BEDBURG-HAU. Für Verunsicherung sorgt die anstehende Veräußerung des Nordteils der LVR-Klinik Bedburg-Hau. Das in weiten Teilen unter Denkmalschutz stehende Gelände nutzt der Landschaftsverband Rheinland längst nur noch partiell. Nach langjährigen Verhandlungen ist man nun „handelseinig“ mit dem Kaufinteressenten, der Scientific Freshers GmbH, geworden. Ein Kaufvertrag wurde aber noch nicht unterschrieben. Die beiden Hochschul-Professoren, Dr. Thorsten Brandt und Dr. Dirk Untiedt, die hinter der Gesellschaft stehen, wollen Planungssicherheit. Die Vertreter der Gemeinde machen deutlich, dass sie einen zügigen Vertragsabschluss befürworten.

Dagegen arbeitet eine Bürgerinitiative, deren Mitglieder seit knapp zwei Wochen Unterschriften sammeln, um ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen. „Wir sind noch in einer sehr frühen Planungsphase“, stellt Bürgermeister Peter Driessen klar, dass die aktuelle Diskussion aus seiner Sicht wenig Sinn macht und erinnert noch einmal daran, dass der Gemeinderat „mit großer Einigkeit diesen Weg gegangen“ sei. „Es wird vieles erzählt, was mit dem hier gar nichts zu tun hat“, sagt Driessen und spricht sich für „mehr Sachlichkeit“ aus. Im Raum stehen Befürchtungen, dass mit Änderung des Flächennutzungsplans (aktuell ist das Areal als Sonderbaufläche ausgewiesen) der alte Baumbestand abgeholzt wird und heute frei zugängliche Grünflächen und Wege privatisiert werden. Bauamtsleiter Dieter Henseler betont jedoch: „Der Wald bleibt erhalten und an den Nutzungsrechten ändert sich nichts.“

Waldcharakter ist kein Hindernis, sondern ein wertvolles Gut

Dem pflichten Untiedt und Brandt bei. „Der Baumbestand und die denkmalgeschützten Häuser machen doch gerade den Charme des Geländes aus“, sagen sie. Man wolle den Waldcharakter erhalten, behutsam sanieren, was sich noch sanieren lässt und moderne Wohnbebauung ergänzen. Der Vorentwurf des Bebauungsplans Hau Nr. 26 „Rheinische Kliniken“ sieht vor, die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude im Zentrum des Areals, eingefasst vom Nördlichen Rundweg, unberührt zu lassen. Hier sehen die Investoren die Möglichkeit für die Ansiedlung von Dienstleistungsgewerbe. Denkbar seien etwa ein Ärztehaus, Einrichtungen für Senioren oder Kanzleien. Unberührt bleibe auch der Bereich um den „Geschlechtergraben“. Man wolle einen neuen Ortsteil schaffen, in dem man zentrumsnah und „wunderschön im Grünen“ leben könne.

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Gespräche mit ArToll und mini-art

Sorgen müsse man sich auch nicht um den Verbleib der Kulturschaffenden. Mit ArToll und mini-art habe man bereits Gespräche geführt. „Kultur gehört auch dazu, wenn man einen attraktiven Ortsteil schaffen will“, sagt Untiedt. Man müsse sich eher fragen, was passiert, wenn das Bürgerbegehren Erfolg hätte, meint Driessen. Der LVR könne jederzeit die Energieversorgung kappen.

Mit Blick auf die vier denkmalgeschützten Häuser, die abgerissen werden könnten, stellt Bauamtsleiter Henseler zudem fest, dass diese ohnehin kaum noch zu retten wären. „Da macht eine Sanierung keinen Sinn mehr“, sagt er. Die auszuweisenden Bauflächen seien in erster Linie auf Familien zugeschnitten. Doppelhaushälften und Mehrparteienhäuser seien denkbar. „Die Geschossigkeit der Gebäude steht jetzt noch überhaupt nicht zu Debatte“, betont Henseler.

Momentan befinde sich die Gemeinde im regen Austausch mit sämtlichen Fachbehörden, darunter auch mit dem Naturschutzzentrum (es geht um Artenschutz) und dem Kreis Kleve. Anschließend werde der Entwurf überarbeitet und im Rahmen einer Bürgerversammlung zur Diskussion gestellt. „Das war ohnehin geplant, wäre aber jetzt noch zu früh“, sagt Henseler. Erst danach gehe man mit dem Babauungsplan in die nächste Runde. Im Rathaus rechnet man nicht mehr damit, dass in diesem Jahr noch eine Entscheidung gefällt wird.