Biergarten
Viele Gastronomen, wie hier das Nierswalder Landhaus in Goch, erfüllen den Gästen ihren Wunsch nach einem kleinen bisschen Normalität – natürlich mit den richtigen Sicherheitsvorkehrungen.

NIEDERRHEIN. Die Pandemie hat die Gastronomiebranche wie viele andere hart getroffen. Nach den Lockerungen und Öffnungen der letzten Wochen haben viele Gastronomen unter verschiedenen Maßnahmen ihre Pforten wieder geöffnet. Besonders die Außengastronomie wie Biergärten locken seit jeher viele Gäste in der warmen Jahreszeit. Aber ist das auch in Zeiten von Corona so? Die NN haben sich bei einigen Gastronomen nach der Situation erkundigt, vor allem in der Außengastronomie. Es zeigt sich: Gemessen an der Situation ist trotz vieler Probleme zumindest der Zulauf auf die Biergärten bei gutem Wetter oft zufriedenstellend.

Den Umständen entsprechend gut geht es dem Nierswalder Landhaus in Goch. Buchungen gibt es hier mittlerweile wieder einige. „Wir haben überlebt und wir hoffen, dass es auch weiterhin gut geht“, erklärt Sigrid Dittrich, die das Landhaus mit ihrem Mann Karl betreibt. Gerade bei schönem Wetter sei der Biergarten recht voll. Besonderes der Mittagstisch laufe gut, was nicht immer so gewesen sei. „Man merkt eine gewisse Dankbarkeit der Kunden“, sagt Dittrich und bestätigt den Drang der Menschen nach Geselligkeit. An Wochenenden oder sehr schönen Tagen müssen Kunden auch mit Wartezeiten rechnen.

Mittlerweile wagt sich das Team wieder an Events: Zum Sommeranfang gab es ein Grillbuffet für die Kunden, mit Sicherheitskonzept. Probleme habe es dabei nicht gegeben. Durch den großen Platz im Restaurant und Außenbereich konnte das Team für die Hygienemaßnahmen die Tische weit auseinanderziehen, ohne Plätze einzubüßen.

Der Zukunft sieht Dittrich optimistisch entgegen, das Team gebe alles. „Wir wissen, wir können reagieren und uns auf jede Situation einstellen“, sagt Dittrich. Sie hofft aber, irgendwann wieder größere Gruppen begrüßen zu dürfen. Bis 50 Personen seien zwar erlaubt, aber die Leute seien sehr vorsichtig.

Die Gaststätte Perau in Kalkar konnte sich laut Inhaberin Barbara Perau vor allem durch ihren Service „Essen auf Rädern“ und Aufträge von Kindergärten am Leben erhalten. „Allgemein läuft es noch sehr schleppend. Die Leute sind noch verunsichert“, sagt Perau. Trotzdem kommen die Leute wieder vermehrt, wollen die Gaststätte unterstützen. Da es im Biergarten recht voll werden könne, gebe es auch manchmal Wartezeiten. Aber für die meisten sei das kein Problem. Außerdem steht seit Kurzem auch die Kegelbahn wieder offen. Wie Perau erzählt, halten sich die Kunden an die dazugehörige Maskenpflicht.

Um der Situation angemessen zu begegnen, hat das Team die Karte verkleinert. Außerdem ist nur etwa die Hälfte des Personals im Einsatz, das zudem früher am Tag mit der Arbeit beginnt. „Wir können noch nicht alle zurückholen. Das sitzt finanziell einfach noch nicht“, erklärt Perau. Ansonsten wurden die Tische weiter auseinandergestellt und es herrschen hier die üblichen Hygienevorkehrungen, wie sie auch in den anderen Gastrobetrieben zu finden sind: Desinfektionsmittel drinnen und draußen für Team und Kunden, Masken und Listen zum Eintragen.

Perau glaubt, dass die Coronakrise noch das Ende für einige Betriebe bedeuten wird, vor allem im Falle eines weiteren Lockdowns. Für ihren Betrieb sieht sie jedoch ihren „Essen auf Rädern“-Service als gutes Grundgerüst für das Überleben.

Im Biergarten läuft es gut

Die Situation im Waldhaus Dicks in Weeze ist laut Inhaber Heinrich Dicks relativ gut, die Umsätze im Biergarten seien etwa dieselben wie im letzten Jahr. „Wir haben aber keine Gesellschaften mehr, was am Ende heißt, dass wir etwa 40 bis 50 Prozent weniger Umsatz haben“, sagt er.

Auch im Waldhaus wurde die Speisekarte geringfügig verkleinert und die Abstände zwischen den Tischen vergrößert. Das bedeute jedoch auch weniger Plätze, trotz des großen Gartens und vieler Plätze. So kann es auch hier voll werden, weshalb Dicks empfiehlt, zu reservieren.

Dicks geht verhalten optimistisch in die Zukunft: „Die großen Feiern werden ausbleiben. Ansonsten erhoffe ich mir, dass es ganz gut läuft, wobei das Wetter nicht ganz unwichtig ist. Die Gäste möchten schon verstärkt im Außenbereich sitzen“, erläutert er. Problematisch sei es besonders bei den Kegelbahnen. Hier halten sich die Kunden laut Dicks noch zurück.

Für die Burgschänke in Alpen ist die momentane Situation nicht leicht. „Die Situation ist noch beschwerlich, da uns der ganze Veranstaltungsbereich fehlt“, erklärt Geschäftsführer Wolfgang Gödeke. Besonders im Innenbereich täten die Leute sich noch schwer. Bei gutem Wetter kämen sie jedoch verstärkt, da sie auf den Biergarten zurückgreifen könnten. Um effektiver arbeiten zu können, hat das Team die Öffnungszeiten etwas geschrumpft. Auch die Karte hat es ein wenig verkleinert. Das soll sicherstellen, dass das Team rationaler einkaufen kann. Für das Hygienekonzept wurden auch hier überall Desinfektionsspender aufgestellt. Gäste werden nur mit Maske an einen Tisch geführt.

Gödekes Vorstellung von der weiteren Zukunft: „Unsere Gastronomie wird es wohl überleben. Es ist aber hart für alle“, sagt er. Größere Schwierigkeiten sieht er vor allem beim Hotelbetrieb.

Schwierigkeiten hat auch das Schloss Walbeck, das derzeit jeden Samstag und Sonntag seinen Biergarten öffnet. Früher war das nur sporadisch am Sonntag der Fall. „Wir leben eigentlich von Veranstaltungen, Hochzeiten und Gruppenevents. Der Betrieb ist bis auf 15 Prozent Umsatz zusammengebrochen. Deswegen haben wir uns auf den Biergarten fokussiert und mehr Außenplätze geschaffen“, erzählt Daniel van Bonn. „Wir haben uns von Gruppenevents auf Einzeltourismus und Einzelgäste spezialisiert“, ergänzt er.

Am Wochenende sei der Kundenverkehr in Ordnung. „Man merkt, die Leute wollen raus.“ In Anpassung an die Situation wurde das Team verstärkt und setzt jetzt darauf, live vor den Kunden zu kochen. Außerdem wurde auch hier die Karte verkleinert, damit das Angebot frisch und handhabbar bleibt. Fehlende Buchungen und Events für das nächste Jahr weisen für van Bonn auf bleibende Schwierigkeiten: „Ich gehe davon aus, dass die Restaurant- Event- und Hotelbranche mindestens bis nächstes Jahr im Sommer Probleme bekommen wird.“