Jürgen Beckers: Der „Hausmann“
kommt nach Issum

Jürgen B. Hausmann gastiert am 23. September im Bürgersaal in Issum

ISSUM. Ausgangssperre statt Jubiläumsfeier. Seit 20 Jahren steht Jürgen Beckers als Jürgen B. Hausmann auf den Kabarettbühnen, wollte dieses Jubiläum mit seinem Programm „Jung, wat biste jroß jeworden!“ mit seinen Fans feiern. Stattdessen kam Corona. Doch der begeisterte Karnevalist hat darauf reagiert und mit „Nix Vi-rus?!“ ein Programm über „Korona, Krise, Klopapier“ geschrieben, mit dem er am Mittwoch, 23. September, 20 Uhr, im Bürgersaal in Issum gastiert. Zuvor spricht er im NN-Interview unter anderem über die Zeit des Lockdowns und Kabarett unter Corona-Bedingungen.

Herr Beckers, Sie bezeichnen Ihr Programm „Nix Vi-rus?!“ als Sommerspecial. Haben Sie es auch speziell zur und über die Corona-Krise geschrieben?
Jürgen Beckers: Ja, so ist es. Ich habe es als Ersatzprogramm für „Jung, wat biste jroß jeworden!“ geschrieben, das erst einmal ausgesetzt ist. Nach dem Lockdown Mitte März lief ja zunächst nichts. Mitte April hatte ich die ersten Ideen für ein Ersatzprogramm, Anfang Mai habe ich dann angefangen zu schreiben. Mit viel Elan – und noch mehr, als sich eine Perspektive für erste Auftritte wieder bot. Und seit Mitte Juni bin jetzt mit „Nix Vi-rus?!“ auf Tour. Den ersten Termin habe ich als eine echte Befreiung erlebt.

Hat sich das Schreiben von „Nix Vi-rus?!“ sehr von früheren Programmen unterschieden?
Beckers: Ein Programm zu einem solchen Thema und in einer solchen Zeit zu schreiben, ist ein schmaler Grat. Von Anfang April bis Ende Mai war ich mit zwei Freunden als „Corona-Trio“ unterwegs und bin durch Altenheime getourt, als Benefiz-Veranstaltungen. Diese Zeit hat mich zusätzlich sensibilisiert, und die Eindrücke sind mit in „Nix Vi-rus?!“ eingeflossen.

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Auch nachdenkliche Töne bei Jürgen Beckers

Wie macht sich dies bemerkbar?
Beckers: Es gibt auch ernste und nachdenkliche Töne. Über das Virus selbst mache ich keine Witze, vielmehr über den Alltag unter den für uns alle neuen Bedingungen. Ruhiger wird es beispielsweise bei einer Hommage – verbal und in Liedform – an alle Pflegekräfte, als großes Dankeschön. Auf der anderen Seite nehme ich die Momente auf die Schippe, in denen man während des Lockdowns den ganzen Tag aufeinander hockte, sei es als Ehepaar oder beim Homeschooling. Ich spreche auch über die Corona-Pfunde und nehme die Eigenarten der Urlaubsreisen aufs Korn.

Hat sich das Programm im Laufe der Krise unter aktuellen Entwicklungen verändert?
Beckers: Jedes Programm verändert sich während des Spielens. Man bringt aktuelle Themen rein, zum Beispiel im Politikteil war es der Besuch der Kanzlerin bei Laschet und Söder.

Wie war es für Sie, vor nicht einmal halbvollen Rängen aufzutreten?
Beckers: Als Kabarettist ist man die großen Hallen mit 1.000 Besuchern genauso gewöhnt wie die kleinen Häuser mit 100 Zuschauern. Wichtig ist die Stimmung. Diese gibt bei den bisherigen Auftritten wieder: Die Leute freuen sich, wieder ins Kabarett gehen zu können, nachdem so lange nichts ging. In Rees beispielsweise, wo ich Mitte August aufgetreten bin, war die Stimmung hervorragend. Die Leute haben befreiter gelacht.

Jürgen Beckers zur Ausgangssperre: „Da blieb mir die Luft weg“

Wie haben Sie die Zeit des Lockdowns erlebt?
Beckers: Die ersten Tage waren schon ein ziemlicher Schock. Niemand wusste: Wohin geht das jetzt alles? Nach der Schließung von Schulen und Geschäften herrschte ja eine fast schon „kriegsähnlicher“ Zustand. Ich kann mich auch noch gut an den Tag erinnern, als Angela Merkel die Ausgangssperre verkündete. Mir blieb fast die Luft weg. In den folgenden Tagen reihte sich dann eine Hiobsbotschaft an die andere. Da gab es auch bei mir Momente, in denen ich mich zwingen musste, optimistisch zu bleiben.

Vorverkauf
Jürgen B. Hausmann nimmt auch in Corona-Zeiten wieder den ganz normalen Alltag auf die Schippe: von den Tücken der Masken im Alltag bis hin zu den Schwierigkeiten, wenn man als Familie ständig zusammen ist: „Wat will man sich denn erzählen, wenn man nix erlebt und immer zusammen ist?!“ Freimütig plaudert er aus seinem Leben zwischen Korona, Krise und Klopapier und lässt die Zuschauer schließlich lebhaft an einem Online-Treffen mit Freunden teilhaben. Garniert wird das Ganze wie immer mit faszinierenden Arrangements seines musikalischen Partners Harald Classen.
Die Tickets kosten 30 Euro und sind erhältlich in den NN-Geschäftsstellen in Geldern (Marktweg 40c) und Kleve (Hagsche Straße 45) und unter www.niederrhein-nachrichten.de/ticketshop.

Als Kabarettist ist man immer auch Beobachter. Haben Sie in den vergangenen eine Veränderung bei den Menschen um Sie herum erlebt?
Beckers: Viele Leute haben durch die Krise wieder den Blick fürs Wesentliche bekommen. Diese Überdrehtheit, die vorher oft herrschte, ist weg. Fernreisen beispielsweise sind, wenn überhaupt, nur eingeschränkt möglich. Stattdessen fällt der Blick wieder mehr auf die Heimat und auf das, was man hat – nicht auf das, was man meint zu brauchen.

Eifel-Tagestour statt Strandurlaub auf Lanzarote

Stichwort Reisen: Was war für Sie in diesem Jahr möglich?
Beckers: Wir wollten in den Osterferien eigentlich nach Lanzarote, sind stattdessen zu Hause geblieben und haben zwischendurch nur mal eine Tagestour durch die Eifel gemacht. In den Sommerferien waren wir dann eine Woche in den Niederlanden an der Nordsee und eine Woche im Saarland. Das war ein sehr schöner Urlaub, wir haben nichts vermisst. Und die anderen Menschen haben dort den gleichen Eindruck vermittelt.

Wie geht es für Sie nach „Nix Vi-rus?!“ weiter?
Beckers: Ich hoffe, dass es im Frühjahr 2021 wieder in die alte Schiene zurückgeht mit den Veranstaltungen. Etwa 50 Auftritte wurden bereits ins nächste Jahr verlegt. Für den Herbst und Winter schreibe ich bereits an einem Übergangsprogramm zur Corona-Situation. Und auch für die Karnevalszeit werde ich ein Programm anbieten. Denn ich glaube nicht, dass wir großartig werden Karneval feiern können.