Dorfschule Ginderich
Die Dorfschule in Ginderich ist mittlerweile ein beliebter Anlaufpunkt. Sie bietet drinnen und draußen Platz für sämtliche Angebote. NN-Foto: SP

GINDERICH. Die Dorfschule Ginderich hat einen Wandlungsprozess hinter sich: Vor wenigen Jahren wurden in dem großzügigen Schulgebäude mit einem angrenzenden weitreichenden Schulhof noch Grundschulkinder unterrichtet. Aufgrund sinkender Anmeldezahlen wurde die Schule 2016 zur Polderdorfschule Büderich-Ginderich zusammengelegt. Der Schulstandort Ginderich wurde aufgegeben und es entstand dank des im März 2017 gegründeten Vereins Dorfschule Ginderich etwas Neues: Ein Treffpunkt für Menschen.

Das Konzept zur Dorfschule Ginderich stellten Herbert Wesely, Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und Dezernent Rainer Benien vor (v.l.). NN-Foto: SP

Das unter Bürgerbeteiligung entwickelte Konzept fußt auf drei Säulen: Kunst und Kultur, Sport und Gesundheit sowie Soziales und Mobilität. Zusammen mit Institutionen wie dem Kreissportbund Wesel, der mittlerweile eigene Räumlichkeiten im ehemaligen Schulkomplex besitzt, den Vereinen, die im Dorf agieren, setzen die Ehrenamtlichen des Vereins die vielfältigen Angebote um. „Etwa 1.000 Menschen besuchen diese in der Woche. Der Zulauf war und ist gut“, sagt Herbert Wesely, der Vorsitzende des Vereins Dorfschule Ginderich, und ergänzt: „Sogar aus den Nachbargemeinden Büderich, Menzelen, Birten, Xanten, Rheinberg und Alpen nehmen Bürger an den Angeboten in der Dorfschule teil.“ Eine hauptamtliche Kraft mit einer 75 Prozent-Stelle koordiniert die Angebote.

Neben Theater, Tanzgruppen und Lesungen finden auch Reha- und Gesundheitssport statt. „Es ist etwas alle Generationen etwas dabei. Das war uns auch wichtig“, sagt Wesely. Der Verein Dorfschule Ginderich hat es so geschafft, wieder Leben in die ehemalige Dorfschule zu bringen, die sich aufgrund der Lage und der Gegebenheiten bestens für das vielfältige Angebot eignet. Inzwischen sei die ehemalige Dorfschule mehr als nur ein kulturelles Zentrum des Dorfes. „Es ist ein Gemeinschaftshaus für alle Generationen, das den Mittelpunkt des Dorflebens in Ginderich ausmacht“, sagt Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Dezernent Rainer Benien lobt: „Im Hinblick auf das Dorfleben haben wir hier eine Blaupause aus dem Lehrbuch.“

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Verein hat Komplex angemietet

Das Gebäude gehört zwar weiterhin der Stadt Wesel, der Verein hat den Komplex mit einer Fläche von insgesamt 1750 Quadratmetern angemietet. Der Mietvertrag sei aber flexibel. So müsse der Verein derzeit auch keine Miete zahlen, sagt Westkamp. Geplant sei, dem Verein das Objekt, zu dem der Neu- und Altbau, die Turnhalle, die Sanitäranlagen sowie die Außenanlagen gehören, bis zum 31. August 2022 mietfrei zu überlassen. Als Mieter darf der Verein zudem Räumlichkeiten weitervermieten. Aktuell betreibt der Kreissportbund Wesel als Untermieter sein Büro in Räumen des Altbaus.

In den nächsten Jahren soll sich die Dorfschule Ginderich aber noch weiterentwickeln. Der erste Schritt dazu ist bereits geschafft: Vor gut einem Jahr hat die Stadt Wesel einen Förderbescheid „Dorferneuerung“ des Landes Nordrhein-Westfalen für das Gemeinschaftsprojekt Dorfschule Ginderich erhalten. Mit den Mitteln können Umbau- und Sanierungsmaßnahmen am Gebäude durchgeführt sowie die zugehörigen Freiflächen umgestaltet werden. Dabei stehe im Mittel, das Areal an die Nutzung anzupassen, sagt Westkamp.

Multifunktionsfläche auf dem Schulhof

So wird der Schulhof zurzeit zu einer Multifunktionsfläche umgestaltet. Unter anderem dürfen sich die Bürger über zwei Boccia-Bahnen freuen. Darüber hinaus sollen Zugänge – etwa zu den Toiletten – barrierefrei umgebaut werden. Die Arbeiten daran haben bereits begonnen und sind zu einem Teil sogar schon abgeschlossen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf zirka 480.000 Euro. Davon stammen 250.000 Euro aus Fördermitteln, die auch den möglichen Höchstbetrag darstellen. Die übrigen 230.000 Euro sind Eigenmittel der Stadt Wesel.

Noch bis Februar 2022 läuft zudem die Förderung des Leader-Programms der Europäischen Union (EU) mit dessen Hilfe für fünf Jahre lang die Personal- und Sachkosten getragen werden. Der Rat der Stadt Wesel hat im Juli 2017 beschlossen, dass sich auch die Stadt Wesel mit zirka 40 Prozent beteiligt. Die restlichen Mittel stammen vom Land und der EU.