NIEDERRHEIN. Eine positive Bilanz für die zurückliegenden zwölf Monate zieht Peter Schönrock, Einrichtungsleiter des SOS-Kinderdorfs Niederrhein – Lockdown inklusive. Dank eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Situation habe sich kein einziger Mitarbeiter mit Covid-19 infiziert und die meisten Angebote konnten, wenn auch in angepasster Form, fortgeführt werden.

Zugleich macht Schönrock darauf aufmerksam, dass mit Blick auf kinderreiche oder sozial schwache Familien deutlicher Verbesserungsbedarf bestünde, sollte es im Herbst zu einer weiteren Infektionswelle mit erneuten Schul- und Kita-Schließungen kommen. Gerade Kinder, die bislang noch nicht im Netz individueller Hilfen verankert seien, könnten sonst auf der Strecke bleiben. „Es wird mehrere Monate oder sogar Jahre dauern, bis diese Kinder das aufgeholt haben“, befürchtet Schönrock. Gerade den Schulen sei dringend angeraten, sich um benachteiligte Schüler zu kümmern. „Und das geht nur mit persönlichem Kontakt“, ist er überzeugt.

Erweiterte Öffnungszeiten

Gut angenommen wurden die erweiterten Öffnungszeiten der neben dem Familienforum Kermisdahl in der Klever Unterstadt gelegenen SOS-InKita. „Gerade für berufstätige Eltern, die im Schichtsystem arbeiten, ist es eine deutliche Entlastung“, so Schönrock. Die Betreuungszeiten liegen zwischen 6 und 20 Uhr. Aktuell werde darüber nachgedacht, die weniger nachgefragte Stunde zwischen 19 und 20 Uhr zu Gunsten einer früheren Öffnung am Morgen zu streichen. „Dabei geht es uns insgesamt nicht um mehr Betreuungszeit, sondern um mehr Flexibilität“, betont Schönrock. Nach wie vor sei die SOS-InKita kreisweit die einzige Kindertagesstätte, die Eltern diese Möglichkeit bietet. „Es wäre gut, wenn sich mehr Nachahmer finden würden“, sagt Schönrock und schätzt, dass das Angebot auch die Nachfrage fördern würde.

Café Hope

Am Familienforum angekommen sind auch die Kinder und Jugendlichen des Café Hope. Die Trägerschaft für diese Einrichtung, die sich jahrelang am Regenbogen im Klever Stadtzentrum befand, hatte das SOS Kinderdorf im April 2019 übernommen. Gemeinsam habe man sich für den Umzug in neuere und größere Räumlichkeiten entschieden. „Die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen bei allen Entscheidungen ist uns wichtig“, sagt Schönrock. Die Arbeiten sind fast abgeschlossen, Ende August soll offiziell Eröffnung gefeiert werden.

„Care Leaver“

Die Angebotspalette im Familienforum will man künftig weiter ausbauen. Aktuell reicht diese vom Nordic Walking über Nachhilfe bis zur Familienberatung. Viele Angebote sind kostenfrei oder besonders günstig, weil sich rund 35 ehrenamtliche Helfer einbringen. Auch einige Selbsthilfegruppen und Vereine nutzen die Räumlichkeiten. Hier will man weitere Verbindungen knüpfen, um zu einem „lebendigen Quartier“ beizutragen.
Für das Heraufsetzen der Altersgrenze für die sogenannten Care leaver, junge Erwachsene, die einen Teil ihres Lebens in stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen oder Pflegefamilien verbracht haben und nun in ein eigenständiges Leben entlassen werden, will sich Schönrock weiter einsetzen. Aktuell bestünden viele Jugendämter darauf, dass mit Erreichen der Volljährigkeit Schluss ist, spätestens jedoch mit 21. „Wir fordern eine Ausdehnung bis zum 27. Lebensjahr – wenn es erforderlich ist“, so Schönrock.