestellt ist, zeigt die aktuelle repräsentative Umfrage des Deutschen Caritasverbandes. 52 Prozent der Befragten haben das Gefühl, dass die Corona-Pandemie den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächt, lediglich 17 Prozent gehen von einer Stärkung aus. Auch das Thema Wertschätzung wurde in den Blick genommen.

Tragende Säule
der Gesellschaft

„Das Bild applaudierender Menschen an Fenstern und Balkonen ist vielen noch in Erinnerung“, blickt Stephan von Salm-Hoogstraeten, Vorstandsmitglied des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer, zurück. „Viel scheint aber nicht mehr übrig geblieben zu sein von der anfänglichen Welle der Solidarität. Wie groß ist daher die Wertschätzung für diejenigen Menschen wirklich, die täglich unsere Versorgung sicherstellen?“ Dieselbe Frage sei auch im Hinblick auf die Mitarbeitenden in den sozialen Diensten zu stellen. Denn auch sie bieten wichtige Unterstützungsleistungen in der Krise. „Ob Beratung bei Schulden oder Erziehungsproblemen, ob Hilfe in Notlagen.

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Wie viel ist der Gesellschaft die Arbeit für die Menschen wert, deren Situation durch Corona noch verschärft wird?“ fragt Rainer Borsch, Vorstand des Caritasverbandes Kleve. Caritas, Diakonie und andere freie, gemeinnützige Träger im Sozialbereich seien in den letzten Monaten eine entscheidende und tragende Säule der Gesellschaft gewesen. Die beiden Vorstände beziehen klar Stellung: „Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass eine funktionierende soziale Infrastruktur die Voraussetzung dafür ist, dass Menschen in schwierigen Zeiten durchkommen. Die sozialen Angebote müssen daher überall vorhanden und für alle zugänglich sein. Dies schließt eine deutliche Aufwertung ein.“

Applaus reicht nicht aus

Unterstützung erfährt diese Einschätzung durch die Befragung der Caritas. Denn Applaus reicht den Bundesbürgern nicht. Die für sie wichtigste Aufgabe der Politik ist aktuell, den Stellenwert und die Arbeitsbedingungen der sozialen Berufe zu verbessern. In der Umfrage nennen dies mit 48 Prozent die meisten Befragten, gefolgt vom Klimaschutz mit 29 Prozent. In die gleiche Richtung weist die Unterstützung der sozialen Infrastruktur an dritter Stelle mit 22 Prozent. Die Umfrage, bei der zwischen dem 11. und 14. Dezember insgesamt 2.003 Bundesbürger befragt wurden, wollte unter anderem wissen, auf welche der politischen Handlungsfelder sich der Staat baldmöglichst am stärksten konzentrieren sollte. Das eindeutige Resultat sehen auch die Vorstände der beiden Caritasverbände im Kreis Kleve als Verpflichtung für die politischen Parteien, Lösungen zeitnah zu entwickeln.

„Die Pandemie hat vielen Menschen die Bedeutung der sozialen Arbeit bewusst werden lassen“, resümiert von Salm-Hoogstraeten. „Und genau an diesem Punkt werde die am 14. Januar bundesweit gestartete Kampagne #DasMachenWirGemeinsam ansetzen.“ Die Caritas will in ihrer Kampagne die dafür grundlegenden Fragen breit diskutieren und bietet eigene Lösungsansätze wie zum Beispiel zum Umbau der Rentenversicherung oder für Digitalisierungsstrategien im Sozial- und Bildungsbereich. „Wir müssen uns grundsätzlich damit auseinandersetzen, was uns soziale Sicherung und Bildung wert ist“, gibt Borsch einen Ausblick.

„Künftigen Generationen einen
lebenswerten Planeten zu hinterlassen“

Das für die Bundesbürger zweitwichtigste Anliegen, den Klimaschutz, will die Caritas in einer eigenen Initiative ebenso in den Blick nehmen. „Für uns ist auch die Frage wichtig, wie wir es schaffen, künftigen Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen“, betont von Salm-Hoogstraeten vom Caritasverband Geldern-Kevelaer.
Hoffnung mache allerdings ein weiteres Umfrageergebnis: 41 Prozent der Befragten glauben, dass sie etwas zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen könnten. Nur gut ein Viertel der Menschen fühle sich ausdrücklich machtlos. „Wir wollen so viele Menschen wie möglich ermutigen sich einzubringen – egal ob im Hauptberuf oder im Ehrenamt“, sind sich die beiden Caritasverbände einig.