Und dann brach alles weg.

REES. Heinz Wellmann ist Gildemeister: Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren. „Wir sind ein eingetragener Verein“, ergänzt der Mann, der in Rees (und wohl auch weit darüber hinaus) bekannt ist wie der sprichwörtlich bunte Hund – ein Typ, der bei einem Casting für einen Film über den 30-jährigen Krieg sowohl den Wallenstein als auch einen Landsknecht darstellen könnte. Wenn Wellmann in einer Band spielte – er wäre der Front-Man, die Rampensau.

Gildemeister

Bekannt geworden ist der Mann mit dem markanten Bart in seiner Rolle als Nachtwächter, aber längst gibt es da auch jede Menge anderer Figuren wie den „Hein vom Rhein“, den „Kastellan auf der Burg Empel“, den „Paulaner“, mit dem es auf eine Bierführung geht, den „Mesner“, den „Henker“ und den „Torwächter“. Wellmann ist natürlich nicht der einzige Stadtführer, der in Rees unterwegs ist, aber als Gildemeister dürfte er einer der am besten vernetzten sein.

Nichts ging mehr

Stadtführungen und Corona – geht das zusammen? Wellmann: „Natürlich ging nach dem Lockdown am 13. März erst einmal gar nichts mehr.“ 100 Prozent Schwund. „Dann kamen die Absagen – zack, zack, zack – eine nach der anderen.“ Die dreimonatige „Führungspause“ hat Wellmann genutzt, und an seinem Internetauftritt gearbeitet (die NN berichteten).

Unter Corona-Bedingungen

Mittlerweile (seit dem 13. Mai) finden auch in Rees wieder Führungen statt – aber unter Corona-Bedingungen. Nicht mehr als zehn Teilnehmer, Abstand, Gesichtsmasken. „Zunächst durften wir in keine Gebäude.“ (Damit fielen auch die Kirchenführungen aus.) „Mittlerweile haben wir wieder die Möglichkeit, ins Museum zu gehen und dort das Stadtmodell anzusehen.“ Auch der Besuch der historischen Kasematten ist ab sofort wieder erlaubt. „Das war in der vergangenen Woche noch nicht der Fall“, erklärt Wellmann. Die Dinge ändern sich laufend.

Wer die Internetseite der Stadt Rees ansurft, findet beim Thema Stadtführungen folgenden Eintrag: „Aufgrund der Corona Pandemie finden Gästeführungen nur mit begrenzter Personenzahl und nach vorheriger Anmeldung statt.“ Und unter „aktuell“ findet sich ein zusätzlicher Hinweis: „Eine vorherige Anmeldung unter 02851/51-555 mit Angabe der Kontaktdaten ist erforderlich. Die Teilnahme wird auf zehn Personen beschränkt, eine Mund-Nase-Bedeckung ist mitzuführen.“

Vier Regionen

Der Gildemeister Heinz Wellmann bekommt einiges mit von den Kollegen in den vier Regionen der Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren. „Die Gilde ist in vier Regionen unterteilt: Nordwest, Ost, Süd und Österreich. Da kommen natürlich viele Meldungen und Nachfragen von Kollegen. Am Schlimmsten trifft es natürlich die professionellen Führer. Denen bricht ja alles weg.“ Was Anfragen angeht, ist eine Beantwortung nur schwer möglich: „Wie die Städte und Gemeinden mit dem Thema Führungen umgehen, ist sehr unterschiedlich geregelt. Da gelten an unterschiedlichen Orten unterschiedliche Bedingungen“, sagt Wellmann. „Wir können zwar mittlerweile wieder Führungen anbieten, aber es ist schon anders als vor Corona. Es fehlt das Lockere – die Leichtigkeit, die Sorglosigkeit.“ Wann es wieder wird wie früher – wer will das sagen? Dass viele, die für den Herbst Führungen gebucht haben, das Ganze aufs nächste Jahr verschieben, kann Wellmann nachvollziehen – „schade ist es natürlich trotzdem“.

Übrigens:

Derzeit bieten insgesamt sieben Gästeführer in Rees 17 verschiedene Themenführungen (teils gewandet, teils ungewandet) an.

Die Stadt Rees im Internet