STRAELEN. Erfolgsgeschichten wie diese kennt man meist nur aus Filmen, aber mit Ehrgeiz, Fleiß, der richtigen Unterstützung und ein bisschen Glück ist eben vieles möglich. Das beweist Anika Wünsch aus Straelen. Sie arbeitete zunächst als Reinigungskraft in der Straelener Markt Apotheke, bis ihr Inhaberin Marta Sommerkamp das Angebot für eine Ausbildung als Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) machte. Die hat sie jetzt beendet – besser als einfach nur „sehr gut“, denn der Verband Freier Berufe in NRW hat sie als beste Auszubildende in ihrem Bereich ausgezeichnet. Zusammen mit 39 von rund 12.000 Auszubildenden aus anderen Bereichen.

Die Umstände der Auszeichnung hätten zwar schöner sein können, aber auch in Form einer Online-Konferenz herrschten große Gefühle. „Ehrlich gesagt, es ist ein bisschen unwirklich. Aber es fühlt sich sehr schön und besonders an. Die Arbeit hat sich gelohnt!“, sagt Wünsch. In dem heimisch eingerichteten Bereich über der Apotheke waren während der Auszeichnung auch Wünschs Eltern sowie ihre Chefin Sommerkamp dabei.

Keine klassische Auszubildende

Mit ihren jetzt 30 Jahren war Wünsch, wie sie selbst sagt, keine klassische Auszubildende. Ein entscheidender Faktor für ihren Werdegang waren zunächst die Ansichten Sommerkamps, die großen Wert auf Ausbildung legt und es als ihre Pflicht sieht, ihr Wissen an andere weiterzugeben.

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Als sie 2016 eine Auszubildende einstellen wollte, fiel ihre Aufmerksamkeit auf Wünsch. Beide erinnern sich noch gut an das schicksalhafte Gespräch: „Es war ein sehr offenes und emotionales Gespräch“, sagt Sommerkamp, dem Wünsch nur zustimmen kann. Sie bat zwar zunächst um etwas Zeit, die Sache zu überdenken, aber es war ein Angebot, dass sie gar nicht ablehnen konnte. „Eigentlich war schon direkt klar, dass ich das mache. Denn so eine Chance hat man, denke ich, nie wieder in seinem Leben“, sagt Wünsch.

So fand sie in der Markt Apotheke letztlich ihren Traumberuf, von dem sie gar nicht wusste, dass er existierte. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Beruf so gut zu mir passt.“ Dafür sei aber auch zu einem großen Teil das hervorragende Team verantwortlich. „Wenn man so viel Rückhalt hat, dann bestärkt das darin, weiterzumachen. Es macht einfach Spaß.“

Sich als Mensch entwickeln

Der Beruf ermöglichte es Wünsch, sich als Mensch weiterzuentwickeln. „Als ich jünger war, war ich wirklich sehr introvertiert und schüchtern“. Das sei auch am Anfang der Ausbildung so gewesen. „Die Ausbildung hat mir wirklich viel gegeben, auch für das Leben. Ich bin lockerer und offener geworden“, fasst sie zusammen.

In der Ausbildung hatte sie, wie wohl die meisten Auszubildenden, immer wieder einmal schwere Zeiten. So war sie sich zu Anfang nicht sicher, ob das mit dem Lernen funktionieren würde, wo ihre Schulzeit doch einige Zeit zurücklag.

„Ich habe öfter an mir selbst gezweifelt. Ganz schlimm war es, als ich erfahren habe, dass ich wegen Corona nicht mehr zur Schule gehen kann. Und das noch vor meiner Prüfung.“ Rückwirkend hätten sich solche Ängste jedoch als unbegründet herausgestellt.

Heute weiß sie, dass man Selbstbewusstsein auch lernen kann. Geholfen hat ihr, gegenüber dem Team und ihrer Chefin offen mit ihren Sorgen zu sein. „Wenn mal ein Tiefpunkt kam, hat sie von uns eine Motivationsspritze bekommen.“ sagt Sommerkamp gut gelaunt.

Mit Hinweisen und Tipps war das ganze Team stets für Wünsch da und übte auch für die Prüfung regelmäßig mit ihr. „Ich bin immer auf Zuspruch und Hilfe gestoßen. Es war wirklich eine schöne Zeit“, sagt Wünsch. Sehr dankbar ist sie auch für die unermüdliche Hilfe ihrer Eltern: „Sie haben mich in den drei Jahren mehr als unterstützt.“

Nahe am Kunden

Auch wenn es befremdlich erscheinen mag, gefällt Wünsch von ihren Aufgaben vor allem eine: „Wir versorgen unsere Kunden auch mit Inkontinenzvorlagen. Ab dem zweiten Lehrjahr habe ich damit angefangen und das habe ich jetzt nach meiner Ausbildung übernommen.“ Ihr gefällt daran vor allem, dass es nahe am Kunden ist. Die richtige Hilfe bei Beschwerden zu bieten und den Kunden das Gefühl zu vermitteln, gut aufgehoben zu sein, liegen ihr besonders am Herzen.

Das zeigt sich auch in den Telefonaten mit den Kunden der Markt Apotheke. „Es macht viel Spaß, mit ihnen zu sprechen, manchmal auch über Privates. Wir haben viele ältere Kunden, da hört man gerne zu, wenn sie irgendein Problem haben. Ich bin ein sehr herzlicher Mensch, ich möchte mir dann auch gerne Zeit nehmen.“

Das ist ein Wesenszug, den Sommerkamp sehr schätzt. „Wir tragen auf unserem Logo ‚Die Apotheke mit Herz im Herzen von Straelen!‘ und Frau Wünsch verwirklicht mit ihrer Arbeit, was wir von uns behaupten. Und das macht mich ganz besonders stolz.“

Offene und rosige Zukunft

Die Zukunft meißelt Wünsch derzeit noch nicht in Stein. Aber sie hat viele Weiterbildungsmöglichkeiten in Aussicht, darunter eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA).

Gerade nach ihrer hervorragenden Ausbildung ist ihr bewusst: „Man ist nie zu alt, sich weiterzubilden oder etwas Neues zu beginnen. Und das möchte man ja auch, nicht immer auf demselben Stand bleiben, sondern Neues dazulernen.“

Was sie schon jetzt weiß, ist, dass sie gerne in der Markt Apotheke bleiben möchte. „Wir sind wie eine kleine Familie und das sind die Momente, die Ausbildung so besonders gemacht haben. Ich könnte mir vorstellen, für immer hierzubleiben.“