Karl-Heinz Schayen leitet für den Weißen Ring die Außenstellen Wesel und Kleve. NN-Foto: Rüdiger Dehnen.

NIEDERRHEIN. Wer sagt denn, dass Helfer keine Hilfe brauchen? Der Weiße Ring hilft Kriminalitätsopfern, aber manchmal braucht er auch selbst Unterstützung. Zum Beispiel jetzt.

„Weil die Anfragen beim bundesweiten Opfer-Telefon und bei der Onlineberatung merklich zugenommen haben, suchen wir neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Ob es um Häusliche Gewalt geht, um Vergewaltigung, Einbruch oder Stalking – wer Opfer eines Verbrechens geworden ist, meldet sich häufig zuerst per Telefon oder schriftlich über die Onlineberatung bei Deutschlands größter Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, gern auch anonym“, heißt es in einem Aufruf.

Karl-Heinz Schayen leitet für den Weißen Ring die Außenstellen Wesel und Kleve. „Wenn sich ein Opfer bei einer Außenstelle meldet, ist der erste Schritt ein Telefongespräch.“ (Die Außenstellen sind nicht – wie man denken könnte – Büros mit einer Adresse.) „Nach dem Gespräch folgt gegebenenfalls eine persönliche Begegnung“, beschreibt Schayen das Procedere. Er war von 1994 bis 2002 Polizeichef im Kreis Kleve und kennt sich aus mit Straftaten. Seit 2007 leitet er die beiden Außenstellen. „Der Weiße Ring sucht dringend Menschen, die Opfern von Straftaten am Telefon zur Verfügung stehen“, sagt er. Es geht um jeweils drei Stunden Telefonbereitschaft pro Woche. Das findet übrigens von zuhause aus statt. „Wer nach einer Straftat Hilfe sucht, wendet sich häufig an den Weißen Ring, Deutschlands größte Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer – und immer öfter sind das bundesweite Opfer-Telefon 116006 oder die Onlineberatung die Anlaufstelle für den ersten Kontakt“, heißt es in einer Meldung. Schayen: „Bei den Außenstellen Kleve und Wesel haben wir derzeit zusammen zehn Mitarbeiter. Bundesweit verfügt der Weiße Ring über rund 400 Außenstellen. In Kleve und Wesel finden pro Jahr circa 200 Beratungsgespräche statt.“ Fest steht: Es werden Menschen gesucht, die bereit sind, am Opfertelefon zur Verfügung zu stehen. Schayen: „Ein Altersfenster gibt es dabei nicht. Es geht auch nicht darum, dass jemand eine bestimmte Ausbildung haben muss. Wichtig sind Empathie, die Fähigkeit zuzuhören und psychische Stabilität. Und selbstverständlich ist Verschwiegenheit ein absolutes Muss.“ Das Opfertelefon des Weißen Rings ist täglich zwischen 7 und 22 Uhr zu erreichen. Schayen: „Eine Vergütung gibt es nicht, wohl aber regelmäßige (und natürlich kostenlose) Schulungen für die Mitarbeiter – verbunden mit entsprechenden Supervisionen.“

Was müssen Menschen tun, die am Opfertelefon des Weißen Rings arbeiten möchten? Schayen: „Zunächst einmal müssen Interessenten sich bewerben. Das sollten sie idealerweise bis zum 14. August mittels eines Formulars tun.“ Unter www.weisser.ring.de finden sich die entsprechenden Informationen. Rückfragen können schriftlich an die E-Mail-Adressen onlineberatung@weisser-ring.de und opfertelefon@weisser-ring.de geschickt werden.

Schayen: „Mit den Interessenten werden dann Gespräche geführt. Für unseren Bereich (Rhein-Ruhr) werden diese Gespräche wahrscheinlich in Essen stattfinden.“ Die Berater am Opfer-Telefon haben seit der Einrichtung 2009 bundesweit knapp 170.000 Gespräche geführt. Schayen: „Diese Arbeit ist unglaublich wichtig und wir brauchen dringend Menschen, die uns unterstützen.“ Wer sich mit Karl-Heinz Schayen in Verbindung setzen möchte, kann das unter 02821/9736667 tun.