BEDBURG-HAU. Freundlich, flexibel, fleißig, familiär, frei, fundiert, fähig, fair. Der Bürgermeisterkandidat mit dem schnörkellosen „f“ im Vornamen wirbt in seinem Flyer mit Eigenschaften, die ihm wohl nicht nur Freunde und Familie bestätigen würden. Als Leiter der Bedburg-Hauer Feuerwehr ist er seit vielen Jahren auch über die Gemeindegrenzen hinaus präsent und macht in diesem Ehrenamt einen guten Job. Dass er auch einen guten Bürgermeister abgeben würde, davon ist der 54-jährige Qualburger überzeugt. Deshalb tritt er mit einem „sehr guten Gefühl“ an und stellt sich am 13. September zur Wahl.

Strei(f)züge durch die Ortsteile, Kaffeetrinken mit Ste(f)an, Besuche von Vereinen, Firmen und sozialen Einrichtungen stehen in diesen Tagen auf der To-Do-Liste des Krankenpflegers, der eine geschützte Akut-Aufnahme-Station in der Landesklinik leitet. Nach drei Wochen Urlaub, den er komplett mit Wahlkampf verbracht hat, zieht er eine positive Bilanz. Auch, wenn er es sich eigentlich anders gewünscht hätte. „Die aktuelle Situation macht es den noch nicht so bekannten Kandidaten schwer, die Bürger auf sich aufmerksam zu machen“, sagt Veldmeijer. Politisch betrachtet ist er nämlich ein eher unbeschriebenes Blatt. Das gibt er offen zu. „Was aber nicht heißt, dass ich mich bisher nicht dafür interessiert hätte“, stellt er klar.

Mit 18 Jahren zur Feuerwehr

Berührungspunkte gab es für ihn unter anderem im ständigen Austausch mit Rat und Verwaltung, wenn es darum ging, die Bedburg-Hauer Feuerwehr auf einem guten Stand zu halten. Mit 18 Jahren wurde er Mitglied, seit 20 Jahren engagiert er sich in der Führungsriege und kümmert sich um aktuell gut 170 Feuerwehrmänner und -frauen (die gibt es in Bedburg-Hau nämlich auch). Dieses Ehrenamt (offiziell ist er ein Ehren-Beamter) müsste Veldmeijer zwar aufgeben, wenn er im Büro des Bürgermeisters Platz nehmen würde, „aber in vier Jahren wäre damit sowieso Schluss“, sagt er. „Dann ist es an der Zeit für frischen Wind und jüngere Leute müssen nachrücken“, findet er. Feuerwehr ist für ihn aber im Wahlkampf kein Thema. Hier bleibt er neutral.

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Kompromissbereit und interessiert

Angst vor der neuen Herausforderung hat Stefan Veldmeijer jedenfalls nicht. „Man muss sich einarbeiten und Dinge lernen“, weiß er. Und betont: „Das traue ich mir zu.“ Was ihn antreibt, sei in erster Linie das Wohl der Gemeinde und ihrer Bürger. „Ich bin kompromissbereit, ein guter Vermittler und interessiert an der Entwicklung hier vor Ort. Es ist wichtig, für alle ein offenes Ohr zu haben und den Menschen zuzuhören.“ Das habe er nicht zuletzt auch in den zurückliegenden Wochen und Monaten erfahren. Veldmeijer: „Es gibt in Bedburg-Hau unglaublich viele Menschen, die gute Ideen haben. Was ich aus meinem Wahlkampf mitnehme, sind in jedem Fall sehr viele Anregungen, die unsere Gemeinde noch liebens- und lebenswerter machen könnten.“

Dafür sorgen, dass alles im Gleichgewicht bleibt

Was ihn freut: „Die Grundstimmung ist gut. Ich denke, viele Dinge laufen in Bedburg-Hau schon ganz gut und viele Bürger sind durchaus zufrieden mit der Arbeit, die die im Rat vertretenen Parteien und die Verwaltungsmitarbeiter leisten.“ Hier will er anknüpfen und dafür sorgen, dass alles im Gleichgewicht bleibt. Das ist auch der Grund dafür, weshalb er ganz bewusst auf die Unterstützung von Seiten einer oder mehrerer Parteien verzichtet. „Ich will frei in meinen Entscheidungen und zu 100 Prozent unabhängig bleiben“, ist ihm wichtig. Auch, wenn er deshalb im Wahlkampf überwiegend auf sich allein gestellt ist. Finanzielle Unterstützung für das Drucken von Flyern und Plakaten gibt es nicht. Dass er keine Spendenquittungen ausstellen darf, macht es nicht leichter. „Das ist eigentlich nicht richtig“, findet er. Denn: „Wer sich das nicht leisten kann, hätte nie eine Chance, sich auf so ein Amt zu bewerben.“

