Bitte langsam fahren!

KEEKEN. „30 – Cool! Heute kein Foto“ steht auf dem Schild, mit dem einer von mittlerweile 15 Kinder-Dummys „geschmückt“ ist. Die Dummys stehen hauptsächlich entlang der Düffelgaustraße in Keeken. Eigentlich ja ein witziger Spruch. Der Hintergrund ist allerdings ziemlich ernst. „In Keeken ist die Raserei nicht mehr auszuhalten“, schrieb kürzlich Sabine Cleusters an die Redaktion der Niederrhein Nachrichten.

Keine Rücksicht

„Einige Familien haben sich nun zum zweiten Mal zusammengesetzt und Kinder-Dummys angefertigt. Seit die K3 [die Kreisstraße 3 führt von Kleve über Rindern weiter Richtung Düffelward und Millingen; Anm. d. Red.] eine Baustelle ist, wird in den Nebenstraßen völlig rücksichtslos gefahren. Viele Anwohner haben Angst um ihre Kinder, aber auch auf Erwachsene und Haustiere wird keine Rücksicht genommen. 15 Kinder-Dummys sind mittlerweile am Straßenrand verteilt aufgestellt. Wer keine Lust hat, im Dorf die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer zu fahren, der soll die Umleitung fahren.“

Blitzaktion

Wurden denn schon „Blitz-Aktionen“ durchgeführt? Sabine Cleusters: „Es wurden schon mehrere Blitzaktionen von der Polizei und vom Kreis durchgeführt.“
Anfrage bei der Pressestelle des Kreises Kleve. Pressesprecherin Ruth Keuken: „Auf Anfrage der Stadt Kleve (…) erfolgte seitens der Bußgeldstelle des Kreises Kleve am 22. Juli die Einrichtung einer Messstelle im Verkehrsbereich Düffelgaustraße/Höhe Bushaltestelle Schmidthausen. Eine am selbigen Tag durchgeführte Geschwindigkeitsüberwachung im Zeitraum 9.44 bis 13 Uhr ergab die Durchfahrt von 339 Fahrzeugen. Insgesamt wurden 66 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt.“
Es lasse sich, so Cleusters, nur schwer beurteilen, wie viele Autos pro Tag durchs Dorf fahren. „Es fahren viele Niederländer, Bimmener und Keekener auf dieser Strecke. Dazu kommen große LKW und Schweinetransporter.“
An der Dummy-Aktion haben sich bis jetzt sieben Familien beteiligt. Cleusters: „Wir haben vom hiesigen Bauernhof Derksen Materialspenden bekommen. Dabei handelte es sich um Stroh und Kleidung.“

Aggressiv

Auf die Frage, ob es auch Reaktion von den Autofahrern gibt, antwortet Cleusters: „Eine sehr aggressive Reaktion habe ich erlebt: Ein Fußgänger hat mit einem Handzeichen drei Finger hochgehalten um darauf aufmerksam zu machen, dass hier 30 ist. Das Auto hatte eine stark überhöhte Geschwindigkeit. Der Fahrer machte eine Vollbremsung, stieg aus und baute sich vor dem Fußgänger körperlich auf. Der Fußgänger war klein und schmächtig – der Autofahrer hatte eine große kräftige Statur.“
„Bei vielen liegen die Nerven blank“, sagt Anna Maria Arntz und Joanna Schlaszus (beide Frauen leben mit ihren Familien in Keeken) nickt zustimmend. „Es geht uns nicht darum, zu meckern oder Behörden einen schwarzen Peter zuzuschieben. Wir wünschen uns mehr Rücksichtnahme. Das wäre ein Anfang“, sagt Schlaszus.

Umleitung

Wenn jemand von Kleve aus Richtung Millingen unterwegs ist (oder in umgekehrter Richtung), gibt es (natürlich) ausgeschilderte Umleitungsstrecken. „Die führen dann über Kranenburg“, sagt Anna Maria Arntz, „aber das ist vielen zu weit. Sie verlieren Zeit.“ Wer von Kleve aus bis Düffelward fährt, muss spätestens dort die K3 verlassen. Arntz: „Da steht dann ein Schild: Anlieger frei. Das ist also für Menschen, die hier wohnen und nicht für die, die einfach durchfahren möchten, weil sie dabei Zeit gewinnen.“

Verkehrsaufkommen deutlich gestiegen

Fest steht: Das Verkehrsaufkommen an der Düffelgaustraße ist seit der Einrichtung der K3-Baustelle merklich angestiegen. „Hier fahren ja nicht nur PKW durch – da sind auch Viehtransporter unterwegs. Wie es dann hier aussieht, wenn es drei Tage geregnet hat, wollen Sie gar nicht wissen.“ Noch mal sagen die beiden Frauen, dass es ihnen nicht darum geht, einfach zu meckern. „Wir wünschen uns schlicht und einfach mehr Rücksichtnahme.“ Die Botschaft: „Fahrt bitte langsam.“ Bis Anfang Oktober sollen die Straßenarbeiten an der K3 dauern. Ein weiteres Problem: „Derzeit fahren hier keine Busse. Wer mit dem Bus fahren möchte, muss bis Düffelward laufen. Da können ja demnächst unsere schulpflichtigen Kinder auch nicht fahren.“ Das Baugeschehen und die damit verbundenen „Unannehmlichkeiten“ seien derzeit im Dorf das Thema Nummer Eins, sagen Arntz und Schlaszus. „Wenn jetzt demnächst noch der Mais-Ernte-Verkehr dazu kommt, bedeutet das ja noch mal eine Steigerung.“ In Keeken werden sie aufatmen, wenn die Baustelle Geschichte ist. „Wir hoffen natürlich, das klappt bis zum geplanten Termin Anfang Oktober.

Einer der Dummy von der Düffelgaustraße.