NIEDERRHEIN. „Für die Menschen in der Region wäre es katastrophal, wenn wir die Kinderzentren aufgeben müssten.“ Es ist ein Hilferuf, den Cindy Vüllings von der Flüchtlingshilfe Mittelamerika da formuliert, denn momentan steht es schlecht um den Fortbestand des Projekts. Seit mehr als 25 Jahren unterstützt der als gemeinnützig anerkannte Verein, der 1982 gegründet wurde und dessen Geschäftsstelle in Goch ist, die Kinderzentren am Bajo Lempa in El Salvador. Für 180 Kinder bedeutet das geregelte Mahlzeiten, gesundheitliche Betreuung, altersgemäße Förderung und Raum für Kinderspiel. Wegen der Pandemie sind die Spendeneinnahmen des Vereins rückläufig. Mit der Aktion „Jede Stunde zählt!“ will man nun versuchen, langfristig kleinere Beträge zu bündeln, die gezielt den Kindern zu Gute kommen.

In den Kinderzentren gibt es für die Kleinen täglich warme Mahlzeiten und Obst – viele Familien könnten sich das nicht leisten.

„Die Unterstützung der Kinder ist zugleich auch eine Unterstützung für deren Familien“, weiß Vüllings. Die Menschen in der Region sind arm. Bandenkriminalität, Arbeitslosigkeit, zerstörte Familien, häusliche Gewalt, Vernachlässigung und Missbrauch lassen die Kinder in einer Welt voller Angst und ohne Perspektive auf ein besseres Leben aufwachsen. „Die Kinder sind die großen Verlierer“, sagt Vüllings: „Nicht selten wachsen sie ohne ihren Vater, ohne ihre Mutter auf. Oder ohne beide. Sie leben bei Großeltern oder den oft nur ein wenig älteren Geschwistern.“ Und eins stellt sie auch gleich klar: „Staatliche Hilfe sichert die angemessene Versorgung der Kinder nicht.“ Die Löhne für die 29 Erzieherinnen und zehn Köchinnen und die Kosten für Materialien sowie die Instandhaltung der Gebäude werden nur etwa zur Hälfte gedeckt. Zwar steuern auch die Familien einen kleinen Teil bei – das reicht aber bei weitem nicht, um die finanzielle Lücke zu füllen.

Flüchtlingshilfe versucht
es mit Patenschaften

Die Flüchtlingshilfe unterstützt die Kinderzentren deshalb jährlich mit insgesamt 60.000 Euro. „20.000 Euro kommen mit Hilfe unserer Partner, wie etwa der Pfarrgemeinde Bedburg-Hau, zusammen – das ist Geld, das wir in der Regel fest einplanen können. Bleiben 40.000 Euro, die wir mit generellen Spenden abdecken müssen“, legt Cindy Vüllings die Karten auf den Tisch. Wenn große Spenden ausbleiben, dann muss es anders aufgefangen werden.
So ist man bei der Flüchtlingshilfe auf die Idee gekommen, es mit Patenschaften zu probieren.

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Mehr als 1.800 Pakete kamen bei der Weihnachts-Funken-Aktion 2020 zusammen und sorgten in den Kinderzentren und Schulen für strahlende Kinderaugen.

Weil man nicht einzelne Kinder bevorzugen, sondern die Gemeinschaft unterstützen will, entstand „Jede Stunde zählt!“ – umgerechnet sind es nämlich 7,50 Euro stündlich, die benötigt werden, um den Fortbestand der fünf Kinderzentren zu sichern. Man kann die Zukunft der Kinder zum Beispiel monatlich mit 7,50 Euro für eine Stunde sichern – oder gleich mehrere Stunden übernehmen.
Abgebucht wird auf Wunsch auch viertel-, halbjährlich oder einmal im Jahr, so wie es bei Patenschaften üblich ist. Natürlich gibt es eine Spendenbescheinigung – und regelmäßige Infos aus den Kinderzentren. „Wir werden alle zwei Monate eine Rundmail an die Paten schicken und sie auf dem Laufenden halten“, verspricht Vüllings. Sie hofft, dass sich mit Hilfe der kleinen Beträge viel mehr Menschen bereit erklären, dieses für die Familien in El Salvador so wichtige Projekt dauerhaft zu sichern.

Delegation vom Niederrhein
wird aus erster Hand berichten

Im Februar wird eine kleine Delegation vom Niederrhein wieder vor Ort sein und kann dann aus erster Hand berichten. „Natürlich wird es auch möglich sein, Kontakt zu den Kindern und Mitarbeitern aufzunehmen und vielleicht sogar selbst einmal hinzufliegen“, ist man bei der Flüchtlingshilfe in Sachen Patenschaften noch offen für weitere Ideen.
Darüber hinaus ist die Flüchtlingshilfe Mittelamerika nach wie vor für Einzelspenden dankbar, denn der Verein setzt sich vielfältig ein, um mit den unterschiedlichsten Projekten zur Verbesserung der Lebensbedingungen am Bajo Lempa beizutragen. Dabei geht es in erster Linie um strukturelle Veränderungen, aber auch um schnelle Hilfe in Notlagen. Immer wieder erfordern etwa schwere Naturkatastrophen unbürokratische Unterstützung in Form von Geld- oder Sachspenden. Und auch die alljährliche Aktion „Weihnachts-Funken“ ist für die Menschen in einer der ärmsten Regionen der Welt zu einem „Hoffnungs-Funken“ von unschätzbarem Wert geworden.

Wer sich für die Patenschaft interessiert oder den Verein anderweitig unterstützen möchte, kann sich per Email an info@fluehi-ma.org wenden oder Cindy Vüllings telefonisch unter 01575/ 2679136 erreichen. Weitere Informationen findet man auch im Internet auf der Seite www.fluehi-ma.org.