Im aktiven Wahlkampf verzichtet er auf Helfer aus den Reihen von Schützen und Feuerwehr und setzt ganz auf Freunde und Familie. „Meine Frau unterstützt mich da zum Beispiel sehr“, ist er dankbar, wenn Gattin Ulrike bei 35 Grad im Schatten aufs Fahrrad steigt und ihn auf seinen Touren durch die Ortschaften begleitet. „Dabei lernt man viele Leute kennen und führt durchaus interessante Gespräche“, hat er erfahren. An den Haustüren klingelt er aber ganz bewusst nicht. „Ich bin nicht so der Typ, der den Leuten auf die Pelle rückt“, sagt er. Zumal das in Corona-Zeiten vielleicht auch nicht gewünscht sei.

Schützenbruderschaft und St. Martin

Was Stefan Veldmeijer wichtig ist, sind Dinge, die eigentlich jedem Bürger wichtig sein sollten. „Ich stehe für ein aktives Vereinsleben, ein familienfreundliches Lebensumfeld, den Zusammenhalt zwischen Jung und Alt und den Ausbau ehrenamtlichen Engagements“, sagt der Qualburger, der mit seinem fordernden Beruf und seinem „Hobby“ Feuerwehr eigentlich gut ausgelastet ist, sich aber trotzdem seit einiger Zeit auch als St. Martin betätigt und zweiter Geschäftsführer in der St. Martinus Schützenbruderschaft ist. Sich einbringen und Dinge anpacken, das ist sein Ding. Auf zu vielen „Hochzeiten“ mag er allerdings auch nicht tanzen. „Wenn ich etwas mache, dann mit voller Manpower und aus ganzem Herzen.“
Klare Vorstellungen hat Stefan Veldmeijer mit Blick auf die Zukunft der Gemeinde. „Wir müssen in Sachen Mobilität nachlegen und dafür sorgen, dass die ärztliche Versorgung vor Ort gewährleistet bleibt“, sagt er.

Mehr Transparenz ist gefragt

Gefragt sei in jedem Fall auch mehr Transparenz. Veldmeijer möchte regelmäßig Sprechstunden anbieten und die Bürger bei Entscheidungen stärker einbinden. „Mir ist wichtig, dass die Meinungen der Bürger ernst genommen werden“, sagt er. Das zeige sich aktuell bei der Diskussion um den Verkauf des nördlichen Klinikgeländes. „Ich habe sowohl mit Vertretern der Initiative als auch mit einem der Investoren gesprochen“, rät er, stets alle Seiten anzuhören. „Es ist okay, wenn man unterschiedliche Ansichten hat. Es muss aber einen Weg geben, mit dem alle gut leben können – und den gibt es auch“, ist er überzeugt. Auch der Kiesabbau ist für ihn ein wichtiges Thema. Hier will er Wege suchen, eine weitere Abgrabung zu verhindern.

Die Jugend im Blick

Ebenso setzt er sich für den Erhalt der „Lupe“ im Gemeindezentrum ein. „Die jungen Leute dürfen nicht abgeschoben werden“, sagt er. Dass er die Jugend im Blick behält, ist für ihn als dreifachen Familienvater (seine Söhne sind 19 und 27, seine Tochter 23, dazu kommen noch zwei Enkelkinder) selbstverständlich. So hat er in den vergangenen Jahren die Jugendfeuerwehr gestärkt und arbeitet aktuell am Aufbau einer Kinderfeuerwehr.

Es sind aber auch die „vielen kleinen Baustellen“, die Stefan Veldmeijer darin bestärken, das Amt des Bürgermeisters anzustreben. Weil er, nicht zuletzt durch die Feuerwehr, in allen Ortsteilen gut vernetzt ist, weiß er um einige Dinge, die den Bürgern ein Dorn im Auge sind. Weitere Einblicke verspricht er sich von der Postkartenaktion, die er in diesen Tagen auf den Weg bringt. „Da soll man Dinge, die einen ärgern, fotografieren und mir schicken“, erklärt er. Vielleicht könne man so, unabhängig vom Ausgang der Wahl, schon einige Verbesserungen erreichen. In seiner Nähe zum ganz normalen Bürger, der nicht politisch organisiert ist, aber dennoch eine Meinung hat, sieht er einen großen Vorteil. „Die Menschen wollen kein Parteiendenken und feste Hierarchien. Sie wollen ganz unabhängig von Programmen und politischer Ausrichtung das Beste für ihre Gemeinde.“ Das passt gut aus seiner Sicht. Das will er nämlich auch.