Aperto! Die Museen sind zurück

Hat eigentlich jemand den Schrei gehört? Es muss irgendwann letzten Freitag gewesen sein. Auch möglich, dass es ein Knall war: Sektkorken. Museumssektkorken. Museumsleute wären keine Museumsleute, wenn sie nicht auch einen Spruch auf den Lippen hätten – ein Motto, das die Situation einkreist: „aperto! endlich wieder Originale“.

Auflagen gibt es natürlich auch

Vielleicht kurz mal ein Transfer ins Normale – nicht alle sind des Italienischen mächtig. Aperto – das steht für „geöffnet“. Raus ist sie – die Katze aus dem Sack. Museum Kurhaus (mkk), Museum Schloss Moyland und das Museum Goch dürfen die Eingangssperre lockern. In Kleve und Bedburg-Hau gilt das ab sofort. In Goch eigentlich auch, aber: Es wird eine neue Ausstellung gehängt. Die kann dann ab Dienstag nächster Woche angeschaut werden.
Schon geahnt? Ein paar Regeln gilt es zu beachten. Abstand, Abstand, Abstand. Damit beginnt alles. Dazu kommen Masken- und Listenpflicht. Jeder, der ins Museum geht, muss Maske tragen und sich zuvor in eine Liste eintragen. Letzteres hat damit zu tun, das – im Fall der Fälle – (Infektions)Wege nachgezeichnet werden können. Sei‘s drum.

Nichts ersetzt das Original

Die Museen nehmen es mit freudiger Gelassenheit, denn – da ist das Trio meinungskongruent: So interessant ein „Gang“ durchs Internet auch sein mag – nichts ersetzt die Originale. „Und die gibt es nur bei uns“, sagt Stephan Mann vom Museum Goch und der Kollege vom mkk, Harald Kunde ist sicher: „Kunst im Netz ist nicht mehr als Trockenschwimmen.“ Bitte, wenn‘s nicht anders geht – aber wie stand es auf einer Postkarte im Wiener Fälschermuseum: „Kaufe nie ein Original, dessen Kopie im Louvre hängt.“ Klar, oder? Museen sind Orte der Wirk-lichkeit. Nicht weniger. Natürlich sind sich Mann, Kunde und die kommissarische künstlerische Leiterin in Moyland, Barbara Strieder einig: Kunst ist weder ersetzbar noch verzichtbar. „Nachdem klar war, dass wir wieder öffnen dürfen, haben schon Menschen bei uns angerufen und uns gratuliert“, sagt Stephan Mann. Na bitte. Und wenn man die Kunst mit dem Mops gleichsetzt, käme das Loriot‘sche Fazit: „Ein Leben ohne Kunst ist zwar möglich aber sinnlos.“

Besucherlimits

Durch die „Leerlaufzeit“ werden sich in den Häuser geplante Projekte verschieben. Eine im mkk geplante Ausstellung mit Werken von Jan Baegert (die NN berichteten) wird kurzerhand um ein Jahr verschoben. Verschiebungen wird es auch in den anderen Museen geben. Momentan allerdings zählt nicht, was zu sehen sein wird sondern, was zu sehen ist. Im mkk ist das die sensationelle Ausstellung „Purple“ (John Akomfrah), in Moyland ist es die Ausstellung „Sehfelder“ (Frederike Hinz) und in Goch – jetzt muss der Blick doch in die zeitnahe Zukunft gehen – werden ab Dienstag Werke von August Deusser (1870 – 1942) zu sehen sein.
Und wie sieht es nun mit den Schutzmaßnahmen aus? Lasst Zahlen sprechen. In Goch dürften circa 70 Besucher parallel im Museum sein – Voraussetzung allerdings wäre, dass sie sich in unterschiedlichen Etagen aufhalten. „Es dürfen pro Etage 25 Besucher da sein“, so Stephan Mann. Im mkk dürften maximal 250 Besucher auflaufen und in Moyland 90. Die erforderlichen Masken müssen die Besucher übrigens dabei haben. Ein quasi spontaner Besuch bei den Originalen? Leider nicht möglich, denn Masken werden an den Kassen nicht vorgehalten. Schade eigentlich. Andererseits: Solange Maskenknappheit herrscht …
Ach ja: Einen Hashtag haben die Museen jetzt auch: #MuseenGoKleMoy. Alles streng nach dem Alphabet. Und noch eines: Das innerliche Zusammenrücken in Zeiten des Lockdowns wollen die drei Häuser auch über Coronas Grenzen hinweg künftig beibehalten. Alsdann: Aperto! Auf zu den Originalen.