GOCH. Das öffentliche kulturelle Leben ist fast zum Erliegen gekommen, seit Wochen sind Museen, Theater, Kinos und andere Einrichtungen geschlossen. Die Coronakrise hat viele Bereiche des Alltags weiterhin fest im Griff.

„Wir erleben zurzeit aber auch eine angenehme Kultur – die des Dankes für andere Menschen“, stellt Museumsdirektor Dr. Stephan Mann fest, „der Umgang ist ein anderer, alles ist ein bisschen entschleunigt – aber natürlich fehlt das soziale Miteinander.“
Ein Aspekt, mit dem sich auch das Museum Goch arrangieren muss. Dennoch geht die Arbeit hinter verschlossenen Türen weiter – die Institution Museum arbeitet permanent in Sachen Kultur. „Wir hatten das große Glück, dass unsere Ausstellung gerade beendet war und die neue Ausstellung mit Werken der amerikanischen Künstlerin Wendy White noch nicht begonnen hatte“, berichtet Dr. Mann, „wir konnten gerade noch den Transport aus New York stoppen.“ Diese Ausstellung wurde auf 2021 verschoben.

Aktuell wird im Museum nun die Ausstellung zum Kölner Maler August Deusser vorbereitet. „Diese Ausstellung kommt aus Konstanz zu uns, dort wurde sie früher beendet“, so Dr. Mann. „ Wir haben gesagt ,Wir nehmen sie sofort in unser Haus’ – unabhängig von einer Ausstellungseröffnung wird hier wieder Kunst präsentiert.“ Und wenn Museen wieder öffnen dürften, sei das Haus „schon voll.“

Zeit nutzen

Die Zwangspause habe aber tatsächlich auch etwas Gutes: „Wir richten zurzeit unser neues Depot ein, so können wir ganz in Ruhe an einem anderen Ort sein“, beschreibt der Museumschef den Arbeitsalltag in Corona-Zeiten, „Bilder werden ins Depot gebracht, Beschriftungen müssen vorgenommen werden; die Zeit dafür ist willkommen, das kommt uns enorm zugute und beschleunigt den Prozess.“ Eine Aufteilung des Mitarbeiter-Teams war – unter Beachtung aller Sicherheitsmaßnahmen – nicht nötig: „Unsere Arbeitsbereiche sind doch sehr getrennt.“ Außerdem passiere in der Museumsarbeit vieles im gemeinsamen Diskurs, mithin über Sprache; viele Dinge entstünden deshalb nur gemeinsam.

Andere Räume gestalten

Mit Kreativität werden momentan andere Räume genutzt, um Kultur stattfinden zu lassen. So zeigt beispielsweise die Kultourbühne Goch auf ihrer Facebook-Seite Videos von einem Kammerkonzert in der Kirche oder Theater mit mini-Art im Museum Goch. „Diese Häuser leben von Besuchern, genau wie das Museum“, betont Dr. Mann. Deshalb sei es sehr schade, dass zurzeit keine Führungen stattfinden könnten.
Die Situation vieler Künstler in der Coronakrise schätzt Dr. Mann als unglaublich schwierig ein: „Nicht nur dass Ausstellungen wegbrechen; ein bildender Künstler muss zum Beispiel seine Wohnung, sein Atelier und seine Mobilität finanzieren – das geht gar nicht ohne Nebenjob.“ Sei der in der Gastronomie, würden nun auch diese Einnahmen wegfallen. „Das ist finanziell ein Riesenproblem!“ Doch Kultur werde von vielen Menschen leider nicht als „systemrelevant“ betrachtet: „Dabei hält sie die Gesellschaft zusammen“, unterstreicht Dr. Mann. Mit vielen Aktionen brächten Künstler ein bisschen Helligkeit in die dunkle Coronazeit. Wobei er den Begriff „Kultur“ nicht eng gefasst verstanden wissen will: „Auch Fußballspiele sind Teil unserer kulturellen Identität.“
Seine Hoffnung: „Wir sollten die Krise nutzen, um darüber nachzudenken, was der Kern unserer Existenz ist und eine Diskussion über das Thema Kultur hinbekommen.“