Zahlreiche Briefe haben Bürgermeister Sven Kaiser nach dem Ratsbeschluss erreicht, in dem die Schüler ihn um Hilfe und Unterstützung bitten. Foto: Stadt Geldern

GELDERN. Der Gelderner Stadtrat wird sich noch einmal mit der Anzahl der neuen Eingangsklassen am Lise-Meitner-Gymnasium (LMG) und Friedrich-Spee-Gymnasium (FSG) im kommenden Schuljahr befassen müssen: Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser wird eine Sondersitzung des Stadtrates einberufen.

Zahlreiche Gelderner Viertklässler, die sich am Lise-Meitner-Gymnasium angemeldet haben, hatten sich nach der Entscheidung des Rates, eine Mehrklasse am LMG abzulehnen, mit Briefen an Kaiser gewandt. Darin baten sie ihn um Hilfe und darum, sich für ihr Anliegen einzusetzen. Die Schreiben der Grundschüler wertete Kaiser als Anregung beziehungsweise Beschwerde im Sinne des § 24 Absatz I Gemeindeordnung NRW. „Danach hat jeder hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Anregungen oder Beschwerden in Angelegenheiten der Gemeinde an den Rat zu wenden. Auch Kinder“, nennt Kaiser die Beweggründe, warum er eine Sondersitzung des Stadtrates einberufen hat. Der Rat soll wahrscheinlich Ende Mai noch zusammenkommen, damit die Kinder, Eltern und Schulen schnellstmöglich Klarheit erhalten, wie es nach den Sommerfeien weitergeht.

Der Gelderner Stadtrat hatte am 7. Mai den Vorschlag der Verwaltung abgelehnt, für das kommende Schuljahr bei der Bezirksregierung Düsseldorf einen Antrag auf Bildung einer Überhangklasse für den neuen Jahrgang der Fünfer am Lise-Meitner-Gymnasium zu stellen. Am Lise-Meitner und Friedrich-Spee-Gymnasium hatten sich insgesamt 188 Kinder angemeldet (Lise: 102, FSG: 86). Die Verwaltung hatte aufgrund der vielen Anmeldungen deshalb dafür plädiert, im neuen Schuljahr am Lise-Meitner-Gymnasium vier statt drei Eingangsklassen zu bilden. Das Friedrich-Spee-Gymnasium sollte mit drei neuen Klassen zu starten.

Nach intensiver Debatte beantragte die SPD in der Ratssitzung eine geheime Abstimmung. Das Ergebnis: 19 Stimmen für die Überhangklasse, 19 Stimmen dagegen und eine Enthaltung. Damit war der Vorschlag der Verwaltung abgelehnt. Zwei Ratsmitglieder der CDU konnten am Donnerstag aus persönlichen Gründen nicht an der Ratssitzung teilnehmen, sodass nur 39 statt der sonst 41 Stimmen abgegeben werden konnten.

Bürgermeister Sven Kaiser konnte die damit ausgelöste Verärgerung der Eltern der zukünftigen Fünftklässler nachvollziehen: „In wenigen Wochen beginnen die Sommerferien. Die Eltern, die ihre Kinder am Lise-Meitner-Gymnasium angemeldet haben, sind davon ausgegangen, dass ihr Kind dort jetzt auch einen Platz erhält; zumal der Hauptausschuss eine Woche vor der Ratssitzung schon mehrheitlich der Empfehlung der Verwaltung gefolgt ist, den Rat zu beauftragen, bei der Bezirksregierung Düsseldorf einen Antrag auf Bildung einer Überhangklasse am Lise-Meitner zu stellen“, sagte er. „Und vor allem aufgrund der jetzigen Corona-Krise hatten wir als Verwaltung die Bildung der Überhangklasse noch stärker empfohlen, damit die neuen fünften Klassen nicht zu groß werden, um eine im Rahmen der Corona-Krise ohnehin schon schwierige Unterrichtssituation nicht noch zusätzlich zu erschweren.“

Kaiser hatte nach dem Ratsbeschluss bereits Kontakt zu den beiden Gesamtelternsprechern der vierten Klassen aufgenommen und mit ihnen am Dienstagabend ein gemeinsames Gespräch geführt. Zuvor hatte er sich bereits mit den Schulleitern der beiden Gymnasien, Achim Diehr (LMG) und Rudi Germes (FSG), sowie der Bezirksregierung ausgetauscht.

Kaiser betonte auch noch einmal, dass sich am Verfahren zur Festlegung der „Schulzügigkeiten“ in diesem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren nichts geändert habe. Es sei stets so gehandhabt worden, diese Thematik in den politischen Gremien zu besprechen, damit unter anderem eine möglichst breite Beteiligung über alle Fraktionen hinweg gewährleistet ist.