Schule auf Distanz

KRANENBURG. „Umschalten? Kein Problem. Das könnten wir von jetzt auf gleich“, sagt Ulrich Falk, Leiter der Euregio-Realschule in Kranenburg. „Schließlich haben wir im letzten Lockdown Erfahrungen gesammelt.“ Wenn Falk von „Umschalten“ spricht, ist ein Aggregatszustand gemeint, der auch „Distanzunterricht“ genannt wird.

Laptop, Tablet, Smartphone

Sharon Ebbers tritt zur Niederländisch-Stunde an. Sie sitzt am Lehrerpult. Die Maske hat sie nur im Flur gebraucht – auf dem Weg vom Lehrerzimmer zum Klassenraum. Auf dem Pult: Ein Laptop, ein Tablet, ein Smartphone. „Das Smartphone brauche ich streng genommen nicht“, erklärt Ebbers. Sie unterrichtet (alles auf Niederländisch) Kunst, Geschichte, Wirtschaftslehre und Niederländisch – ihre Muttersprache.
Auf dem Laptop ploppen kleine Fenster auf – in jedem Fenster ein Gesicht. Die Klasse ist vollständig. In dieser Unterrichtsstunde geht es für die Schüler um Textanalyse. Alles spielt sich auf Niederländisch ab. Acht „Native Speakers“ (Schüler mit Niederländisch als Muttersprache), zwölf Schüler haben Deutsch als Muttersprache, „und zwei sind irgendwo dazwischen“, erklärt Sharon Ebbers. Es gibt ja Familien, bei denen beide Elternteile weder Deutsch noch Niederländisch als Muttersprache haben. Die wohnen dann aber beispielsweise in den Niederlanden, so dass die Kinder hauptsächlich Niederländisch sprechen. Die Kategorisierung ist nicht immer ganz einfach, aber: Schubladen sind für die anderen.

Arbeitsgruppen

Zu Beginn der Unterrichtsstunde erklärt Ebbers die Aufgaben. Danach werden Arbeitsgruppen gebildet, deren Teilnehmer dann zusammen arbeiten. Unangenehme Erinnerungen werden wach. Sprachlabor – das war das Straflager. Da konnte sich der Lehrer mal eben so und ganz unbemerkt „aufschalten“. Sharon Ebbers: „So etwas ist heute nicht mehr möglich. Jeder Schüler sieht sofort, wenn ich eine Verbindung herstelle.“
Im Klassenraum, wo normalerweise einiges los wäre, ist es jetzt still. Ab und zu meldet sich ein Schüler mit einer Frage, ab und zu „schaut Sharon Ebbers mal vorbei“: ein virtueller Besuch.
Was ist eigentlich anders beim Distanzunterricht? Sharon Ebbers: „Mir fehlen die kleinen Signale zwischendurch. Wenn alle im Klassenraum sitzen und arbeiten, kann ich manchmal an Kleinigkeiten erkennen, ob jemand gerade ein Problem hat. Ich bekomme natürlich auch besser mit, ob jemand schlecht drauf ist oder sich nicht zu fragen traut. Da kann ich dann unmittelbar reagieren. Das ist schon etwas anderes.“

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Keine Angst vor Fragen

Gibt es denn auch Vorteile? Ebbers: „Natürlich gibt es die. Beim Distanzunterricht haben Schüler über die ‚Telegramm-Funktion‘ die Möglichkeit, mich zu kontaktieren, ohne dass die anderen etwas davon mitbekommen. Das ist vor allem dann gut, wenn jemand sich nicht trauen würde, in Anwesenheit der anderen eine Frage zu stellen.“
Das Unterrichtsprogramm, das auf Ebbers‘ Laptop läuft, ist mit ZOOM vergleichbar. Zusätzlich dazu gibt es für Ebbers den „Telegramm-Modus“. Der läuft auf einem anderen Kanal – dafür also das Laptop auf dem Lehrerpult. Sobald die Verbindung zu einem Schüler abbricht, steht dann ein weiterer Kommunikationskanal zur Verfügung.
„Jeder Lehrer hat einen eigenen Code. Die Schüler kennen diesen Code und können sich dann zum Unterrichtsbeginn aufschalten.“ Der Kontakt muss also vom Schüler gemacht werden. „Ohne dass ein Schüler sich zuschaltet, kann ich ihn nicht erreichen“, erklärt Ebbers.

Ideale Mischung

Wiegt man Vor- und Nachteile gegeneinander auf, kommt man zu dem Schluss, dass eine Mischung aus Präsenz- und Distanzunterricht eine quasi ideale Mischung wäre.
Ulrich Falk: „Wir haben bei uns auch Schüler, deren Geschwister auf eine andere Schule gehen. Sollte dann eine Familie in Quarantäne müssen, haben wir die Möglichkeit, den Unterricht auf diesem Weg weiter zu führen. Das ist natürlich ein großer Vorteil.“