Chorgemeinschaft trotzt Corona

Kolpingchor 1890 Goch hält trotz Lockdown mit viel Einfallsreichtum den Kontakt zu den Sängern

GOCH. Corona macht notgedrungen erfinderisch, das stellt in diesem außergewöhnlichen Jahr auch der Kolpingchor 1890 Goch unter Beweis. Denn kaum war Norbert Rauenhoff zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt worden, rückte die Pandemie auf die Tagesordnung der ersten Vorstandssitzung.

„Bis Ende Februar war die Chor-Welt für uns noch in Ordnung“, erinnert sich Rauenhoff, „dann mussten wir alles dicht machen und sämtliche Choraktivitäten einstellen.“ Da stellte sich die Frage, wie der Kontakt zu den Sängern – aktuell sind es 44 – gehalten werden kann. Chorleiter Paul Verheyen hatte eine Idee: „Seit 1980 zeichne ich alle unsere Konzerte auf und habe inzwischen einen riesigen Fundus.“ Daraus schöpft er für die E-Mail, die jeden Freitag, dem regulären Probentag, an die Mitglieder verschickt wird. „Angehängt sind zwei oder drei Lieder als Audio-Dateien, versehen mit Kommentaren von mir; einfach zum Anhören und als Sig­nal ,ich bin ja noch Sänger’“, erzählt Verheyen. „Das machen wir jetzt auch zu den Geburtstagen unserer Mitglieder mit einem vierstimmig verfassten personalisierten Glückwunsch und möglichst zum ,11-Ührken’ rufen wir an“, ergänzt Norbert Rauenhoff.

Konzertmappe zum Üben

Sah es im Sommer zunächst noch nach Lockerungen aus – zwei Stammtische und ein Grillabend konnten stattfinden – musste sich der Kolpingchor bald doch Gedanken über sein traditionelles Adventskonzert in der Aula des Collegium Augus­tinianum Gaesdonck machen. Damit sich die Sänger auch ohne Probenbetrieb mit dem Konzert beschäftigen konnten, erstellte Paul Verheyen eine Konzertmappe mit allen Beiträgen und eine Übungs-CD für jede Stimme. „Dafür habe ich ein Studioprogramm benutzt, mit dem ich alles abmischen kann“, berichtet Verheyen, „die jeweilige Stimme, Tenor oder Bass, lässt sich dann herausheben.“ Zwar könne man nicht davon ausgehen, dass jeder Sänger zuhause übe, aber: „Die, die es tun, sind dann hilfreich für die anderen“, betont Verheyen. Denn grundsätzlich, so Verheyen, sei ein Laienchor darauf angewiesen, sich beim Singen gegenseitig zu hören, das mache die Sache ohne gemeinsame Proben nicht einfacher.
Wie befürchtet, musste das Konzert auf der Gaesdonck schließlich abgesagt werden. „Wir werden es aber im nächsten Jahr nachholen“, so Verheyen und Rauenhoff. „Die Mappe ist fertig, die Sänger wissen, wie sich Konzert anhören soll, das erzeugt vielleicht auch Vorfreude“, meint Rauenhoff.

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Abgesagt werden musste auch der Jahresabschluss-Abend, der am heutigen Samstag hätte stattfinden sollen. Doppelt schade, denn in diesem festlichen Rahmen wären die Jubilare des Kolpingchores Goch ausgezeichnet worden. Eine Alternative zu den persönlichen Ehrungen musste also her. „Da haben wir uns für das ,Fleurop-Prinzip’ entschieden“, erzählt Norbert Rauenhoff. Alle Jubilare bekommen nun einen Blumenstrauß mit Glückwunschkarte des Chores, Urkunde und Ehrennadel vom Chorverband und eine Jubiläums-CD. Auf dieser findet sich natürlich wieder ein vierstimmiger, persönlicher Glückwunsch, den Paul Verheyen kreiert hat. Per Telefon gratuliert Norbert Rauenhoff den Jubilaren.

Eine Ausnahme wurde aber gemacht: Bereits am vergangenen Mittwoch haben Norbert Rauenhoff und Paul Verheyen einem Chormitglied persönlich gratuliert, das es auf ungalubliche 75 Jahre Mitgliedschaft bringt: Theo Holl. „Das ist beim Chorverband gar nicht vorgesehen“, erklärt Norbert Rauenhoff, „es gibt keine passende Ehrennadel, so selten ist es. Das dürfte deutschlandweit einmalig sein.“ So prangt auf der Ehrennadel für Theo Holl eben keine Jahreszahl. Der heute 92-Jährige singt den 1. Bass im Kolpingchor und ist ein treuer Sänger, der im vergangenen Jahr noch bei den Proben und beim Konzert auf der Gaesdonck dabei war.

Ehrennadel ohne Jahreszahl

Theo Holl ist verheiratet und hat eine Tochter. Ursprünglich war er gelernter Heizungsinstallateur, doch er wechselte früh zum Ordnungsamt Goch und dies führte ihn dann zur Freiwilligen Feuerwehr. Dort wurde er Chef der Feuerwache Goch, mit 60 Jahren schied Theo Holl aus. In zwei Jahren kann er 80 Jahre Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr Goch feiern. Briefmarkensammler mit Leidenschaft, erfolgreicher Brieftaubenzüchter mit vielen Preisen und Auszeichnungen sowie Hobby-Kupferschmied für Figuren, Bilder oder Wetterhähne – Theo Holl pflegt neben dem Singen vielfältige Interessen.

Blick in die Zukunft

Trotz aller Corona-Beschränkungen schaut man beim Kolpingchor Goch zuversichtlich in die Zukunft. „Wir haben alle die Hoffnung, dass wir bald wieder in ordentliches Fahrwasser kommen und singen dürfen, aber das dauert wohl noch etwas“, sagt Norbert Rauenhoff. Vorfreude weckt ebenfalls das bald fertig renovierte Kolpinghaus, das Heinrich Schmitz – aktives Mitglied der Kolpingfamilie Goch – 2019 übernommen hat. „Das ist ein Glücksfall für die Kolpingfamilie“, bekräftigt Paul Verheyen. Können doch die Gruppen der Kolpingfamilie künftig wieder die Räume nutzen. Dort könnte dann auch ein „Trau-Dich-Abend“ stattfinden, bei dem Interessierte das Chor-Singen ausprobieren. So wie Norbert Rauenhoff, der 2008 seinem Nachbarn Günther Hemmers, dem damaligen Vorsitzenden des Kolpingchores, zuliebe mitgegangen ist und das bis heute nicht bereut hat. „Das war ein totaler Zufall, ich wollte eigentlich nie in einen Chor oder Verein“, schmunzelt er, „aber dann war der Abend so toll, dass ich gesagt habe, ok ich bin dabei.“

Kontakt

Über neue Sänger in seinen Reihen freut sich Kolpingchor 1890 Goch natürlich jederzeit. Das Repertoire ist breit gefächert: klassische, moderne und geistliche Chormusik, Spirituals, lateinische und russische Gesänge.
Wer sich informieren möchte, kann das unter www.kolping-goch.de tun oder eine E-Mail mit seinen Fragen an den 1. Vorsitzenden Norbert Rauenhoff schicken: norbertrauenhoff@hotmail.com.

Jubilare

Theo Holl, 75 Jahre
Heinz Rouenhoff, 65 Jahre
Hans Rouenhoff, 65 Jahre
Rudi Kempkes, 60 Jahre
Jakob Schoofs, 50 Jahre
Hans-Peter Jenneskens, 40 Jahre
Johannes Verhoeven, 25 Jahre