Lockdown auch in der Hunde-Erziehung

Hundeschulen sind zur Zeit arbeitlos, viele Hundebesitzer fühlen sich überfordert und bräuchten Unterstützung in der Ausbildung

NIEDERRHEIN. Lockdown – jeder kennt inzwischen dieses Wort, weiß, dass es zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eingesetzt wird und mit vielen Einschränkungen verbunden ist. Hundebesitzerin Petra Lottmann aus Sonsbeck fragt sich, warum müssen auch Hundeschulen geschlossen sein. „Sie haben eine Außenfläche von mehreren tausend Quadratmetern, ein funktionierendes Hygienekonzept, die Abstände könnten locker eingehalten werden. Warum dürfen keine Minigruppen trainieren? Oder mindestens ein Einzeltraining stattfinden?“

Die Ausbildung soll Hunden und Besitzern Spaß machen. Dabei erlernen bereits die Welpen Grundkommandos wie Komm, Sitz, Platz und Bleib     Fotos: privat

Diese Fragen stellt sich auch Beata Schubert, die in Issum eine Hundeschule mit über 17.000 Quadratmetern Freifläche führt. Normalerweise bietet sie auch Training in Alpen, Geldern und Rheinberg an.

Sozialisierung muss im Welpenalter erfolgen

„Im März 2020 mussten wir bereits für zwei Monate schließen, jetzt ist seit Anfang November wieder geschlossen. Dabei habe ich etwa 50 Anfragen von Besitzern von Hundewelpen, die dringend einen Kurs belegen möchten.“, macht sie die Situation deutlich und erklärt: „Hunde sind Rudeltiere, die normalerweise eineinhalb Jahre lang mit ihren Geschwistern aufwachsen. Da sie aber meist mit rund neun Wochen dem neuen Besitzer veräußert werden, ist es wichtig für die Sozialisierung, dass sie mit anderen Hunden spielen können. Schon nach einigen Wochen beginnt für die Welpen die Pubertät und dann ist es bereits zu spät, mit der Sozialisierung zu beginnen. Die Erziehung wird schwieriger und es kann passieren, dass Hunde unerwünschtes Verhalten zeigen oder einige sogar in bestimmten Situationen aggressiv werden.“

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Viele Hundebesitzer sind überfordert

Schubert weiter: „In der Corona-Phase haben sich viele einen Hund angeschafft. Ich befürchte, dass durch fehlende Ausbildung viele Hundeführer überfordert sind. Da hilft auch keine digitale Schulung. Sozialisierung erfolgt durch gemeinsames Spiel, indem die Welpen andere Hunde und Menschen in unterschiedlichen Situationen wahrnehmen. Hinzu kommt, dass in Deutschland sehr viele Hunde aus dem Ausland vermittelt werden, die ein völlig anderes Leben hinter sich haben und sich hier anpassen sollen. Ihr Vertrauen zu gewinnen ist oftmals schwierig und fachkundige Hilfe wäre hier oft notwendig, die wir durch die jetzt dreimonatige Schließung aber nicht geben können.“ Weiß der Hundebeitzer sich dann nicht mehr zu helfen ist das Tierheim aber auch nicht die Lösung. „Sie sind seit Jahren überfüllt“, weiß Beata Schubert.

Stehen Hundeschulen vor dem Aus?

Das Spielen mit anderen Vierbeinern ist wichtig für Hunde.

Petra Lockmann sorgt sich nicht nur um die Hunde und deren Besitzer, sondern auch um die gut ausgebildeten Hundetrainer, die nun zwangsweise keine Arbeit mehr haben. Auch da kann Beata Schubert nur zustimmen: „Ich kenne viele Kollegen, die kurz vor dem Aus stehen. Erst Ende November konnten wir die Novemberhilfe beantragen. Bisher ist davon aber nur ein Abschlag angekommen, die Kosten wie zum Beispiel Pacht oder Versicherungen laufen aber weiter. Viele Hundeschulen sind in echter Notlage und leider haben wir keine Lobby, die sich für unsere Sorgen einsetzt.“

Natürlich ist der Lockdown wichtig, bekräftigt Beata Schubert, doch für sie und ihre Kollegen ist er gleichzeitig ein „Albtraum“ und blickt auf ihr riesiges Gelände, das Hunde zum Toben und Spielen auffordert und nun verwaist dar liegt.