„Haben Sie was anzumelden?“

NIEDERRHEIN. Willy Elbers kennt sich aus mit Büchern. Bevor er in Rente ging, war er Technischer Redakteur. „Ich habe unter anderem Werkstatthandbücher für DAF geschrieben. DAF – das wissen Sie bestimmt – baut LKW.“ Und gab es da nicht auch PKW? Andere Baustelle.

Siebengewald

Elbers wohnt in Siebengewald. Wenn er eine Mail schreibt, steht am Ende „Region- und Mobilitätshistoriker“ und „Mitglied im Siebengewalds Archief“. Elbers gehört also zu den Menschen, denen Geschichte am Herzen liegt.
Derzeit arbeitet Elbers an einem Buch, das sich mit dem Zollwesen auseinandersetzt. Wer die Zeit der Grenzkontrollen noch erlebt hat, hört irgendwie gleich diesen Satz im Ohr: „Haben Sie irgendwas anzumelden?“ Und Hand aufs Herz? Ist da draußen jemand, der damals nie geschmuggelt hat?

Zöllner unter sich: Deutsch-niederländisches Fußballspiel.

In den Genen

Willy Elbers ist auf den Spuren des Zolls. „Dabei geht es mir natürlich auch um Geschichte, aber vor allem auch um Geschichten“, sagt er. Wie kommt einer auf das Thema Zoll? Sagen wir es mal so: Es liegt an den Genen. Elbers‘ Vater war Zollbeamter. 1961 zog die Familie nach Siebengewald. „Mein Vater hat hier gearbeitet.“ Damals wurde viel geschmuggelt. Butter und Kaffee Richtung Deutschland. „Aber natürlich wurden auch Sachen in die andere Richtung geschmuggelt. Das waren vor allem technische Dinge wie Fahrradketten und auch Motorräder. Jedes Dorf entlang der Grenze hatte zehn bis 15 Zollbeamte.“ Es war also einiges los.

Die Kleinen und die Großen

„Wir hatten damals einen Nachbarn, der auch im Schmuggel tätig war. Den haben sie eines Tages erwischt. Er saß dann ein paar Tage in der Klever Schwanenburg.“ Das, so Elbers, seien eher „die Kleinen“ gewesen. „Es gab aber auch Schmuggel im großen Stil. Da wurden dann Güter im großen Stil transportiert. Diese Schmuggler waren in gepanzerten Autos unterwegs. Da wurde seitens der Zöllner auch von der Schusswaffe Gebrauch gemacht.“
Elbers hat längst Aberhunderte von Dokumenten zusammengetragen. Bei seinem Buch soll es um die Grenze von Venlo bis Nimwegen gehen.

Willy Elbers Vater Wim Elbers.

Entlang der Grenze

„Ich suche dazu Kontakt mit Deutschen Zollbeamten (Kollegen meines Vaters), die zwischen 1945 und 1993 hier entlang der Grenze stationiert waren. Ich interessiere mich für alte Bilder und alles, was sie sonst noch zu erzählen haben über alte Zeiten.“ Zum Jahresende möchte Elbers sein Buch veröffentlichen. „Ich werde noch bis Ende September Material sammeln“, entwirft er das Zeitfenster. „Ich möchte, wenn das Buch vorgestellt wird, auch eine kleine Ausstellung veranstalten und suche dazu auch Teile von Uniformen und alles, was es sonst noch gibt.“ Allein 1.000 Bilder von Grenzsteinen besitzt Elbers mittlerweile. Aber wie es so ist, wenn einer sammelt: Genug ist nie. Wer Elbers (mit Bildern oder Geschichten) unterstützen möchte, kann sich per Email (wilelbers@hotmail.com) an ihn wenden.

Willy Elbers. NN-Foto: HF