KALKAR. Etwas auf die lange Bank zu schieben, das ist absolut nicht sein Ding. „Wenn ich was erledigen kann, dann mache ich das lieber gleich“, sagt Günter Pageler. Am 13. September tritt der 62-Jährige, der seine ostfriesischen Wurzeln auch nach 26 Jahren am Niederrhein nicht verleugnen kann, als Bürgermeister-Kandidat für die Freien Bürger Kalkar (FBK) an. Seit acht Jahren ist er Mitglied der Wählergemeinschaft, seit 2014 auch Ratsherr. 2015 ist er ebenfalls angetreten, hatte aber gegen die Kandidatin des damals neu gegründeten Forums und die beiden Bewerber aus den Reihen der großen Parteien keine Chance. In diesem Jahr rechnet er mit mehr Stimmen. „Die Bürger sollen uns an dem messen, was wir für die Stadt erreicht haben“, findet Pageler. Große Sprüche, nichts dahinter – das können andere.

Als Oberstabsfeldwebel wurde Günter Pageler Mitte der 1990er Jahre zum Luftwaffen-Stützpunkt in Kalkar versetzt. Mit Gattin Aenne und seinen beiden Kindern, damals im Grundschulalter, fasste er schnell Fuß in der neuen Heimat. An den 1. Januar 2009, den Tag, an dem er in Ruhestand ging, wird er sich stets gern erinnern – „an dem Tag wurde mein erster Enkel geboren“, sagt Pageler. Mittlerweile ist er um weitere vier Enkelkinder reicher und könnte mit Familie, Garten und sozialem Engagement eigentlich ausgelastet sein… Aber: „Ich war schon immer politisch interessiert“, bekennt der Pensionär.

Wegen seiner Leserbriefe zu verschiedenen lokalpolitischen Themen wurden die Freien Bürger auf ihn aufmerksam. „Wir stellen die kleinste Fraktion im Stadtrat, sind aber gleichzeitig auch diejenigen mit den prozentual gesehen meisten Anträgen“, ist Pageler heute zufrieden mit dem, was die FBK erreicht hat. Für ihn herausragend: „Die Gründung des Seniorenbeirates. Das war für uns ein großes Thema im Wahlkampf und das haben wir nach der Wahl auch sehr zügig umgesetzt.“ Was Pageler ebenfalls freut, ist die gelungene Umgestaltung des Platz der Begegnung. „Das haben wir ohne finanzielle Unterstützung der Stadt und nur mit Hilfe von Sponsoren geschafft“, sagt er. Ähnliches würde er nun gern mit Blick auf eine Skaterbahn auf den Weg bringen. „In Kalkar fehlt es an Angeboten für die Jugendlichen“, findet er. Auch für Kinder müsse mehr getan werden.

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Jugendbeirat bleibt ein Thema

Nur vorübergehend aufgegeben hat die Wählergemeinschaft ihre Bemühungen um die Installierung eines Jugendbeirats. Was bei den Senioren so gut funktioniert hat, scheiterte bislang bei den jungen Leuten an mangelnder Beteiligung. „Es ist nicht so leicht, sie dafür zu begeistern“, musste Pageler einsehen. „Schade eigentlich“, findet er. Und verspricht: „Wir werden ein konkretes Konzept erarbeiten und die Sache noch einmal angehen.“
Dinge angehen. Das liegt Günter Pageler im Blut. „Früher nannten wir das Obergefreiten-Schnellweg“, sagt er und lächelt dabei. Ohne lange Umwege, ohne Druck. Dafür aber konsequent und mit einem klaren Ziel vor Augen. „Das macht mir einfach Spaß“, sagt der 62-Jährige. Das Ergebnis von 2015 sei für ihn „Geschichte“. „Wir haben bewiesen, dass wir keine falschen Versprechungen machen und gute Arbeit geleistet“, ist er überzeugt, dass die FBK damit punkten kann.

Schulstandorte erhalten und weiter stärken

„Ein wichtiges Thema ist für uns der Erhalt der Schulstandorte“, stellt er heraus. Das gelte nicht nur für die Grundschulen („kurze Beine, kurze Wege“), sondern auch für die Aufstellung von Gymnasium und Realschule. Als Mitglied des Schulausschuss ist ihm die „unglückliche Stimmung“ an letzterer Einrichtung sehr bewusst. Eine Abwanderung an umliegende Schulen, etwa in Rees oder Xanten, sei im Einzelfall zwar verständlich, müsse aber mit Blick auf die Zahl der Grundschüler in der jetzigen Größenordnung verhindert werden. In diesem Jahr seien nur mit Hilfe einer Sondergenehmigung zwei fünfte Klassen zustande gekommen. „Aber die Bezirksregierung ist dran an der Sache“, sagt Pageler und hofft auf eine positive Entwicklung.
Ebenfalls ganz oben auf der Agenda der FBK steht der Baubetriebshof. „Wir haben den Standort im Gewerbegebiet Ost bereits 2017 vorgeschlagen. Damals wurde es nur zur Kenntniss genommen – jetzt wird das endlich angegangen“, ärgern Pageler die „schon lange untragbaren Zustände“.

