KALKAR. Eigentlich könnte man ihn als einen Mann im besten Alter bezeichnen – in der Politik ginge Marco van de Löcht allerdings glatt als „alter Hase“ durch, denn die Parteiarbeit hat der 47-Jährige von der Pike auf gelernt. Seit über 25 Jahren ist er Mitglied der Kalkarer SPD und hat den klassischen Werdegang hinter sich. Sein aktuelles Ziel: Bei den anstehenden Kommunalwahlen im September den Bürgermeister-Posten abräumen.

In Haus und Garten hat der Vater von zwei Kindern, Luis (14) und Mara (5), immer reichlich zu tun. Schließlich hält ihn seine Frau Denise stets mit neuen Ideen auf Trab. Auch in „seinem“ Verein, dem SuS Kalkar, gibt es genügend Projekte, die umgesetzt werden wollen. Als Vorsitzender nimmt er sich da natürlich nicht aus, sondern packt gern und beherzt mit an. „Da geht noch was“, ist seine Devise. Marco van de Löcht ist ein Mann der Tat – und ein absoluter Teamplayer. „Ich komme aus einer Arbeiter-Familie und bin gewerkschaftlich geprägt“, sagt er. Stark geprägt habe ihn auch die Ära von Bundeskanzler Gerhard Schröder. „Das waren tolle Zeiten“, denkt er gern daran zurück und hofft, das seine Partei wieder mehr Menschen erreicht.

„Es gibt noch reichlich Luft nach oben“

Eigentlich hätte er schon vor fünf Jahren bei den Bürgermeister-Wahlen kandidieren sollen. Da kam ihm allerdings der Familienzuwachs und ein Jobwechsel in die Quere. „Das Wichtigste für uns war, dass Gerhard Fonck nicht im Amt bleiben sollte. Als dann das Bürgerforum mit Dr. Britta Schulz eine Kandidatin aufgestellt hat, konnten wir uns als SPD zurücknehmen und gemeinsam mit der FDP eine parteilose Kandidatin aufstellen“, sagt van de Löcht. Jetzt sei es aber an der Zeit, die SPD wieder ins Spiel zu bringen. „Damals war die Karre tief im Dreck, aber auch heute gibt es noch reichlich Luft nach oben“, findet er.

Als langjähriger Ortsvorsitzender der Kalkarer SPD und seit diesem Jahr auch stellvertretender Bürgermeister weiß der gelernte Sozialversicherungsfachangestellte und Fachwirt, wo es hakt – und was sich in der Politik ändern müsste, um Kalkar wieder auf Vordermann zu bringen. Van de Löcht ist gut vernetzt und beteiligt sich seit vielen Jahren als Ratsmitglied an der Entwicklung der Stadt.

Verwaltung 4.0

Im Wahlkampf punkten will er unter anderem mit dem Thema Digitalisierung. „Ich habe das Gefühl, dass die Stadt da noch enormes Verbesserungspotential hat“, sagt er. Eine moderne Verwaltung 4.0 hält er nicht nur für angebracht, sondern auch für dringend notwendig. „Alles andere macht keinen Sinn“, ist seine Meinung. Das Leben während des Corona-Lockdowns habe schließlich gezeigt, wie wichtig es ist, auch als Stadt digital und flexibel aufgestellt zu sein.

„Abläufe müssen optimiert werden“

Er selbst arbeitet seit Wochen im Homeoffice – „und das klappt ganz hervorragend, auch wenn mir die Kollegen und der direkte Kontakt zu den Kunden fehlen“, sagt van de Löcht. Was bei seinem Arbeitgeber, einer großen Krankenkasse, und in vielen anderen Bereichen gut funktioniere, müsse auch für die Mitarbeiter der Stadt machbar sein. „Projekte müssen zügiger abgeschlossen und Abläufe optimiert werden“, fordert er. Dann könne sich auch die Verwaltung als attraktiver Arbeitgeber auf dem Markt behaupten und müsse nicht mehr dabei zusehen, wie „gute Leute abgeworben“ werden. Oder sich eben gar nicht erst bewerben.
Auch in Sachen Energie möchte Marco van de Löcht seine Heimatstadt weiter voran bringen. „Da ist Vieles in Vergessenheit geraten oder dauert einfach zu lange, bis es umgesetzt wird“, sagt der 47-Jährige. Das gelte auch für das geplante Sportstättenkonzept, bei dem dieser Aspekt viel stärker berücksichtigt werden müsse. Dabei ist van de Löcht einer, der mit sich reden lässt. „Ich weiß, wie weit ich nachgeben kann, ohne dabei meine Ziele aus dem Blick zu verlieren“, sagt er.

