Krumme Dinger? Warum denn nicht!

KREIS KLEVE. Mal ganz vorsichtig gefragt: Müssen Äpfel aus Australien kommen? Brauchen wir im Januar Erdbeeren aus …? Hubert Lemken vom Verein für Landschaftspflege im Kreis Kleve (LIKK) beantwortet die Frage mit einem klaren Nein. Muss nicht.

Drei Schlagwörter

Wie wär‘s stattdessen mit saisonal und regional? Wie wär‘s mit Früchten von der Streuobstwiese? Der Verein LIKK ist – Hubert Lemken beschreibt es so – „klein und umtriebig“. Allein im vergangenen Jahr war LIKK an der Pflanzung von rund 1.500 hochstämmigen Obstbäumen beteiligt. Das entspicht einer Fläche von rund 20 Hektar. Wichtig bei der Sache: „Das Obst soll ja am Ende auch gegessen werden“, sagt Lemke. Damit Menschen es essen, muss Vermarktung stattfinden. Es geht darum, Naturschutz mit Naturnutzung zu vereinen.
Nächste Frage: Warum Obst von Streuobstwiesen? Hubert Lemke: „Zunächst einmal handelt es sich bei diesem Obst um absolutes Bio-Obst.“ Will heißen: Keine Zusatzstoffe. Kein Dünger, keine Pestizide. „Dazu kommt, dass unser Obst wesentlich mehr Inhaltsstoffe hat.“ Und: In Sachen Apfel-Allergien stehen die alten Sorten wesentlich besser da. „Was Sie heute im Supermarkt kaufen können sind wenige Sorten, die genetisch sehr eng zusammen liegen.“

Jede Menge Vorzüge

Das „Naturobst vom Niederrhein“, da ist Lemke sicher, hat da jede Menge Vorzüge. LIKK alleine wäre allerdings kaum in der Lage, das Obst allein zu vermarkten – geschweige denn zu ernten. „Wir haben uns aus diesem Grund mit der Landschäferei Berkhöfel zusammengetan“, erklärt Lemke, denn: Es reicht nicht, mal eben ein paar Streuobstwiesen anzulegen. Hendrik van Aken von der Landschäferei Berkhöfel: „Wir übernehmen für die LIKK nicht nur den Hauptteil der Ernte – es geht auch um die ‚Unterweidung‘ der Bäume.“ Da kommen die Schafe als „Naturimitat“ ins Spiel. Haltstopp: Sind Schafe denn nicht Natur? Sind sie Naturimitat? Van Aken: „Natürlich sind Schafe kein Imitat, aber Sie müssen sich vorstellen, dass früher auf Streuobstwiesen beispielsweise auch Rotwildherden unterwegs waren. Das ist heute eher nicht der Fall.“ Streuobstwiesen sind Insektenareale, aber sie müssen eben auch beweidet werden. Die drei Stichworte, die Hendrik van Aken nennt, lauten: Saisonal, regional, nachhaltig. Von den rund 100 Hektar, die LIKK und die Landschäferei kreisweit bewirtschaften, handelt es sich bei rund 90 Hektar um Grünland.

Zehn Prozent

„Rund zehn Prozent sind Ackerflächen, auf denen wir beispielsweise Gerste anbauen. Die wiederum ist für die zwei Monate im Jahr, in denen unsere rund 300 Muttertiere zum Lammen im Stall sind. Schließlich wollen wir dann nicht Kraftfutter von irgendwoher importieren,“ Es geht um das Stichwort regional und es geht um Nachhaltigkeit.
Zurück zum Obst. Über 200 Sorten gehören zum Angebot, das ab sofort an unterschiedlichen Verkaufsstellen zu haben ist. Hubert Lemken: „Zum Angebot gehört alles, was Sie sich denken können.“ Mispeln zum Beispiel, aber eben auch die Klassiker wie Apfel, Kirsche, Pflaume, Zwetschge und Co. Und da im ersten Ablauf nicht alles Obst frisch vermarktet werden wird, sind LIKK und die Landschäferei auch mit Saft (rund 9.000 Liter waren es im vergangenen Jahr) und Apfel-Birnenkraut „an den Markt“ gegangen. Demnächst wird es – produziert in Tönisvorst – auch Apfelchips geben.

NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Was zu beweisen ist

Es gilt, den Beweis anzutreten, dass man mit Produkten aus der Region – Produkten, die nachhaltig und saisonal produziert werden – einen Betrieb führen kann.
Das Bio-Obst gewinnt möglicherweise nicht den ersten Preis auf dem Obstlaufsteg, „aber die Kundenmeinung hat sich diesbezüglich in den letzten Jahren sehr gewandelt“, erklärt Hubert Lemken. Während es früher eher in die Richtung „bloß keine krummen Dinger“ ging, haben die Kunden längst die Vorzüge der alten Sorten und des biologischen Anbaus schätzen gelernt. Die Stichworte: gesund – regional – lecker.
Ab sofort gibt es über zehn Verkaufsstellen, an denen das „Naturobst vom Niederrhein“ zu haben ist. Am LIKK-Standpunkt in Bedburg-Hau, Uedemer Straße 196, steht ab sofort ein Verkaufswagen der Landschäferei Berkhöfel. Aber: Es gibt noch andere Verkaufsstellen. Lemken: „Das reicht vom kleinen Hofverkauf, von der Bäckerei oder dem Blumenladen über Bioläden bis hin nach Köln-Nippes.“ Es gilt: „Was nützt das beste Produkt, wenn niemand davon weiß.“

Verkaufstellen:

Landschäferei Berkhöfel, Uedemerstraße 196, Bedburg Hau
Naturhof Kirsel, Kirsel 123, Uedem
Biomarkt Kleve, Hoffmannallee 36 a, Kleve
Lisa’s Biohandel, Berk’sche Straße 16, Kleve
Bioland Gärtnerei Voorthuysen, Marktstände Emmerich, Kleve, Kleve Kellen
Bäckerei Spiegelhoff, Weberplatz 1, Uedem
Bauernmarkt Lindchen, Am Lindchen 3, Uedem-Keppeln
Blumen van Beek, Mühlenstraße 14, Uedem
Haakens kleine Eierfarm, Bergstraße 121, Uedem
Biohof Büsch, Niederhelsum 1a, Weeze

LIKK im Netz