Kurt Nickel lässt auch in seinem neunten Buch wieder persönliche Erfahrungen einfließen. NN-Foto: CDS

PFALZDORF. Die Freude am Schreiben ist ungebrochen und die Ideen gehen ihm auch nicht aus. Inzwischen ist der neunte Roman von Kurt Nickel erschienen: „Die Politik-Paranoia“.

Entstanden ist der Thriller, der den politischen Betrieb kritisch beleuchtet, im vergangenen Sommer „im Gartenpavillon am PC“, erzählt Nickel. Sechs Monate hat er an dem Buch gearbeitet, in das – wie bei allen seinen Romanen – auch wieder viele persönliche Erfahrungen eingeflossen sind. Trotzdem betont Kurt Nickel den fiktiven Charakter des Thrillers: „Ich möchte keine einzelne Partei angreifen, ich habe meine Kritik daran, was in der deutschen Politik falsch läuft, eingebaut.“ So hat er die Handlung in das malerische Städtchen Wollmerstedt, bekannt durch Schafzucht und Wollhandel, verlegt und auch die Namen der Parteien, die in der Stadt regieren, sind seinem Einfallsreichtum entsprungen.

„Ehrlichkeitsbakterium“

Die Ausgangslage: Der Stadtrat ist parteiübergreifend in Kungelei und Korruption verstrickt, ebenso wie die Akteure in der Landespolitik. Doch ein Erreger, der eine Hirnhautentzündung auslöst, bringt dieses Gefüge durcheinander. Die hoch ansteckende Epidemie breitet sich zunächst im Parlament der Landeshauptstadt aus, die Landespolitiker müssen in strenge Quarantäne. Nach seiner Genesung beginnt ein Politiker, öffentlich über Kungeleien, Bestechungen und Absprachen zu reden. Schnell kommt das Gerücht auf, dass es sich bei der Hirnhautentzündung um ein „Ehrlichkeitsbakterium“ handelt. Panik macht sich im Landesparlament breit, die ersten Morde passieren. Warnungen der Wissenschaftler, dass es kein „Ehrlichkeitsbakterium“ gibt, verhallen ungehört. Die Schockwellen erreichen schließlich auch Wollmerstedt. Als hier ein Politiker durch einen Zeckenbiss an einer Hirnhautentzündung erkrankt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Die „Bösen“ so Kurt Nickel, habe er möglichst gleichmäßig auf alle politischen Richtungen verteilt.

Große Themen

Und auch die großen gesellschaftlichen Themen der Zeit, wie zum Beispiel die Privatisierung des Gesundheitssystems, treiben ihn um: „Solche elementaren Dinge dürfen doch nicht in AGs oder KGs ausgelagert werden“, ist Nickel überzeugt, „Aktionäre wollen nun einmal Dividende sehen.“ Diese und andere Dinge, die ihm am Herzen liegen, werden in vielen Dialogen der Protagonisten thematisiert. Die Heuchelei im Politikbetrieb findet Kurt Nickel schlimm:„Interesse an der Politik habe ich immer noch, aber so, wie es jetzt ist – da möchte ich mich nicht mehr einbringen.“ Nach seiner Erfahrung würden Leute mit Ideen „ausgebremst“ und man könne sich in einer Partei nicht weiterentwickeln. „Ich war als Auditor im Qualitätsmanagement des LVR tätig“, erzählt Nickel, der als Heilpädagoge gearbeitet hat, „das wollte ich in die Politik mit einbringen, aber ich bekam keine Unterstützung.“

Eine (politische) Auseinandersetzung, die darauf fußt, dass jeder Mensch gleichwertig ist, dass zu einer Konfliktlösung niemals Gewalt angewendet werden darf und dass jeder Mensch das Recht auf eine eigene Meinung hat, hat Kurt Nickel noch nie gescheut. „Ich bin immer zum Dialog bereit“, sagt er, „auch wenn mein Gegenüber gegenteiliger Auffassung ist.“
Trotz aller Enttäuschungen ist sein Thriller kein Abgesang auf die Demokratie: „Von allen schlechten System – es gibt kein gutes System – ist die Demokratie noch das beste“, betont Kurt Nickel. Erschienen ist der 289 Seiten starke Thriller im Spica-Verlag und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich. In der sprichwörtlichen Schublade liegen drei weitere, fertige Bücher, die noch auf ihr Erscheinen warten.

Jury-Mitglied

Kurt Nickel ist auch Mitglied der „Gruppe 48“, eine literarische Vereinigung mit Sitz in Kiel. Der Verein veranstaltet jährlich einen Wettbewerb und verleiht einen Preis in den Sparten Lyrik und Prosa. Nickel ist Mitglied der Jury und hat von Dezember vergangenen Jahres bis Mai dieses Jahres 400 Manuskripte – von insgesamt 800 – gelesen. „Mittlerweile ist auch der LVR eingestiegen und hat einen Wettbewerb für junge Autoren ins Leben gerufen“, berichtet Kurt Nickel. Mehr Infos zum Verein gibt es unter www.die-gruppe-48.net.