Bei ihren regelmäßigen Aufenthalten in Benin kümmert sich Dr. Elke Kleuren-Schryvers, gerne um die jungen Patienten des Krankenhauses von Gohomey. Foto: Johannes Vogt

KEVELAER. Dass das Thema Mitmenschlichkeit, Mitfühlen nicht nur ein Slogan sondern gelebte Realität ist dazu helfen Menschen am Niederrhein der Stiftung Aktion pro Humanität seit 25 Jahren sehr engagiert. In den beiden Einsatzländern der Stiftung Aktion pro Humanität , im westafrikanischen Benin und im Niger, wird es je eine neue Maternité, also eine Mutter-Kind-Station, geben können. In Benin, im Krankenhaus der Stiftung Aktion pro Humanität, ist die Kapazität der bestehenden gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung definitiv zu klein geworden. Nachdem der Bau des neuen Bettenhauses im vergangenen Jahr eine gute Entlastung hinsichtlich der Platzkapazitätenbrachte, wird in 2021 das bestehende Gebäude des ehemaligen Schwesternhauses direkt hinter dem OP-Trakt zur neuen Mutter-Kind-Station umgebaut werden werden können. Die Zahlen der Frequentierung der Frauen in Gohomey sprechen eine deutliche Sprache. Mit 1783 vorgeburtlichen sowie 667 nachgeburtlichen Untersuchungen, 930 gynäkologischen Konsultationen, gut 1200 gynäkologischen Ultraschalluntersuchungen und vor allem mit insgesamt 1254 Geburten ist das ehemalige kleine Buschkrankenhaus von APH zu einem akzeptierten Zentrum der Gynäkologie und Geburtshilfe im gesamten Departement Couffo sowie auch in der Nachbarprovinz Mono geworden.

Bei ihren regelmäßigen Aufenthalten in Benin kümmert sich Dr. Elke Kleuren-Schryvers, gerne um die jungen Patienten des Krankenhauses von Gohomey. Foto: Johannes Vogt

Die hohe Gesamtzahl der Entbindungen setzt sich aus 615 „normalen” Entbindungen sowie 639 Kaiserschnittentbindungen bis Ende Oktober diesen Jahres zusammen. Deren vergleichsweise hohe Zahl kommt dadurch zustande, dass die Frauen von sehr weit her zur operativen Entbindung nach Gohomey kommen. Das Vertrauen in den Operateur und das Team hat sich enorm entwickelt. Mit den Monaten November und Dezember wird das Jahr 2020 einen deutlichen Rekord dieser medizinischen Leistungen durch den einheimischen Gynäkologen vor Ort, Dr. Worou Kolawolé, mit seinem gesamten Team darstellen.

Es ist fünf vor zwölf

Monsieur Worou 41 Jahre, verheiratet und hat drei Kinder. Er lebt beim Krankenhaus in einem Arzthaus und arbeitet seit September 2018 für APH. Er sagt: „Die zuverlässige Disponibilität von Fachpersonal und Material bewegt mich, hier mitten im westafrikanischen Busch, in dem die Menschen den Voodoo, also den Glauben an Götter, Geister und Ahnen noch leben, im Dienst zu sein. Auch das großartige stand-by System von APH mit den Nothilfefonds erlaubt es uns zu jeder Zeit schnelle Akuthilfe zu leisten, auch wenn die Frauen ohne Geld hier ankommen. Das ist oft der Fall und auch oft ist es schon „5 vor 12″. Trotzdem schaffen wir eine gute Rückfinanzierung für das Zentrum. Sozialarbeiter/innen gehen in solchen Fällen in die Dörfer und kümmern sich, dass die Familie eine Kosten-Partizipation leistet, wenn es zu notfallmäßiger Hilfe unsererseits zunächst ohne Bezahlung kam”. „Der Kreißsaal und die Funktionsräume sind winzig in Relation zu dem beständig zunehmenden Patientinnen-Aufkommen. Auch die gynäkologische Bettenkapazität passt nicht mehr”, so APH-Stiftungs-Vorsitzende Dr. Elke Keuren-Schryvers. In der neuen Maternite, so Dr. Worou, müsse es einen deutlich größeren Kreißsaal, mehr Betten, mehr Funktionsräume, vor allem einen Aufwachraum mit ein, zwei Überwachungsmonitoren geben. Außerdem wünscht er sich einen chirurgischen Kollegen an die Seite, der auch die Bauchoperationen z.B. (Blinddarm, Typhus, Leisten- und Nabelhernien etc.) mit operieren kann. Das sprengt oft seine Kapazität als gynäkologischer Operateur. Auch die leitende Hebamme, Madamme Padey wünscht sich vor allem mehr Platz in den Untersuchungsräumen und einen wirklich größeren Kreißsaal. Sie hat sich nach achtjähriger Berufserfahrung in der Metropole Cotonou mit allen wirtschaftlichen Unwägsamkeiten dort eine Arbeit in der ländlichen Region, mit etwas mehr wirtschaftlicher Sicherheit gewünscht. Es ist die Ausstattung und das gute medizinisch-technische Plateau, das sie motiviert, in Gohomey zu arbeiten. „Die Bedingungen entsprechen in jeder Hinsicht der Norm, sind menschenwürdig – für alle. Ich kann mich regelmäßig fortbilden, was meiner Arbeit und auch mir persönlich Wertschätzung bringt.”

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Ausbildungszentrum für Hebammen

Das Krankenhaus der APH in Gohomey ist mit seiner geburtshilflichen Abteilung im vergangenen Jahr zu einem Ausbildungszentrum für Hebammen im gesamten Land Benin erklärt worden. Seit 2015, dem Jahr der Installation des OP-Containers und der Radiologie, gespendet durch den Klever Unternehmer Bernd Zevens, wurde das Krankenhaus mitten in einer absolut ländlichen Region zu einem „ballon d´oxygene”, „einem Ballon mit Sauerstoff, für die gesamte Region”, so formulierte es der Präfekt der Departements Couffo. 98 einheimische Mitarbeitende finden im Krankenhaus Lohn und Brot. Die Dienstleistungen kleiner Handwerksbetriebe in der Region, vor allem Bauunternehmer werden immer wieder benötigt. Nach einem Ausschreibungsprocedere wird es einen Bauunternehmer geben, der den Umbau des bestehenden Gebäudes vornimmt. Die Umbaukosten werden sich inclusive zweier kleiner Nebengebäude und einer befestigten und überdachten Passage vom OP-Komplex zur Maternite auf ca. 45.000 Euro belaufen. Natürlich spielen hinsichtlich der Kompetenz des Teams in Gohomey sowie der Behandlungsmöglichkeiten auch die noch relativ neue Kinder- und Neugeborenenabteilung (Pädiatrie) des Zentrums mit der Kinderärztin Dr. Gisele sowie die Kinderkrippe für Mütter und Kinder in schwieriger Situation eine große Rolle bezüglich des Vertrauens der Frauen. Die Rückfinanzierungsrate des Krankenhauses lag 2019 erstmals bei knapp über 90 Prozent für die Löhne der Mitarbeiter, die Medikamente und das medizinische Verbrauchsmaterial. Für ein afrikanisches Krankenhaus inmitten einer total ländlichen Region ist das außergewöhnlich gut.