Seniorencafé in Emmerich kann am Neumarkt bleiben

Stadt, Kirche und Caritas finden Lösung für die kommenden zwei Jahre

Seniorencafé Grefrath
Die Räume am Neumarkt bleiben dem Seniorencafé erhalten, zur Freude aller Beteiligten. NN-Foto: MB

EMMERICH. Fast ein Dreivierteljahr lang sieht es so aus, als würde die Hansestadt eine seit Jahrzehnten gewachsene Institution verlieren. Im Januar macht die Nachricht die Runde, dass das Seniorencafé in Emmerich die Räume am Neumarkt verlassen muss. Als neue Unterkunft ist das Aldegundisheim auserkoren. Doch bei einem Vor-Ort-Besuch wird dem Team der Ehrenamtlichen um Birgit Offergeld schnell klar: „Hier ist eine offene, seniorengerechte Arbeit nicht möglich.“ Nun steht fest: Das Seniorencafé kann am Neumarkt bleiben.

Seit den frühen 1960er Jahren gibt es in Emmerich bereits das Seniorencafé, eine Zeit lang war es unter anderem an der Kaßstraße ansässig. Am Neumarkt hat es sich mittlerweile etabliert. In den großzügigen, ebenerdig gelegenen und damit barrierefreien Räumen finden ganz unterschiedliche Veranstaltungen und Angebote statt: vom Frühstückscafé und „Fit und aktiv“, Schach und Bingo bis zum Frühlings- und Herbstfest sowie der Weihnachtsfeier als jährlichen Höhepunkt. Auch die Hospizgruppe nutzt die Räume, richtet das Trauercafé und Vorstandstreffen hier aus. „Für uns ist das Café ebenfalls sehr wichtig“, betont Päule van Bebber von der Hospizgruppe.

Geplanter Umzug ins Aldegundisheim sorgt für „etwas Unruhe“

Doch dann die Hiobsbotschaft: Zum Jahresende wurde der Mietvertrag vom Caritasverband, seit 15 Jahren Träger des Seniorencafés, gekündigt. Was folgte, bezeichnet Bürgermeister Peter Hinze heute als „etwas Unruhe“. Es habe „großes Bedauern“ bei allen Gäste, aber auch den Ehrenamtlichen geherrscht, dass man die zentrale Lage verlieren sollte. So sei die Bitte an ihren herangetragen worden, nach Lösungen zu suchen, um das Seniorencafé am Neumarkt „am Leben zu halten“. Nach Gesprächen zwischen Stadt, dem Caritasverband und der Pfarrgemeinde ist nun eine Lösung gefunden: Alle Beteiligten bleiben im Boot, die Rudolf-W.-Stahr-Stiftung übernimmt einen Teil der Finanzierung. „Auch der Vermieter ist uns entgegengekommen“, verrät Hinze. Damit bleibt das Seniorencafé in Emmerich zumindest für die nächsten zwei Jahre am Neumarkt.

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Für die vielen Senioren, die das Café und die verschiedenen Angebote besuchen, eine gute Nachricht. Auch Pfarrer Bernd de Baey freut sich über die gefundene Lösung. „Denn der Umzug ins Aldegundisheim hätte größere Nachteile mit sich gebracht. Die Räumlichkeiten sind nicht ebenerdig und nicht offen gestaltet.“ Sie seien im Grunde nicht zu gebrauchen. Ganz ähnlich sehen es Birgit Offergeld und Ulrike Müller, zwei von 20 Ehrenamtlichen, die das Seniorencafé in Emmerich laut Bürgermeister Hinze „erst wirklich mit Leben füllen“. Offergeld versichert: „Wir freuen uns sehr, dass wir am Neumarkt bleiben.“

Corona bremst auch Seniorencafé in Emmerich „brutal aus“

Derzeit allerdings sieht es eher trist aus im Seniorencafé, die Corona-Pandemie hat auch diese Einrichtung still gelegt. „Wir sind brutal ausgebremst worden“, sagt Offergeld. „Aber wir stehen bereit, wenn es endlich wieder losgehen kann.“ Rund 25 bis 30 Gäste kommen normalerweise beispielsweise zu den Bingonachmittagen und zum gemeinsamen Mittagstisch, bei der Weihnachtsfeier „haben wir zuletzt bei 50 Schluss gemacht – mehr passen hier nicht rein“, sagt Offergeld.

Ehrenamt
Das Team der Ehrenamtlichen im Seniorencafé in Emmerich sucht neue Mitstreiter, um die Angebote – sobald es die Corona-Lage zulässt – aufrecht halten zu können. Wer Interesse an einem Engagement hat, meldet sich bei Birgit Offergeld, Telefon 02822/80369.

Wie nach Ablauf der nächsten zwei Jahren weitergehen wird, steht noch nicht fest. „Wichtig ist, dass wir jetzt erst einmal eine gute Marschrichtung haben“, sagt Peter Hinze. Er freut sich, dass mit dem Seniorencafé am Neumarkt, dem Familienbüro an der Steinstraße und künftig auch dem De Wette Telder der „Sozialraum Innenstadt“ nicht nur erhalten bleibt, sondern auch wächst.