Sandra Toth aus Aldekerk präsentiert stolz ihren dystopischen Debutroman – den ersten Teil einer Trilogie. Damit erfüllt sie sich einen lange gehegten Traum. NN-Foto: Theo Leie

ALDEKERK. Viele wollen es, wenige ziehen es durch: Mindestens einmal im Leben ein Buch schreiben. Zur zweiten Gruppe kann sich jetzt Sandra Toth zählen. Die 33-jährige Aldekerkenerin hat nach fünf Jahren Arbeit mit „Das Dorf. Finsterzeit 1″ den ersten Teil ihrer Dystopie-Trilogie veröffentlicht – und sofort einen Verlag gefunden. Besonders schön für die Leser: Die anderen Teile erscheinen noch dieses Jahr.

Aber worum geht es überhaupt? Im Rahmen einer Energiewende wurden in einer nicht allzu fernen Zukunft sämtliche Atomkraftwerke abgeschaltet, ohne für alle Menschen ausreichende alternative Energiequellen sichergestellt zu haben. Die darauf gefolgte Rationierung des Stroms spaltet das Land in Arm und Reich. Einige Menschen haben ausreichend Strom, andere zu wenig. Es gibt Proteste, und Hunger, Gewalt und Mord folgen. Zudem zerstören einige radikale Umweltaktivisten das Stromnetz. Viele Menschen flüchten: Die Protagonisten Lara und Thomas suchen „die Festung“, einen sicheren Ort, den sein Großvater schon vor Jahren erbaut hat. Auf ihrem Weg gelangen sie in ein Dorf, in dem sich unter der Führung des charismatischen Viktor Gleichgesinnte für das Überleben zusammengefunden haben. Schnell wird jedoch klar, dass die einzige Hoffnung auf das Überleben aller die Festung ist.

Den thematischen Fokus des ersten Teils legt Toth auf die Menschlichkeit, auf das, was nach der Katastrohe passiert. „Wie entwickeln sich die Menschen, wenn man ihnen das entzieht, was unsere Ordnung aufrechterhält? Wie weit ist unser Normen- und Wertesystem ein Luxusgut, das wir uns glücklicherweise leisten können?“, erläutert Toth. Im dritten Teil, wie sie verrät, geht es jedoch wieder mehr um die Natur: Unseren schlechten Umgang mit ihr und wie die Figuren lernen, sie zu respektieren, um gemachte Fehler nicht zu wiederholen.

Ein stiller Traum

Eigentlich war das Schreiben eines Romans ein lange gehegter, stiller Traum, von dem die Mutter zweier Kinder nie dachte, dass er Realität werden würde. Fünf Jahre arbeitete sie vom ersten Wort bis zur Veröffentlichung am ersten Teil. „Aber das hängt auch damit zusammen, dass ich anfangs nicht angenommen habe, dass es ein Buch, geschweige denn eine Trilogie wird“, erzählt Toth. Mal habe sie geschrieben, dann wieder nicht.

Die Suche nach einem Verlag verlief überraschend einfach. „Eigentlich habe ich mich gar nicht getraut. Ich habe es nicht gelernt, ich habe beruflich nichts in dieser Richtung gemacht“, sagt Toth. Ihr Mann und ihre Familie ermutigten sie jedoch dazu, zumindest einen Verlag anzuschreiben. Und genau das wollte sie tun: Nur einen anschreiben. Sie machte sich angesichts der Probleme zahlreicher Autoren keine großen Hoffnungen, aber es kam anders. „Dann war der Feuerwerke-Verlag wirklich so verrückt, mich anzunehmen“, erzählt sie, noch immer ein wenig ungläubig. Die nächsten beiden Teile waren dann innerhalb eines Jahres fertig.

Wenn es von alleine kommt

Was ihre Geschichte angeht, hatte Toth keine Ahnung, wohin der Weg führen würde: Protagonisten, von denen sie nicht wusste, dass sie kommen werden oder Wendungen, die sie nicht erahn­te: „Ich hatte kein Konzept, kein Exposé, keinen Plan. Ich habe einfach geschrieben.“ Jedes kleine Detail sei eigentlich von selbst gekommen.

Spaß gemacht hat ihr vor allem, wie die Charaktere sich von selbst entwickelten. „Ich habe versucht, bei Menschen zu bleiben, denen man morgens auf der Straße begegnen könnte. Also keine klassischen Helden“, sagt Toth.

Viele Leser lieben ihr Buch: „Das ist ein großartiges Gefühl. Beängstigend, aber großartig“, sagt Toth. „Wenn man mir vor fünf Jahren gesagt hätte, was ich da schreibe wird mal eine Trilogie, hätte ich gelacht. Wenn mir dann noch jemand erzählt hätte, eines Tages kommt es raus und gerät innerhalb eines Tages auf Platz eins der Dystopie-Bestseller auf Amazon, hätte ich die Person wahrscheinlich eingewiesen.“

Zeit finden

Toths einzige wirkliche Herausforderung beim Schreiben sind ihre Kinder. Toth befindet sich momentan in Elternzeit, hilft aber nebenher im Betrieb der Eltern aus. Wegen der Familie verlegt sie ihre Schreibzeit heute eher in die Abendstunden, schiebt auch mal eine Nachtschicht: „Nachts um zwei Uhr schlafen alle, da geht das ganz gut.“ Für ihre Trilogie kam jedoch alles zeitlich zusammen: Alle Teile waren fertig, bevor ihre heute acht Monate alte Tochter zur Welt kam. Ihr heute vierjähriger Sohn war zu der Zeit in der Betreuung, sodass Toth an drei Tagen schreiben konnte.

Angefangen mit dem Schreiben hat sie bereits als Kind. „Schon in der Grundschule habe ich versucht, erste Abenteuergeschichten von meinem Dackel und mir aufzuschreiben. Zum Leidwesen meiner Eltern, die sich das immer anhören mussten“, erzählt Toth amüsiert. Wirklich viel schreibt sie seit sie 23 ist. „Meistens Kurzgeschichten, die in den Tiefen meiner Schubladen verschwunden sind. Es ist einfach ein Hobby und tut gut.“ Aber auch Gedichte gehören zu ihrem Repertoire. Nur ein Buch gab es bis heute nie. So wurde dies ihr Traum: ein Buch zu beenden. Die Veröffentlichung war da eher zweitrangig.

Welches Ziel hat Toth nun, da sich ihr Traum erfüllt hat? Die Antwort: weiterzuschreiben. Besonders, da es sich auch gut mit der Familie in Einklang bringen lasse. Vielleicht sogar mal beruflich: „Jeder hat wohl den Traum, sein Hobby zum Beruf machen zu können“, sagt sie.

In Dytopien kann Toth am meisten abtauchen und sich gleichzeitig am meisten aufregen. Sie liest aber auch so ziemlich jedes andere Genre, mit einer Ausnahme: „Womit man mich jagen kann, sind softpornographische Liebesschnulzen à la Rosamunde Pilcher. Ich gönne es jedem, aber das ist nichts für mich“, sagt sie mit einem Lachen.

„Das Dorf“ gibt es ab sofort im Handel für 12,90 Euro als Taschenbuch. Das E-Book steht derzeit zu einem Aktionspreis von 0,99 Euro nur auf amazon.de zum Kauf bereit. Die Teile zwei und drei können für 2,99 Euro vorbestellt werden und sollen Anfang August und Ende September erscheinen.