„Wir sind zurück“ – Tichelpark Kinos starten durch

KLEVE. Vielleicht lässt sich die Dramatik dessen, was in Corona-Zeiten passiert, auch am Beispiel des Kinos erklären. Kinos erzählen von der Welt und eben deswegen sind sie ein Teil von ihr. Es kann und darf nicht sein, dass wir uns irgendwann mit einem kollektiven Seufzer an Kinos als etwas erinnern, das doch sooo schön war …

Ein Besuch

Reinhard Berens empfängt mich im leeren Kinofoyer. Die Zeit des Lockdowns ist vorbei. Draußen, auf dem Parkplatz noch Kreidemarkierungen, die vom Autokino geblieben sind. Morgen, am Donnerstag, soll es wieder losgehen. Die Tichelpark Cinemas starten mit fünf von acht möglichen Sälen. Schon jetzt heißt die Frage: Sekt oder Selters? Wie wird es werden?

Safety first

Reinhard Berens: „Erst einmal kann ich so viel sagen: Wir tun alles, damit unsere Gäste sich sicher fühlen können.“ Klartext: Eigentlich dürfte – nach den momentanen Corona-Regeln – jeder Platz verkauft werden. „Davon nehmen wir Abstand“, erklärt Berens. „Wir möchten den Menschen die eventuell vorhandene Angst nehmen.“ Das beginnt mit der Sitzverteilung und geht weiter bei den Klima-Anlagen. „Alle unsere Klima-Anlagen arbeiten mit 100 Prozent Frischluft. Das bedeutet: Es gibt keinen Umluftbetrieb.“ Frische Luft rein – verbrauchte Luft raus – quasi auf Nimmerwiederatmen. Die Kunden betreten das Kino durch den Haupteingang und verlassen es durch die verschiedenen Notausgänge. Kein Begegnungsverkehr also. Popcorn und Nachos – für viele ein unverzichtbares „Accessoire“ – sind zu haben. „Karten sind sowohl online buchbar als auch an der Abendkasse erhältlich“, erklärt Berens weiter.

Preisparität

Die Neuigkeit: Preisparität. Das bedeutet: Online-Karten sind nicht teurer als die Karten an der Abendkasse. Berens kann sich auch vorstellen, dass der Trend irgendwann dahin geht, dass Online-Buchungen günstiger sind. „Jetzt aber sind wir erst einmal bei gleichen Preis online und an der Kasse.“ Derzeit sind Berens und seine Mitarbeiter damit beschäftigt, alle Sitze mit Nummern zu versehen. Berens: „Es ist so, dass beispielsweise eine Familie, die zu uns ins Kino kommt, natürlich auch zusammen sitzen kann.“ Die Online-Buchung hat derzeit verschiedene Vorteile. Berens: „Zuerst einmal hat man – so lange wie möglich – die freie Platzwahl. Dazu kommt, dass es eine bargeldlose Bezahlung ist und schließlich sind mit der Buchung auch die Daten erfasst.“ Wer eine Karte an der Abendkasse kauft, muss zusätzlich (längst kennt man das vom Restaurant- oder Cafébesuch) seine Daten (Adresse, Telefonnummer) eintragen. Berens: „Diese Daten werden von uns vier Wochen lang vorgehalten und anschließend gelöscht.“ Natürlich gilt beim Betreten des Kinos (und auch beim Verlassen oder zum Toilettengang) die Maskenpflicht. „Am Platz dürfen die Masken dann natürlich abgenommen werden“, sagt Berens.

Was wird gespielt?

Womit das „Wie“ abgeschlossen wäre. Nun zum „Was“ – dem eigentlichen Problem. Das „Was“ steht für den Spielplan. Berens: „Wir hatten für unseren Neustart mit zwei Premieren gerechnet.“ [Es hätte sich um eine Disney-Produktion („Mulan“) und um einen Warner-Brothers-Film aus der Action-Sparte („Tenet“) gehandelt.] „Beide Premieren sind auf Mitte August verschoben“, bedauert Berens. Kino lebt von neuen Angeboten. „Wir setzen momentan dann auf Filme aus dem Art-House-Bereich und werden sehen, wie es läuft. Momentan geht es für uns erst einmal darum, kostendeckend zu arbeiten. In einer Situation wie dieser ist mit Gewinnen eher nicht zu rechnen.“ Diagnose: Das Kino steht vor einer großen Herausforderung. „Von März bis Mitte Mai durften wir nicht spielen. Daraus folgte, dass wir keine Mietkosten hatten. Jetzt sind wir wieder konzessionsfähig. Jetzt laufen diese Kosten wieder – unabhängig davon, was wir erwirtschaften.“ Einige Kinos, die auch am 2. Juli wieder öffnen wollten, haben die Öffnung verschoben. „Wir haben das auch überlegt, haben uns aber dafür entschieden, es zu versuchen.“

So viel zu den Fakten. Was aber ist mit dem Ort Kino, der ein Stück Identität einer Stadt/Region ausmacht und der ein Stück Kultur bedeutet? „Wir müssen in den nächsten Wochen sehen, wie die Menschen unser Angebot annehmen. Mir ist wichtig, noch einmal zu sagen, dass wir hier alles dafür tun, den Kino-Besuch sicher zu gestalten“, sagt Berens und fast klingt es so, als wollte man eine Besichtigungstour im AKW buchen. „Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die sich unsicher fühlen.“

Bond muss die Welt retten

Eine der großen Hoffnungen: Der neue Bond. „Das ist einer von den Filmen, die wir jetzt dringend brauchen“, so Berens. „Der darf auf gar keinen Fall noch mal verschoben werden.“
Was die Programmstruktur der nächsten Wochen angeht: Es wird keine Spätvorstellungen geben. Gespielt wird täglich um 17 und um 20 Uhr. An den Wochenenden (samstags und sonntags) gibt es um 14 Uhr eine zusätzliche Kindervorstellung. „Gerade in die Kindervorstellung setzen wir ganz große Hoffnungen“, sagt Berens. Auch weiter im Programm: der Sonntagsfilm um 12 Uhr. Auf der Internetseite www.kleverkinos.de ein Spruchband. Weiße Schrift auf rotem Grund: „Wir sind zurück!“

Sitzplatznummerierung etc.

Und dann: „Bevor wir Euch nachfolgend unsere Aufenthalts- und Hygieneregelung für die Wiedereröffnung am Donnerstag, 2. Juli, ab 16.30 Uhr vorstellen (das neue Programm ist jeweils am Montag abend online verfügbar), gleich die wichtigsten Infos vorab: Neu: Sitzplatznumerierung (bisherige freie Sitzplatzwahl entfällt). Neu: Kinotag erweitert. Fünf Euro für alle Filme jetzt am Montag, Dienstag und Mittwoch. Neu: Die empfohlene Onlinebuchung unserer Tickets ist jetzt ohne zusätzliche Gebühren möglich (also gleicher Preis wie beim Kauf vor Ort). Die Sitzplatzbuchung erfolgt unter automatischer Berücksichtigung der Corona-Abstandsregelung (immer genug Abstand). Neu: Kinosäle eins bis fünf geöffnet. Kinosäle sechs bis acht bleiben zunächst geschlossen. Wir bemühen uns um ein attraktives Programm. Wir hoffen auf Euer Verständnis und auf Eure treue Unterstützung. Bleibt uns gewogen.“ Wir sind das Kino, denkt man. Also sollte sich jeder einen Film aussuchen, den er mag und dann: ab ins Kino. Wir haben es in der Hand.