Im Sport ehrgeizig, in der Politik kompromissbereit

In der Politik sei er kompromissbereit und könne durchaus Mehrheiten finden. Eine Eigenschaft, die er im Sport nicht unbedingt für sich beansprucht. „Da bin ich sehr ehrgeizig und gebe ungern nach“, sagt er. Seit fast 40 Jahren spielt er Badminton. Früher beim BC Kleve, heute für den TuS Xanten. „Wenn da der Gegner jünger und körperlich fitter ist, dann kann ich mich auf dem Feld schon mal in eine Maschine verwandeln“, gibt er zu, räumt aber gleich ein: „Sonst bin ich aber eigentlich ganz nett.“

Vor Jahren stand das Motorradfahren noch ganz oben auf der Listen seiner liebsten Freizeit-Beschäftigungen. „Heute schaffe ich es allerdings meist nur noch bis zum Tüv und eine kurze Runde um den Block.“ Den sportlichen Ehrgeiz lebt van de Löcht beim Joggen und vor der Darts-Scheibe aus. Die Mud Masters sind da für ihn ein absolutes Highlight. Und zwar nicht die kurzen Strecken. „Dann muss ich mich auch die 18 Kilometer durch den Schlamm quälen“, ist seine Einstellung. Und weil er das so kennt, tritt er auch hier am liebsten im Team an. „Im letzten Jahr bin ich mit einigen Leuten aus der Nachbarschaft auf die Strecke gegangen“, sagt er. Aber auch wenn das Sport-Spektakel in diesem Jahr wieder stattfinden würde, wäre es fraglich, ob van de Löcht die Zeit dazu hätte…

Die Zukunft der Kalkarer Schulen

Viel Raum in seinem Wahlkampf wird das Thema Schulen einnehmen. Das „Problemkind“ Realschule müsse schnellstmöglich unterstützt werden, „sonst haben wir nachher eine modernisierte Schule, aber keine Schüler“, sagt er. Auch die anderen Schulen müssten langfristig auf den neuesten Stand gebracht werden. „Da ist eine Planung mit Weitblick gefragt“, sagt er. Und er weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er seit vielen Jahren Mitglied im Schulausschuss und ärgert sich über Hauruck-Lösungen, die zwar kurzfristig Verbesserungen schaffen, sich aber auf lange Sicht nicht rentieren.

Van de Löcht ist einer, der sich nicht vor der Arbeit scheut. „Wer in einem Verein aktiv ist, der weiß, dass es nur gemeinsam geht“, sagt er. Delegieren ist nicht sein Ding. Er geht lieber mit gutem Beispiel voran. „Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann ziehe ich das auch durch“, sagt er. Und meint damit auch seine Kandidatur.

„Frau Schulz hat ein schweres Erbe angetreten“, räumt er ein. Allerdings, so findet er: „Da muss man jetzt mal mehr Gas geben und die Dinge auch angehen.“ Van de Löcht weiß, dass die Verwaltungs-Mühlen langsam arbeiten. Für ihn ist Politik ein langfristiger Lernprozess. Erfahrungswerte, die er in seiner jahrzehntelangen politischen Arbeit verinnerlicht hat.
Wichtig war für ihn die volle Unterstützung von seinen Parteikollegen, oder besser: Parteigenossen. „Es war ein einstimmiges Ergebnis ohne Gegenstimmen“, ist er stolz. „Ohne diese Rückendeckung wäre ich nicht angetreten“, sagt er. Er ist gespannt auf die kommenden Wochen – und will alles geben, um die Wähler davon zu überzeugen, dass er die beste Wahl für Kalkar wäre.