Ärger wegen fehlender Maske – trotz ärztlichem Attest

Dagmar Laack wird in der Öffentlichkeit angefeindet, weil sie aufgrund ihrer COPD-Erkrankung keine Maske trägt. Wolfgang Köther meidet die Öffentlichkeit deswegen.

NIEDERRHEIN. Wenn Dagmar Laack aus Rheinberg in diesen Zeiten einen Supermarkt oder ein Einzelhandelsgeschäft betritt, erntet sie häufig böse Blicke. Aufgrund ihrer COPD-Erkrankung kann die 68-Jährige nämlich keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. „Es wird viel getuschelt oder ich werde gemieden“, erzählt Laack. Zwei Mal sei ihr sogar der Zutritt in ein Ladenlokal trotz eines ärztlichen Attests, das sie eigentlich von der Mundschutzpflicht im öffentlichen Raum befreit, verwehrt geblieben.

Maske
Dagmar Laack mit ihren Hunden. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Für Laack war das ein Schock. „Man fühlt sich, als sei man minderwertig“, sagt die Rheinbergerin und ergänzt: „Dabei würde ich lieber 24 Stunden lang eine Maske tragen, anstatt krank zu sein.“ 2013 wurde bei ihr COPD festgestellt. Die chronische Lungenkrankheit hat ihr Lungenvolumen um 50 Prozent gesenkt. „Mir steht also schon ohne Maske nur noch die Hälfte an Atemluft zur Verfügung. Dadurch ist selbst normales Treppensteigen für mich sehr anstrengend“, sagt Laack. Die Diagnose vor knapp sieben Jahren habe ihr Leben verändert. „Bei jeder normalen Grippewelle gehe ich kaum noch raus, weil ich Angst habe, mich anzustecken. Für mich ist selbst eine Erkältung schon sehr gefährlich“, sagt Laack.

Von der Maskenpflicht ausgenommen

Einen Mund-Nasen-Schutz könne sie aufgrund ihrer COPD-Erkrankung nicht tragen. „Ich habe es zu Hause einmal versucht, aber schon nach nicht einmal fünf Minuten hatte ich gesundheitliche Probleme“, berichtet Laack. Bei der Corona-Hotline der Landesregierung habe sie sich erkundigt, ob sie trotz ihrer Erkrankung einen Mund-Nasen-Schutz tragen müsse. Die Antwort: Nein. „Es ist in der Verordnung geregelt, dass Personen mit bestimmten Erkrankungen – wie in meinem Fall COPD – von der Pflicht ausgenommen sind“, sagt Laack. Ihr behandelnder Arzt habe ihr deshalb eine Befreiung ausgestellt, die sie zusammen mit ihrem Schwerbehindertenausweis beim Betreten eines Supermarktes oder eines Einzelhandelsgeschäftes ungefragt vorzeige.

Keine Gefahr für andere

In zwei Geschäften sei ihr aber dennoch der Aufenthalt im Ladenlokal verweigert worden – und das obwohl sie trotz fehlenden Mund-Nasen-Schutzes keine Gefährdung für andere Personen darstellen könne. „Sollte ich mich mit dem Coronavirus infizieren, würde ich das mit meiner Erkrankung nicht überleben oder zumindest an einer Beatmungsmaschine liegen. Das hat mir mein Arzt bereits bestätigt“, sagt Laack. Die Verkäuferinnen hätten in beiden Fällen dennoch auf die Einhaltung der Vorgabe ihrer jeweiligen Geschäftsleitung bestanden, die laut den Mitarbeiterinnen keine Ausnahmen vorsähen. „Ich weiß, dass sie sich damit ja selbst um einen möglichen Umsatz bringen. Aber für mich als Betroffene ist es schon sehr traurig“, sagt Laack.

Enttäuscht sei sie auch von manchen Blicken der anderen Kunden. „Sie tuscheln hinter meinem Rücken und denken, ich würde einfach so auf die Maske verzichten, weil ich meine, ich bräuchte sie nicht. Dabei weiß ja mittlerweile jeder, dass man zum Betreten eines Supermarktes eine Maske aufsetzen muss. Wieso sollte ich also darauf verzichten, wenn ich es nicht müsste?“, meint Laack. Sie würde sich sogar wünschen, dass andere Menschen sie auf die fehlende Maske ansprächen, anstatt hinter ihrem Rücken zu reden. „Dann könnte ich meine Situation wenigstens erklären. Dazu bin ich jederzeit bereit“, sagt die Rheinbergerin.

 

„Ich bekam keine Luft mehr“

Wolfgang Köther aus Goch verlässt das Haus seit Beginn der Coronavirus-Pandemie am Niederrhein nur noch selten. „Alle Besorgungen erledigt meine Frau“, sagt Köther. Auch der 67-Jährige ist an COPD erkrankt und kann daher keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. „Ich habe es Zuhause mal versucht, aber es ging einfach nicht. Ich bekam keine Luft mehr. Das war sehr beklemmend“, sagt Köther. Er habe deshalb für sich entschieden, das Haus nur noch für das Notwendigste zu verlassen, um nicht für Irritationen zu sorgen. Denn seine COPD-Erkrankung äußere sich nicht nur mit Atemnot, sondern auch mit regelmäßigen, schweren Hustenanfällen. „Wenn ich in der Schlange beim Bäcker stehe und einen Hustenanfall bekomme, kann ich das in dem Moment ja nicht erklären. Ich beunruhige in dieser Zeit aber die Leute um mich herum. Da ich das nicht möchte, bleibe ich lieber Zuhause und meide diese Situationen“, sagt Köther.

Der Gocher leitet auch die Gruppe für schwerwiegende Lungenerkrankungen/COPD „Selbsthilfe macht stark“ in der Weberstadt. Die Gruppenmitglieder wissen Ähnliches zu berichten wie Köther. „Von neun Leuten kann nur eine einzige einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Alle anderen haben ähnliche Probleme wie ich“, sagt Köther. Die meisten würden daher ebenfalls versuchen die Öffentlichkeit weitestgehend zu vermeiden.

Keine schlechten Erfahrungen

In den wenigen Fällen, in denen sie aber doch öffentliche Räume ohne Mund-Nasen-Schutz betreten mussten, hätte bislang aber keiner schlechte Erfahrungen gemacht. „Niemand hat bisher komische Blicke oder Anfeindungen wahrgenommen“, berichtet Köther.