Arbeiten unter erschwerten Bedingungen

Rita Schiffer aus Sonsbeck leitet das Attat Hospital in Äthiopien und bittet um Unterstützung gerade in Corona-Zeiten

SONSBECK. Rita Schiffer aus Sonsbeck hat sich bereits vor vielen Jahren für ein Leben im Dienst der Ärmsten entschieden. Seit 23 Jahren lebt sie mit acht weiteren Ordensschwestern aus vier Nationen in Attat (Äthiopien) und ist als Gynäkologin ärtzliche Leiterin des Missionskrankenhauses Attat. Langeweile gibt‘s nicht. 112.000 Menschen suchen alljährlich die Ambulanz auf und nehmen dafür weite Wege in Kauf.

So kennt man die Sonsbeckerin Rita Schiffer, die hier inmitten von Frauen (vor der Corona-Zeit) einem Fest beiwohnt. Seit 23 Jahren lebt und arbeitet sie im Attat Missionskrankenhaus in Äthiopien. Viele Menschen vom Niederrhein unterstützen ihren wertvollen Einsatz. Gerade in Corona-Zeiten ist die Hilfe besonders wichtig
Fotos: privat

Die Hauptstadt Addis Abeba ist 185 Kilometer entfernt. Viele Jahre war das Attat Hospital das einzige Krankenhaus auf dem Lande. Jetzt hat in 18 Kilometern Entfernung ein 400 Betten Universitätskrankenhaus eröffnet. 20 Fachärzte sind dort tätig und diese haben gleichzeitig sieben neue Privatpraxen in der Umbegung eröffnet. Schwester Rita schreibt: „Eine Herausforderung für uns ist, dass erfahrene Mitarbeiter gekündigt haben und jetzt an der Uni-Klinik arbeiten, zum Beispiel unser Laborleiter und drei MTAs, der Leiter des OPs und ein zweiter Anästhesist, die leitendende Hebamme und fünf weitere Hebammen, zwei Buchführungskräfte und jemand vom technischen Dienst.“ Trotz aller Schwierigkeiten, die vakanten Stellen neu zu besetzen, bleibt die Patientennachfrage ungebrochen, denn so schreibt Schwester Rita: „Unsere Zielgruppe sind vor allem Menschen, die sich keine privaten Praxen leisten können. Die Situation auf dem Gesundheitsektor wird auch immer komplexer.“

Schwester Rita ist Gynäkologin und ist immer für ihre Patientinnen da.

Und sie war total gerührt über das Verhalten einer Mitarbeiterin, die gerne zu einem anderen Arbeitsplatz gewechselt wäre. Doch das konnte die Leiterin aufgrund des Personalverlusts nicht genehmigen. Zunächst war sie darüber sehr traurig, doch schon bald war sie wieder guter Dinge und begründete das so: „Ich habe in der Pause darüber nachgedacht, was wichtig ist im Leben. Ich bin am leben und gesund, habe eine Familie und eine Arbeit. Das ist Grund genug dankbar statt traurig zu sein.“
„Für mich ist dies ein kleines Beispiel für die Widerstandsfähigket und Frustrationstoleranz, die viele Menschen in unserem Umfeld entwickeln. Das gibt Kraft fürs Leben“, bekennt Schwester Rita. Denn Kraft brauchen die Ordensschwestern zur Bewältigung ihrer Arbeit.

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Die Einhaltung der Hygienemaßnahmen ist seit Ausbruch von Covid 19 ein absolutes Muss.

Wie überall in der Welt grassiert auch in Äthiopien Covid 19 und hat das gewohnte Leben auf den Kopf gestellt. „Durch Hausbesuche konnte unser Public Health Team klare Informationen geben, um Ängste zu reduzieren und praktische Tipps für Präventionensmaßnahmen im Alltag zu geben. Durch den direkten Kontakt hat das Team auch im Blick, wer dringend Unterstützung braucht. Wie überall sind auch hier die Folgen der Lockdown-Maßnahmen weitreichend und einschneidend, besonders für die Armen“, berichtet Schwester Rita und weiter: „Eine Folge ist auch, dass die Versorgung mit Medikamenten und Materialien immer schwieriger und teurer wird. Vom zentralen Medikamentenlager der Regierung waren letzte Woche von 81 angeforderten Medikamenten nur ein Viertel lieferbar. Unser Apotheker hat dann bei privaten Importeuren noch 13 Artikel für teures Geld organisieren können. Das ist schwierig für eine vernünftige Versorgung! Die ethnischen Konflikte im Land werden die Lage sicher noch verschärfen. Friede ist ein kostbares Gut.“

Verbrennungen kommen häufig vor, weil in den Zelten an offenen Feuerstellen gekocht wird.

Daher sind die Ordensschwestern glücklich, dass es Menschen am Niederrhein gibt, die sie nicht vergessen. Und fragt man sie, was sie sich wünschen, kommt prompt die Antwort: „Wir brauchen Medikamente und Verbrauchsmaterial fürs Krankenhaus, also Geld für den Einkauf. Gleichzeitig sind viele Patienten nicht in der Lage ihre Medikamente selbst zu zahlen, zumal das Geld in den Familien seit der Corona-Pandemie noch weniger geworden ist. Wir brauchen also auch eine Kostenbeihilfe für unsere Patienten, die in die Ambulanz kommen.“ Wer sich informieren möchte oder spenden will, findet alle Informationen unter www.attat-hospital.de