Kreisverkehr könnte Unfallstelle bei Wachtendonk entschärfen

Unfallopfer fordert für die Kreuzung Nieukerker Straße/Meerendonker Straße einen Kreisverkehr – Unfallkommission will sich zeitnah vor Ort treffen

Unfall Kreisverkehr Wachtendonk
Gefahrenstelle: Am 20. Mai ereignete sich innerhalb einer Woche zum zweiten Mal ein Verkehrsunfall mit Personenschaden an der Kreuzung Nieukerker Straße/Meerendonker Straße. Foto: privat

WACHTENDONK. Es ist inzwischen einen Monat her, dass „diverse Schutzengel und viele Helfer“ Klaus Viehmann, seiner Frau und seiner Tochter zur Seiten standen. Am Abend des 20. Mai ging für die Familie aus Nieukerk ein schwerer Autounfall auf der Kreuzung Nieukerker Straße/Meerendonker Straße „verhältnismäßig glimpflich aus“, wie es Viehmann formuliert. Nun fordert er in einem Schreiben an den Kreis Klever Landrat Wolfgang Spreen, den Kreuzungsbereich „endlich und nachhaltig zu entschärfen“. Sein Wunsch: ein Kreisverkehr an der Kreuzung bei Wachtendonk.

Bei dem Unfall nahm ein anderer Pkw-Fahrer dem 60-Jährigen die Vorfahrt, fuhr ihm ungebremst in die Seite des SUV. Das Auto überschlug sich mehrfach, bis es im Kornfeld landete. Während Viehmann mit Zerrungen davonkam, erlitt seine zwölfjährige Tochter eine Schnittverletzung sowie starke Prellungen und Blutergüsse. Seine Frau kam mit einem Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus, wurde operiert. „Dank der Physio geht es inzwischen wieder ganz gut“, sagt Viehmann, der weiß: „Es hätte noch viel mehr und Schlimmeres passieren können.“

„Jeder kennt jemandem, dem dort etwas passiert ist“

Unfall Kreisverkehr Wachtendonk
Totalschaden: Das Auto von Familie Viehmann.
Foto: privat

In Nieukerk kennt laut Viehmann „jeder jemanden, dem dort schon einmal etwas passiert ist“. Seit mindestens drei Jahrzehnten sei besagte Kreuzung ein Thema in der Gemeinde, da sich dort immer wieder Verkehrsunfälle – auch schwere – ereignen. Unfall­ursache ist immer wieder, dass Autofahrer das Stoppschild auf der Meerendonker Straße missachten. Tatsächlich wurden nicht einmal eine Woche zuvor bei einem Zusammenstoß zwei Personen verletzt. „Selbst am Morgen unseres Unfalltages ereignete sich dort ein weiterer Unfall“, berichtet Viehmann.

Für ihn ist es „völlig verrückt“, dass der Kreis und die Kreispolizeibehörde immer noch davon ausgehen, dass es sich bei der Kreuzung auf Wachtendonker Gemeindegebiet nicht um einen Unfallschwerpunkt handelt. „Das wird völlig ignoriert.“ Dabei ließe sich seiner Einschätzung nach mit einem Kreisverkehr die Gefahrenlage effektiv reduzieren. „Ausreichend Platz wäre jedenfalls vorhanden.“

Zuständigkeitsfrage: Landes- trifft Kreisstraße

Doch es gibt offenbar ein Problem, wie Viehmann selbst recherchiert hat: Mit der Nieukerker Straße trifft eine Landstraße auf eine Kreisstraße (Meerendonker Straße). Daraus ergeben sich unterschiedliche Zuständigkeiten und „unterschiedliche Finanzierungsarten“, hat Viehmann erfahren. Dies dürfe aber aus seiner Sicht kein Hindernis sein: „Kreisverkehre werden an so vielen Stellen gebaut, nur dort nicht. Das kann nicht sein.“

Für die Kreispolizeibehörde Kleve galt die Kreuzung lange als Unfallhäufungspunkt, wie eine Sprecherin mitteilt. Dann habe sie sich aber zu einem unauffälligen Punkt entwickelt. Inzwischen werde die Kreuzung nach den jüngsten Vorkommnissen wieder als Schwerpunkt angesehen. Allerdings: Kreispolizeibehörde und Kreisverwaltung bewerten die Kreuzung unterschiedlich, für die Kreisverwaltung handelt es sich – trotz der Unfälle im Mai – weiterhin nicht um eine Unfallhäufungsstelle.

Keine „Unfallhäufungsstelle“ trotz jüngster Unfälle

Grund hierfür ist der Unfallkommissions-Erlass NRW. So wurde zu Beginn dieses Jahres festgestellt, dass sich im März und April 2017 Verkehrsunfälle mit Personenschaden im Kreuzungsbereich ereignet hatten, danach nur noch vier Verkehrsunfälle mit Sachschäden zu verzeichnen waren (zwei Verkehrsunfälle im Oktober und November 2017, kein Verkehrsunfall im Jahr 2018 und zwei Verkehrsunfälle im Oktober und November 2019). „Die Richtwerte für die Identifizierung als Unfallhäufungsstelle im Sinne des Unfallkommissions-Erlasses NRW sind somit nicht mehr erreicht worden“, teilt der Kreis Kleve mit. „Die Unfallhäufungsstelle wird in einem solchen Fall nach Anhörung aller Mitglieder der Unfallkommission für beseitigt erklärt. Dies ist im Januar 2020 im Falle der betreffenden Kreuzung geschehen.“

Nach Rücksprache mit der Kreispolizeibehörde sei festgestellt worden, dass „auch nach den bedauerlichen Verkehrsunfällen aus Mai 2020 aktuell die Richtwerte im Sinne des Unfallkommissions-Erlasses NRW weiterhin nicht erreicht werden, es sich mithin nicht um eine Unfallhäufungsstelle handelt“.

Radweg ausbauen und dabei Kreisverkehr anlegen?

Unabhängig von dem Nichtvorliegen einer Unfallhäufungsstelle werde sich die Straßenverkehrsbehörde des Kreises Kleve als zuständige Behörde für verkehrsrechtliche Anordnungen im Gemeindegebiet Wachtendonk zusammen mit der Kreispolizeibehörde und dem Straßenbaulastträger – in diesem Fall der Landesbetrieb Straßen.NRW – zeitnah an der betreffenden Kreuzung treffen und über Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation beraten.

Hans-Josef Aengenendt, Bürgermeister von Wachtendonk, würde zu einem Kreisverkehr nicht „Nein“ sagen. „Ein Kreisverkehr verlangt eine erhöhte Aufmerksamkeit, und man muss langsamer fahren“, nennt Aengenendt zwei wesentliche Vorteile. Doch er weiß auch, dass das Land und der Kreis hier entscheiden müssen. Aengenendt bringt den Radweg ins Spiel, der aus Geldern kommend bereits bis zum Kreisverkehr Schoulendyck/Neesendyck führt und bis Wachtendonk ausgebaut werden soll. „Man könnte ja diese Gelegenheit nutzen, auch einen Kreisverkehr auf der Nieukerker Straße anzulegen.“