Eine weitere große Herausforderung sieht der Bürgermeister-Kandidat in der Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr. „Die Gebäude müssen unbedingt saniert oder neu gebaut werden“, findet er. „Diese Baustellen und auch die Umsetzung des Integrierten Handlungskonzepts wird unseren Haushalt in den nächsten Jahren ganz schön strapazieren“, weiß er um die städtischen Finanzen.

„Stadt hat weder das Geld noch die Ressourcen“

Auch deshalb sei es für ihn nicht nachvollziehbar, dass einige Mitbewerber nun damit auf Stimmenfang gingen, dass sie den Wisseler See doch nicht mehr veräußern wollen. „Die Stadt hat weder das Geld noch die Ressourcen, um da in Eigenregie viel reinzustecken“, spricht er sich klar für den Verkauf des Geländes aus. Selbst nach Tilgung der Kredite sei der Erlös immer noch hoch genug, um aus Sicht der FBK sinnvollere Projekte anzuschieben. Mit dem Investor könne ein attraktives Ausflugsziel geschaffen werden. „Das kann die Stadt momentan überhaupt nicht leisten“, ist Pageler überzeugt.

Bessere Anbindung an den ÖPNV

Gut aufgestellt sieht Günter Pageler die ärztliche Versorgung in seiner Heimatstadt. Mehr Sorgen bereite ihm da mit Blick auf den demografischen Wandel die Anbindung an den ÖPNV. „Außerhalb der Schulzeit wird es schon schwierig“, weiß er. Und das sogar aus erster Hand, denn als ehrenamtlicher Fahrer des Bürgerbusses, der die Ortsteile mit dem Stadtzentrum verbindet, kommt er mit vielen, gerade älteren Bürgern, ins Gespräch.

Überhaupt: Menschen treffen und mit ihnen reden – das ist eine Leidenschaft, die Gattin Aenne manchmal sicher verzweifeln lässt. „Wenn ich drei Stunden für den kurzen Gang zum Bäcker benötige, dann fragt sie schon, wen ich jetzt wieder alles getroffen habe“, gibt Pageler zu, immer einen Stift und einen Zettel dabei zu haben. räumt aber auch ein: „Als stellvertretender Bürgermeister wird man oft angesprochen. Hier ein Spielplatz nicht gepflegt, da ein Geländer kaputt. Wenn ich helfen kann, dann mache ich das auch gern.“ Womit man wieder bei den kurzen Wegen wäre. Um beim unbedingten Willen, die Stadt attraktiver zu gestalten.

Auf einen groß angelegten Wahlkampf verzichtet die FBK diesmal ganz bewusst. Für überdimensionale Plakatwerbung fehlt es der Wählergemeinschaft, anders als den großen Parteien, an finanziellen Mitteln und auf das übliche „Streugut“ (gemeint sind Luftballons, Kugelschreiber und Co.) verzichtet man gleich mit. „Wir werden das Geld lieber einer karitativen Einrichtung spenden.“

Dabei hätte Günter Pageler in diesem Jahr sogar mehr Zeit für Podiumsdiskussionen und Infostände gehabt, denn die sonst zu dieser Jahreszeit anstehenden Vorbereitungen für St. Martin fallen in Zeiten von Corona eher bescheiden aus. „Leider“, findet Pageler, der als Geschäftsführer des St. Martin Komitees sonst reichlich zu tun hat.

Der richtige Mann fürs Rathaus

Warum Günter Pageler der richtige Mann für Kalkar wäre? „Ich bin an vielen Dingen interessiert, höre gut zu und packe mit an. Die Arbeit mit und in einer Verwaltung ist mir nicht fremd und es macht mir einfach Spaß, Menschen zu helfen und mein Lebensumfeld mitzugestalten.“ Als Mitglied einer Wählergemeinschaft, die sich bereits seit 16 Jahren in Kalkar engagiert, muss er für mehr Bürgerbeteiligung wohl kaum die Werbetrommel rühren. Beweisen muss er sich selbst (und anderen) auch nichts mehr. Er weiß, dass er‘s kann.