NIEDERRHEIN. Das mit der Kreativität ist so eine Sache. Im Allgemeinen geht es darum, etwas zu erschaffen, was neu oder originell und zugleich nützlich oder brauchbar ist. Darüber hinaus gibt es verschiedene Ansätze, was Kreativität im Einzelnen auszeichnet. So kann man auch schöpferisch oder gestalterisch kreativ sein. Etwa beim Schreiben. Und da besondere Zeiten auch besondere Maßnahmen erfordern, ist es sicherlich auch kreativ, wenn man sich der sozialen Medien bedient, um Kreativität zu fördern, wenn eigentlich gerade alles still steht. So hat es der Bestseller-Autor Sebastian Fitzek gemacht. Unter dem Hashtag #wirschreibenzuhause hat er seine Instagram-Follower dazu aufgefordert, eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Der Walbecker Frank Stienen ist seinem Ruf gefolgt – und würde sich freuen, wenn jetzt möglichst viele Grusel-Fans für seinen Beitrag abstimmen. Die Thriller von Sebastian Fitzek hat Frank Stienen etwa vor einem Jahr für sich entdeckt. Kreativ ist der umtriebige Walbecker allerdings schon sehr viel länger. „Ich habe schon als Kind gezeichnet und geschrieben“, erzählt er. Später kam dann die Musik dazu. Ob Elbengesang mit Faelend oder Elektro-Rock-Pop mit Analogue Brain und EGOamp – der eingefleischte Depeche Mode-Fan lässt seiner Kreativität vorzugsweise an Keyboard und Co. freien Lauf.

Weil sich das Proben in Corona-Zeiten aber eher schwer gestaltet, blieb dem 49-Jährigen Zeit für andere Projekte. Da kam der Aufruf von Sebastian Fitzek gerade recht. Stienen: „Auf Instagram entstand die Idee, eine Kurzgeschichtensammlung zu erstellen, die anschließend veröffentlicht wird und deren Erlös dem Buchhandel zufließt.“ Also: Zuhause bleiben und schreiben! Das hat Stienen dann auch gemacht. Erst verhalten, dann mit wachsender Begeisterung. „Ich schreibe zwar schon seit Jahren Berichte und Rezensionen für das Online-Magazin Monkeypress, aber eine richtige Geschichte erfinden, die dann auch noch spannend sein muss… das war für mich vollkommen neu“, räumt er ein, dass es ein paar Tage gedauert habe, den richtigen Rhythmus für sich zu finden. „Danach lief es allerdings relativ zügig“, sagt er.

Das Hauptmotiv ist „Rache“

Fitzeks erste Vorgabe: Die Geschichte soll unter dem Thema „Identität“ stehen. Die Ausgangssituation: Jemand findet ein fremdes Handy, auf dem er Bilder von sich selbst entdeckt. Das Hauptmotiv: Rache. „Den Rahmen für die Geschichte haben die User gemeinsam mit Sebastian Fitzek entwickelt“, erklärt Frank Stienen, wie der Wettbewerb aufgebaut war. Vorschläge wurden gesammelt und dann darüber abgestimmt. „So ist nach und nach ein Grundgerüst entstanden, an dem man sich orientieren konnte.“ Im Anschluss: Drei Wochen Zeit, um eine eigene Story zu entwickeln und die Kurzgeschichte als Beitrag ins Rennen zu schicken. „Deadline“ heißt das im Fachjargon.

Und in diesem Fall darf man das auch wörtlich nehmen. Schließlich ist Fitzek nicht umsonst einer der erfolgreichsten Thriller-Autoren Deutschlands. So lassen Titel wie „Deine Hand, mein Blut“, „Stunde der Vergeltung“ oder „Das Grab im Wald“ erahnen, dass die Geschichtensammlung nicht Jedermanns Sache sein dürfte. Die Jury um Charlotte Link, Arno Strobel, Andreas Gruber, Ursula Poznanski, Doris Janhsen, Ivar Leon Menger, Roman Hocke und Sebastian Fitzek schien davor aber keine Angst zu haben. Schlaflose Nächte hatten sie höchstens, weil man nicht damit gerechnet hätte, dass sich so viele Nachwuchs-Autoren an der Aktion beteiligen. „Am Ende waren es 1142 Beiträge“, weiß Frank Stienen um die große Konkurrenz.

Bis September kann man abstimmen

Ebenfalls weiß er, dass es seine Geschichte „Warte nur ein Weilchen“ leider nicht unter die besten Zehn geschafft hat. Die werden Ende September in der Kurzgeschichtensammlung als „Identität 1142“ veröffentlicht. Aber es gibt noch eine zweite Chance. Die 100 besten Kurzgeschichten sollen nämlich in einem E-Book veröffentlicht werden. Noch bis September läuft unter wirschreibenzuhause.de das Online-Voting, für das Frank Stienen jetzt die Werbetrommel rührt. „Das würde mich sehr freuen, wenn noch viele Leser für mich abstimmen“, sagt er.

Weitere Projekte in Planung

Aber ganz gleich, wie es am Ende ausgeht: Das Schreiben wird der Walbecker nicht an den Nagel hängen. „Es gab tolle Reaktionen auf meinen Beitrag, die mir Mut machen“, sagt er. Gerade schreibt Stienen an einer Geschichte, die in Walbeck spielt. Da geht es um Erinnerungen an die eigene Kindheit und ein Rätsel, das gelöst werden will. Ein bisschen Autobiographie, ein bisschen Fiktion. In jedem Fall aber mit Wiedererkennungswert für Menschen aus Walbeck und Umgebung. Ob es später veröffentlich wird? „Vielleicht“, sagt Stienen. Vielleicht wird er seine Geschichte aber auch erstmal nur mit der Büchercommunity Walbeck teilen. „Wir haben hier eine öffentliche Bücherkiste aufgestellt und planen auch Lesungen.“ Und ganz zum Schluss kommt noch einmal die Kreativität ins Spiel. Stienen verrät: „Die Idee für einen Krimiroman habe ich auch schon im Kopf. Im Bereich der Malerei…“