NIEDERRHEIN. In Italien kehrt langsam wieder der „normale“ Alltag zurück. Seit vergangenem Montag sind weitere Lockerungen für Kleinhandel, Gastronomie und Tourismus in Kraft. Restaurants, Bars und Friseursalons sind wieder geöffnet. Selbst der Sommerurlaub am Mittelmeer wird immer wahrscheinlicher: Ab Mittwoch, 3. Juni, sollen Ausländer wieder zum Urlaub nach Italien einreisen dürfen, ohne sich im Anschluss in eine zweiwöchige Quarantäne begeben zu müssen. Auch Reisen innerhalb des Landes sollen dann ohne Einschränkungen möglich sein.

Außenminister Luigi Di Maio warb bereits für Urlaub in Italien. Im Sommer sei man bereit, Touristen aus Europa zu empfangen – mit der gebotenen Sicherheit. Von Mitte Juni bis September werde es möglich sein, in Italien ohne Probleme, in Sicherheit und Freiheit Urlaub zu machen zu reisen. „Eine Rolle spielt dabei, dass unsere Gesundheitseinrichtungen effizient sind, dass wir ein System zur Verfolgung von Ansteckungen eingeführt haben und dass in den Unterkunftseinrichtungen klare Gesundheitsprotokolle in Kraft sind“, sagte Di Maio (aktuelle Hinweise des Auswärtigen Amtes zu Italien).

Auf Sizilien beispielweise sieht man der Ankunft der Gäste aus dem In- und Ausland ein wenig mit gemischten Gefühlen entgegen. Auf der einen Seite „freuen sich die Menschen hier wirklich auf die Touristen, da sie Geld bringen“, erzählt Rosalba Scifo, Destination Manager und Leiterin zweier Sprachschulen auf der Mittelmeerinsel. Denn hinter ihr und den Einwohnern Siziliens liegen „schwierige und beängstigende“ Wochen. Zwischen 6. März und 4. Mai herrschte eine Ausgangssperre. Die Schulen wurden geschlossen, kurz darauf auch alle Geschäfte bis auf Supermärkte. Schließlich erreichten Tausende Menschen aus Nord­italien die Insel, die vor Corona in den Süden flohen – und das Virus so noch weiter verbreiteten.

Keine Arbeit, kein Geld, keine Unterstützung

Das Schlimmste aber am Lockdown: „Wir durften nicht zur Arbeit gehen, konnten kein Geld verdienen“, sagt Scifo. Zwar habe die Regierung finanzielle Unterstützung zugesagt, das Geld sei aber bis heute nicht angekommen. Die angekündigte Aussetzung von Rechnungen sei ebenfalls nicht erfolgt. „Nur die Abgaben ans Land wurden gestoppt.“

Sizilien zahlt Flug
Laut der britischen Zeitung „The Times“ plant Sizilien, Urlaubern anzubieten, die Hälfte ihrer Flugkosten zu übernehmen. Außerdem will man jede dritte Hotelnacht und alle Eintritte zu Museen und archäologischen Stätten bezahlen.

Nun also die Lockerungen. Hier hat Rosalba Scifo eine etwas andere Ansicht als viele ihrer Mitmenschen auf Sizilien. „Persönlich bin ich damit nicht glücklich, denn einige Leute halten sich nicht an die Regeln. Ich habe die Sorge, dass es zu einem zweiten Lockdown und noch mehr Infektionen kommen könnte.“ Die meisten Sizilianer aber freuten sich über die Lockerungen, da sie ein Stück Normalität zurückbringen. „Leider ist das nicht wirklich der Fall, da sie kein Geld haben, das sie ausgeben könnten, und viele offene Rechnungen, die sie bezahlen müssen.“

Sizilien wartet auf die Touristen

Sizilien Innenstadt Urlaub Italien
Die Innenstädte auf Sizilien sind (noch) leer.
NN-Archivfoto: Michael Bühs

So ist es nur zu verständlich, dass sich ganz Sizilien auf die Ankunft der Touristen freut – wie man sich im Ausland auf Urlaub in Italien freut. „Doch zu welchem Preis?“, fragt sich Rosalba Scifo. „Woher wissen wir, dass sie nicht krank sind?“

Genau das will die Regierung mit besonderen Auflagen verhindern. Eine Maskenpflicht am Strand gibt es laut Außenminister Di Maio nicht. Allerdings werde es notwendig sein, die Abstandsregeln einzuhalten. So werden beispielsweise Sonnenliegen und Schirme weiter voneinander entfernt stehen. Für Unterkünfte gibt es neben den allgemeinen Regeln weitere Beschränkungen der Personenzahl. In Speisesälen und im Barbereich dürfen sich nur so viele Gäste aufhalten, wie es Sitzplätze gibt. Zwischen den Tischen gelten Abstandsregeln. Am Tisch müssen keine Masken getragen werden, am Buffet sind sie und das Tragen von Einweghandschuhen vorgeschrieben.

Bergamo von Corona besonders hart getroffen

Gosens Bergamo Fußball
Robin Gosens, Fußball-Profi von Atalanta Bergamo.
NN-Archivfoto: Michael Bühs

Besonders hart getroffen hat das Coronavirus die Region Bergamo in Norditalien. Acht Wochen herrschte eine Ausgangssperre – auch für Fußballprofi Robin Gosens (zum Interview mit Gosens vor der WM 2018). Der Eltener spielt für Atalanta Bergamo in der Serie A. Noch im Februar schaffte er mit seinem Klub in der Champions League eine Sensation, zog mit zwei Siegen gegen den FC Valencia ins Viertelfinale ein. Dann kam Corona. Inzwischen heißt es, das Hinspiel in Bergamo habe die Ausbreitung des Virus beschleunigt. Die folgenden Wochen seien mitunter „sehr extrem“ gewesen, sagte Gosens im ZDF: „Man musste mit einigen Downs kämpfen.“ Eine wichtige Stütze sei ihm seine Freundin Rabea gewesen. „Teilweise hatte ich Motivationsprobleme, weil man ja nicht wusste, worauf man hinarbeitet“, sagte der 25-Jährige rückblickend. „Daher war es ganz, ganz wichtig, dass Rabea immer dabei war.“ Nun seien sie beide froh, dass „die schlimmste Phase ein Ende hat“.

Für Gosens besonders bitter: Das Virus verhinderte sein Debüt in der Nationalmannschaft. Denn Bundestrainer Jogi Löw wollte den Linksverteidiger im März nominieren. „Es gibt keine größere Motivation als diesen Traum, der zum Greifen nah ist, wenn wieder gespielt werden kann“, sagte Gosens. Dass er mit europäischen Topclubs wie FC Chelsea, Inter Mailand und Olympique Lyon in Verbindung gebracht wird, „macht in erster Linie nur stolz“. Es gebe aber nichts Konkretes zu vermelden.

Inzwischen peilt die Serie A einen Re-Start für Mitte Juni an. „Aktuell gibt es noch keine Lösung“, sagte Gosens vor der Abfahrt zum Mannschaftstraining. „Wir warten täglich, dass das Sicherheitsprotokoll genehmigt wird.“