Night of Light
Normalerweise erstrahlt der Kühlturm im Freizeitpark des Wunderlands in Kalkar in Blau. Am Montagabend wird er – passend zum Kettenkarussell – im Rahmen des stillen Protests „Night of Light“ in Rot angeleuchtet werden. Foto: Wunderland Kalkar

NIEDERRHEIN. Die Farbe Rot gilt als Signalfarbe, die eine Gefahr symbolisiert. Die Veranstaltungsbranche hat diese Farbe bewusst gewählt, um am kommenden Montag auf ihre existenzbedrohende Lage aufgrund der Coronavirus-Pandemie hinzuweisen. In der Zeit von 22 und 1 Uhr strahlen Betreiber von Hotels, Eventlocations, Kinos, Theater und anderen Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft ihre Gebäude in Rot an. Auch in den Kreisen Kleve und Wesel nehmen mehrere Betreiber an der bundesweiten Aktion „Night of Light“ teil.

Night of LightUnter anderem wird das Wunderland Kalkar seinen Kühlturm rot beleuchten. „Es ist wichtig, ein friedvolles, aber deutliches Signal zu setzen und auf die existenzbedrohende Situation unserer Branche aufmerksam zu machen“, sagt Han Groot-Obbink, Geschäftsführer des Wunderlands Kalkar und Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Kreis Kleve. Die Dehoga hatte bereits im April eine ähnliche, bundesweite Protest-Aktion für die Gastronomie durchgeführt.

„Jeder Protest bringt etwas“

Damals stellten Gastronomen leere Stühle und einen reichlich gedeckten Tisch raus, um die Bundesregierung darauf aufmerksam zu machen, dass die Branche auf wirksame Hilfen angewiesen ist. Im Anschluss verständigte sich die Bundesregierung darauf, die Umsatzsteuer in der Gastronomie bis Ende Juni 2021 zu senken. Groot-Obbink ist deshalb überzeugt: „Jeder Protest bringt etwas, denn er sorgt erstmal für Beachtung.“
Auch die Event-Branche möchte Aufmerksamkeit. „Man darf nicht vergessen, dass nicht nur Veranstalter von dem Verbot von Großveranstaltungen betroffen sind, sondern auch Techniker, Gastronomen, Eventausstatter und natürlich Künstler“, sagt Groot-Obbink. Wann sich die Situation ändere, sei ungewiss. Er hoffe aber, dass manche Messen unter Einhaltung von strengen Auflagen dieses Jahr doch noch im Wunderland Kalkar durchgeführt werden können.

Voller Terminkalender 2021

Tim Ophey von der Event-Agentur „blue place“ aus Wachtendonk hat das Jahr dagegen schon abgehakt. „Wir haben in dieser Woche bereits die Absage für das letzte noch ausstehende Event erhalten, das noch nicht abgesagt worden war“, berichtet Ophey. Er plane erst wieder Veranstaltungen für 2021. „Viele Events werden nächstes Jahr nachgeholt und sind damit nicht komplett abgesagt. Allerdings wird das nicht mit allen Veranstaltungen funktionieren. Dafür ist der Terminkalender einfach zu voll. Wir werden nächstes Jahr aber sicherlich mehr Veranstaltungen als sonst haben“, sagt Ophey.
Das sei auch wichtig für die Branche, bringe jedoch nur bedingt Erleichterungen: „Das Geld, das wir dieses Jahr nicht verdienen können, verdienen wir im nächsten Jahr nicht doppelt.“ Deshalb seien jetzt wirksame Hilfen der Regierung wichtig.

„Night of Light“
Mit der „Night of Light“ möchte am Montagabend die gesamte Veranstaltungswirtschaft bundesweit einen flammenden Appell zur Rettung ihrer Branche richten. Die Farbe Rot soll signalisieren, dass die „Alarmstufe Rot“ erreicht ist und hunderttausende Arbeitsplätze in Gefahr sind.

„Vor allem die Solo-Selbstständigen, von denen es in unserer Branche sehr viele gibt, haben große Existenzsorgen. Sie haben zwar zum Teil schon Soforthilfen erhalten, allerdings hieß es jetzt im Nachhinein, dass diese für die Betriebskosten des Unternehmens und nicht für den eigenen Lebensunterhalt gedacht seien. Solo-Selbstständige haben in der Regel aber kaum Betriebskosten. Sie müssten einen großen Teil der Soforthilfen wieder zurückzahlen. Das würden viele nicht schaffen“, sagt Ophey. „blue place“ wird „Night of Light“ deshalb gemeinsam mit den Firmen tonmann und Sound-System am Rathaus, am Haus Püllen und an der Nierspromenade in Wachtendonk unterstützen. Ab 19.30 Uhr stehen sie Bürgern sogar bei der „Night of Light“ für einen Austausch zur Verfügung. Die bofrost-Halle in Straelen und die Haldern Pop Bar in Rees werden am Montag ebenfalls beleuchtet.

„Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht“

Tom Koporek, Initiator der Aktion „Night of Light“ und Vorstand der LK-AG Essen, sieht für die Branche schwarz, wenn nicht bald Hilfen kämen: „Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht. Die aktuellen Auflagen und Restriktionen machen die wirtschaftliche Durchführung von Veranstaltungen quasi unmöglich.“ Die Umsätze seien seit Mitte März bei null, was kaum ein Veranstalter, Spielstätten, Zulieferer und Dienstleister überstehen könne.