ASPERDEN. Als die Sanierung der St. Vincentius Kirche Ende September 2018 begann, rückten auch die 14 Kreuzwegtafeln, die der Klever Künstler Theodor Bauhus 1895/96 geschaffen hat, in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Die Tafeln, auf denen der Leidens- und Sterbensweg Jesu von der Verurteilung über die Kreuzigung bis zur Grablegung dargestellt ist, hatten ebenfalls eine Überarbeitung nötig. Die Diplom-Restauratorin Ilka Meyer-Stork aus Bergisch-Gladbach holte die Tafeln ab und begann mit ihrer aufwändigen Arbeit – ein Projekt, das rund eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen sollte. Und ein schwergewichtiges noch dazu: „Es handelt sich um bemalte Eisenplatten, eine wiegt rund 20 Kilogramm“, erzählt sie.

Bei der Aufarbeitung der 14 Tafeln stand vor allem die Reinigung der alten Gemälde im Vordergrund. Es wurden aber auch gelockerte Stellen befestigt sowie Fehlstellen und alte Retuschen retuschiert. Im Zuge dieser Arbeiten entdeckte Ilka Meyer-Stork unter den grauen Holzrahmen die ursprüngliche Rahmung wieder. „Es gab historische Fotos, auf denen vergoldete Rahmen zu sehen waren, also mussten diese auch restauriert werden“, berichtet sie.

Um den nun wieder stabilisierten Zustand der Tafeln für die Zukunft zu sichern, wurden sie auf speziell angefertigte Unterkons­truktionen aus Holz montiert. „Das hat konservatorische Gründe, sonst könnten die kalten Mauern mit der Zeit auf die Rückseite der Tafeln einwirken“, erklärt Meyer-Stork das Vorgehen, das in enger Zusammenarbeit der Kirchengemeinde St. Martinus GocherLand mit dem Bistum Münster und der Denkmalpflege stattfand. Anfang April kamen die Tafeln dann wieder nach Asperden. Aber die Coronakrise verhinderte zunächst die Anbringung – erst am vergangenen Mittwoch konnten Ilka Meyer-Stork, Franz-Josef Heiligers, Sakristan Johann Kronenberg und Helmut Metzelaers gemeinsam ans Werk gehen. Letzterer hat die Technik der Aufhängung federführend ausgetüftelt, so dass die Restauratorin die Tafeln an neuer Stelle, entlang der Seitenwände in der Kirche anbringen konnte. „Die Tafeln hingen 2018 noch anders und waren mehr in der Kirche verteilt“, erinnert sich Pastoralreferentin Irmgard Heimbach.

Mit einem ausgeklügelten System wurden die Tafeln an der Wand angebracht. NN-Fotos: CDS

Ilka Meyer-Stork hat ihre Diplomarbeit über Kreuzweg-Darstellungen im 19. Jahrhundert geschrieben. „Kreuzwege vermitteln eine bestimmte Art des Glaubens“, sagt sie, „hier sollte man beim Entlanggehen die Erhabenheit spüren.“ In der Regel hätten Künstler für ihre Kreuzwegbilder Vorlagen benutzt; so fänden sich beispielsweise Darstellungen aus den benachbarten Niederlanden auch am Niederrhein wieder. Mit der Aufarbeitung der 14 beeindruckenden Kreuzwegtafeln ist nun auch der letzte Baustein der Kirchen­innensanierung abgeschlossen, „Darüber werden sich die Gemeindemitglieder sehr freuen“, weiß Irmgard Heimbach. Künftig soll der Kreuzweg dann immer gemeinsam mit den Kommunionkindern gegangen werden – auch das hatte Corona in diesem Jahr verhindert.