Mehr Blutspender dank der Coronavirus-Pandemie

DRK kann den Ansturm kaum stemmen und befindet sich in einem Dilemma

KREIS KLEVE. Die Coronavirus-Pandemie und die damit verbundenen Einschränken des gesellschaftlichen Lebens machen sich auch bei der Blutspende bemerkbar – allerdings im Positiven. „Wir begrüßen an unsere Terminen rund 20 Prozent mehr Erstspender. Da viele Menschen zurzeit Zuhause sind und mehr Zeit haben, haben scheinbar viele von ihnen die Idee, dass jetzt die richtige Zeit zum Blutspenden ist“, sagt Thorsten Hemmers, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Roten Kreuz (DRK).

Blutspender
Auf dem Land gibt es viele freiwillige Blutspender. Foto: DRK

Diese Resonanz aus der Bevölkerung sei eigentlich zwar positiv, bringe aber auch Schwierigkeiten mit sich. Das erlebten auch mehrere Gocher am vergangenen Sonntag beim Blutspendetermin in Asperden. Das zehnköpfige Team des DRK konnte nicht alle potenziellen Blutspender in ihrer Schicht versorgen und musste daher eine Vielzahl an Leuten wieder nach Hause schicken. „Wir stecken zurzeit in einem wirklichen Dilemma. Einerseits ist es super, dass so viele Menschen Blutspenden und damit etwas Gutes tun möchten, denn Blutkonserven werden auch in dieser Zeit gebraucht. Andererseits schafft es unser Team aber nicht mehr, alle Blutspender zu berücksichtigen. Für uns ist dieser Ansturm Fluch und Segen zugleich“, sagt Hemmers.

Der Grund dafür seien zum einen höhere Auflagen aufgrund der Coronavirus-Pandemie, die das DRK bei jedem Blutspende-Termin erfüllen muss, die aber einen höheren Aufwand mit sich bringen. „Wir müssen jeden Blutspender erstmal fragen, ob er in den vergangenen zwei Wochen im Ausland war. Hier an der niederländischen Grenze waren einige Menschen etwa zum Einkaufen oder für eine Radtour in den Niederlanden. Sie fallen dann jedoch als Blutspender vorerst aus. Ihnen müssen wir mitteilen, dass sie mindestens zwei Wochen warten müssen“, erklärt Hemmers. Zudem müsse bei jedem potenziellen Blutspender Fieber gemessen werden. Selbst bei einer nur leicht erhöhten Temperatur dürfe keine Blutentnahme durchgeführt werden.

Hohe Datenerfassung

Zum anderen bedeute die hohe Zahl an Erstspendern eine höhere Datenerfassung, die mehr Zeit in Anspruch nehme. „Bei allen Erstspendern und Spendern, die seit mehr als fünf Jahren nicht mehr bei uns waren oder bei denen sich Daten zum Beispiel durch eine Namensänderung nach einer Heirat geändert haben, müssen wir erstmal alle Formalien aufnehmen. Das dauert natürlich“, erläutert Hemmers. Aufgrund des großen Zuwachses an Erstspendern durch die Coronavirus-Pandemie dauere dieser formelle Prozess momentan länger als sonst. „Die Zahl der regelmäßigen Blutspender ist mit etwa plus/minus fünf Prozent konstant geblieben. Aber der Anstieg der Erstspender mit 20 Prozent ist schon enorm“, sagt Hemmers.

Hinzu komme außerdem, dass die Betten in den Blutspendezentren weiter auseinander stehen müssen, was zur Folge hat, dass weniger Menschen gleichzeitig Blut spenden können. „In Asperden konnten wir am vergangenen Wochenende nur fünf Betten aufstellen, sonst wären es sieben gewesen“, sagt Hemmers. Die letzte Punktion bei einem Blutspender sei zudem bereits 20 Minuten nach dem eigentlichen Ende der Blutspende-Termins in Asperden erfolgt. „Dadurch, dass unsere Mitarbeiter in den vergangenen Wochen sehr viel zu tun hatten, achtet unser Betriebsrat zurzeit sehr genau darauf, dass die vorgesehenen Arbeitsstunden in etwa eingehalten werden. Unsere Mitarbeiter können einfach nicht mehr mehr leisten“, sagt Hemmers.

Zeit mitbringen

Den freiwilligen Blutspendern rate er, bereits frühzeitig zu den Blutspendeterminen zu erscheinen. „Das war allerdings auch schon vor Corona so. Auf dem Land haben wir den glücklichen Fall, dass sehr viele bereit sind, Blut zu spenden. So waren auch viele unserer Termine vor Corona sehr gut besucht. Das ist auch wichtig, denn allein mit Terminen in den Großstädten könnten wir den Bedarf an benötigten Blutkonserven nicht decken. Deshalb fahren wir sehr viel aufs Land raus“, verrät Hemmers. Allerdings müssten Blutspender immer Zeit mitbringen. Zurzeit teste das DRK aber in verschiedenen Städten – unter anderem in Straelen – ein Modell, bei dem feste Termine vergeben werden. Das werde in den Test-Städten bereits sehr gut angenommen.