Weiße Kreuze oder: Tod auf der Straße

KREIS KLEVE. Lena starb im April 2019. Sie wurde 22 Jahre alt. Lena starb bei einem Verkehrsunfall auf der Sommerlandstraße (K5), nachdem ihr Auto in den Gegenverkehr geraten war. Lena wurde in ihrem Auto eingeklemmt und verstarb noch an der Unfallstelle – eines von 15 Opfern auf den Straßen des Kreises Kleve im vergangenen Jahr.

Mutmaßungen

Über die Unfallursache, heißt es in einem Pressetext, könne nur gemutmaßt werden. „Einige Indizien lassen auf die Nutzung eines Mobiltelefons zum Unfallzeitpunkt schließen. Hier zeigt sich, welch dramatische Folgen die Ablenkung durch ein Mobiltelefon am Steuer haben kann.“
Seit 2003 errichtet die Kreispolizeibehörde Kleve (mit Unterstützung des Technischen Hilfwerks) weiße Kreuze: Gedenkstätten für die, die es nicht nach Hause geschafft haben. Aufgestellt werden die Kreuze in Absprache mit den Hinterbliebenen. „Da kann es vorkommen, dass jemand beispielsweise sagt: ‚Die Unfallstelle ist zu nah an meinem Zuhause.‘ Das wäre eine zu große Belastung.“ Auch innerhalb geschlossener Ortschaften werden keine Kreuze aufgestellt. So kommt es, dass in diesem Jahr zwölf Kreuze (15 Tote) aufgestellt werden.

„Ich werde mich nie daran gewöhnen“

Die Sommerlandstraße am 1. Juli, 11 Uhr: Für kurze Zeit ist der Verkehr gesperrt. Die Männer vom THW tragen ein Kreuz von ihrem Lieferwagen an den Straßenrand. Hier ist die Stelle, an der Lena starb. Der Abteilungsleiter der Kreispolizeibehörde Kleve, Georg Bartel ist gekommen. „Ich werde mich an die Zahlen der Unfallopfer nie gewöhnen“, sagt er und bedankt sich bei den Angehörigen von Lena, die zum Aufstellen des Kreuzes gekommen sind. Man merkt ihnen an, wie schwer das Erlebnis noch immer in und auf ihrem Leben liegt. Lenas Mutter kämpft mit den Tränen. Es regnet. Irgendwie ist alles mit Trauer gestrichen.
Die weißen Kreuze im Kreis Kleve sind längst zu einer festen Einrichtung geworden. „Unsere Kreuze finden Beachtung“, sagt Polizeirat Achim Jaspers, Leiter der Direktion Verkehr, „und das nicht nur, wenn sie an der Straße stehen. Sie bleiben vielen Menschen auch dann in Erinnerung, wenn sie längst abgebaut sind.“

Lenas Mutter an der Unfallstelle. NN-Foto: HF

Rotes Herz mit Flügeln

Lenas Mutter hat einen Schmuck für das Kreuz besorgt. Es ist ein rotes Herz mit silbernen Flügeln. Sie hält einen Strauß Rosen in der Hand und wirkt – auch mehr als ein Jahr nach dem Tod ihrer Tochter – noch immer fassungslos.
„Wenn ein Mensch im Straßenverkehr sein Leben verliert, dann betrifft das in der Regel rund 100 weitere Menschen“, hat Georg Bartel zuvor erklärt: Eltern, Geschwister, andere Verwandte, Freunde, Arbeitskollegen. Ein Unfalltod zieht weiter Kreise. Gut, dass im Kreis Kleve der Verkehrstoten sichtbar gedacht wird.