EMMERICH. Es ist immer gut, wenn man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. Das scheint der Stadt Emmerich in Kooperation mit dem Turnverein (TV) Elten und anderen Partnern bald mit dem Projekt „Kinder in Bewegung“ gelingen zu können. Das Hauptziel: Gesundheitsfördernde Strukturen aufzubauen, um Vorschulkindern durch ein sportliches Angebot zudem einen geschmeidigen Übergang ins Schulleben zu ermöglichen.

In diesem Sinne sollen die Angebote, sobald dies wieder möglich ist, gemeinsam mit Vorschulkindern und Erstklässlern stattfinden. „Nur wenn der Übergang vom Vorschulkind zum Schulkind positiv erlebt wird, ist es möglich, dass man sich mit Zuversicht und Neugier auf seine neue Situation einlassen kann. Nach diesem Leitgedanken wollen wir unser Projekt gestalten“, sagt Projektkoordinatorin Anja Jansen-Raadts.

Ähnlich sieht es auch Sabrina Angenendt, Vorsitzende des TV Elten. Indem man die Vorschul- mit den Grundschulkindern zusammenführe, könnten sich die Kinder frühzeitig kennenlernen und Ansprechpartner finden.

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Netzwerk-Treffen bringen jetzt Kinder in Bewegung

Entstanden ist die Idee im Rahmen der Netzwerktreffen der kommunalen Präventionskette „Pro Kids“, wie Jansen-Raadts erzählt. So habe es die Nachfrage gegeben, ob man bezüglich der Strukturen, Maßnahmen und Angebote im Bereich Übergang von der Kita in die Grundschule Dinge verändern, ergänzen oder ausbauen könne.

Beim Gedanken daran, wo eine Notwendigkeit für die Förderung liegt, rückten schnell die Innenstadt-Kinder in den Vordergrund. Diese hätten laut Jansen-Raadts weniger Möglichkeit zur Bewegung. „Oftmals ist zum Beispiel kein Garten vorhanden und auch die Angebote der Sportvereine nutzen diese Kinder weniger, da die Angebote und Vereine eher außerhalb des Stadtkerns liegen und schwerer zu erreichen sind.“

Eine Gemeinschaftsunternehmung

Der TV Elten ist gewissermaßen der Hauptpartner der Stadt Emmerich, mit dessen Hilfe sie mit den Kindern in verschiedenen Einrichtungen arbeiten will. Und so kommen noch weitere Partner hinzu.

Unabdinglich waren Gespräche mit den Einrichtungen, die die Innenstadt-Kinder in erster Linie besuchen: Dazu zählen die Kitas St. Martini, St. Aldegundis und Sterntaler, das Familienzentrum Arche Noah sowie die Rheinschule und die Leegmeer- und Liebfrauengrundschule.

Neben dem TV Elten zielt die Stadt auch auf eine Beteiligung anderer Sportvereine ab – in Form eines Sportkarussells. In diesem Sinne sollen sie den Kindern ihre Sportart vorstellen, sodass sie leichter in Bewegung gebracht und in den Vereinssport integriert werden können. Dadurch soll zeitgleich der Ausbau und die Vernetzung von Kitas beziehungsweise Schulen und Vereinen aus- und aufgebaut werden. Für Bürgermeister Peter Hinze eine gute Möglichkeit für die Vereine, neue Mitglieder zu gewinnen.

Der Kreissportbund und die Hochschule Kleve sind ebenfalls Kooperationspartner. „Das ist für uns eine neue Erfahrung, die sicherlich zusätzliche Wege und Möglichkeiten eröffnet“, erklärt Jansen-Raadts.

Das Projekt soll laut Jansen-Raadts deutlich machen, wie wertvoll Sport und Bewegung für Kinder ist. „Viele Kinder sind aus verschiedenen Gründen alltäglichen Belastungen ausgesetzt, durch den Sport kann eine Form von Stressbewältigung stattfinden.“ So könnten die Kinder ihren Kopf frei bekommen oder einfach mal durchatmen.

Das Angebot soll so aufgebaut werden, dass den Kindern eine Stimme gegeben und der Sport in ihrem Sinne vor Ort gestaltet wird. „So ein Angebot kann nur gut werden, wenn Kinder und Eltern beteiligt sind.“

In das Projekt sollen noch weitere Aspekte hineinspielen, darunter das Prinzip „Ältere helfen Jüngeren“. In diesem Kontext sollen ältere Schüler zu Sportlotsen geschult werden, die dann am Projekt mitwirken. Zudem sind Eltern-Kind-Angebote geplant, sodass der Bewegungs-Ansatz innerhalb der Familien weitergeführt werden kann.

Die C-Frage

Trotz aller Überlegungen steht immer noch der Elefant im Raum, den man nicht ignorieren kann: Corona. Die Wunschideen lassen sich vorerst nicht einfach so umsetzen, das Wissen die Verantwortlichen. Dennoch wollen sie Anfang 2021 mit dem Projekt starten. Denn ab dann beginnt über zwei Jahre hinweg eine Förderung des Landessportbunds NRW in Höhe von 22.000 Euro.

Jansen-Raadts spricht derzeit mit den Einrichtungen, um alternative Ideen zu entwickeln, wie man den Kindern trotz Corona schöne und besondere Aktionen bieten kann. „Wir sind dabei zu schauen, was überhaupt in den Einrichtungen möglich ist.“ Erste Gedanken kreisen etwa darum, in festen Gruppen von Vorschulkindern Angebote in der Natur umzusetzen. „Kinder in Bewegung“ ist ein Bestandteil des Projekts „Sportplatz Kommune – Kinder- und Jugendsport fördern in NRW“.