EMMERICH. Die ersten Lockerungen in der Corona-Krise sind beschlossen, Geschäfte und Schulen teilweise wieder geöffnet. Doch der Bereich Kultur hat davon nicht profitiert; weiterhin bleiben Museen, Theater, Opernhäuser und Kinos geschlossen. Frühestens Anfang Mai könnte sich nach derzeitigem Stand daran etwas ändern. Das Stadttheater Emmerich hat längst reagiert und die Saison vorzeitig beendet – und das ist für die Mitarbeiterinnen der städtischen Kulturbetriebe mit viel Arbeit verbunden.

Insgesamt 15 Veranstaltungen sind aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt oder verlegt worden. „Wir versuchen, sie so zeitnah wie möglich nachzuholen“, versichert Rabea Loffeld vom Theaterbüro Emmerich. Mit ihrer Kollegin Sabine Boers hält sie die Stellung, informiert Abonnenten über die Änderungen und plant schon die neue Spielzeit. „Das alles ist mit einem großen Aufwand verbunden“, sagt Loffeld.

Seitdem die Spielzeit vorzeitig beendet ist, haben Loffeld und Boers die 560 Abonnenten im Stadttheater Emmerich darüber und über die Ersatztermine beziehungsweise -veranstaltungen informiert. „Wir mussten zum Glück nur sechs Veranstaltungen komplett absagen“, berichtet Loffeld. Viel wichtiger ist ihr aber: „Wir spüren ganz viel Solidarität.“ Ein Großteil der langjährigen Kunden verzichte auf eine Erstattung der Eintrittskarten. Und wer doch Geld sehen möchte, „den bitten wir zunächst, die Ersatztermine anzunehmen“. Auf diese Weise werden auch die Künstler unterstützt.

Schließung der Theater trifft Künstler und Ensembles

Denn es geht eben nicht nur um das Stadttheater Emmerich, sondern auch um die Künstler und Ensembles, die derzeit nicht auftreten dürfen. Ihnen brechen die Einnahmen weg. „Es geht hier um Existenzen“, weiß Loffeld. Während dem Stadttheater zwar auch Einnahmen durch Vorverkaufsgebühren und Garderobe fehlen, „ist es gerade für die Einzelkünstler, die von dem Einkommen durch ihre Touren leben, eine sehr schwere Zeit“, weiß Loffeld. „Ihnen bricht eine halbe Saison weg.“

Auch hier ist wieder Solidarität gefragt. Die Emmericher sind bemüht, für die Künstler und Ensembles Ersatztermine zu finden. Kein einfaches Unterfangen, wie Loffeld verrät: So gilt es nicht nur Rechtliches und Vertragliches abzuwickeln. Auch sind manche Künstler für TV-Termine verplant, Ensembles werden in neuen Produktionen eingesetzt.

Letzteres gilt beispielsweise für „Avanti! Avanti!“: Das Ensemble ist für die neue Theatersaison, die im September beginnt, nicht mehr verfügbar. „Das Tourneetheater hat uns aber eine andere Produktion angeboten – ein guter Ersatz“, betont Loffeld. So läuft nun am 27. Januar 2021 die Komödie „Ausgerechnet Mallorca“ im Stadttheater Emmerich. Wichtig dabei: Die Karten von „Avanti! Avanti!“ behalten ihre Gültigkeit für den Ersatztermin.

Stücke im Stadttheater Emmerich verschoben – teils bis 2022

Theater Emmerich
Trotz vorzeitigem Saisonende viel zu tun: Rabea Loffeld (r.) und Sabine Boers bereiten die neue Spielzeit vor – und hoffen auf einen möglichst „normalen“ Theaterbetrieb.
NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Ein anderer Fall ist das Stück „Diese Nacht oder nie“ mit Isabel Varell, das am vergangenen Montag hätte aufgeführt werden sollen. „Es kommt in 2022“, versichert Loffeld. „Das Stück wollten so viele sehen, und wir wollen liefern, was gewünscht wird.“

Saisonauftakt
Die neue Theatersaison beginnt in Emmerich am 25. September mit der Komödie „Opa wird verkauft“ des bekannten Ohnsorg-Theaters.
Der erste Kindertheater-Termin findet bereits am 4. September mit „Die Schöne und das Biest“ statt.
Weitere Infos gibt es hier.(verschoben vom 3. April, Karten behalten ihre Gültigkeit).

Doch über allem steht eine Frage: Kann die neue Theatersaison im September überhaupt starten? „Wir bleiben optimistisch“, sagt Rabea Loffeld. „Wir müssen die neue Saison planen und einfach davon ausgehen, dass wir nach dem 31. August wieder irgendwie starten können.“ Die Emmericher stehen in Kontakt mit anderen Häusern, daher weiß Loffeld: „Noch hat keiner einen Plan B.“ Viele Veranstalter und Organisatoren machen sich noch mehr Gedanken, „aber wir können alle noch keine Lösungen bieten“. Denkbar für Loffeld wären zum Auftakt beispielsweise kleinere Kabarettveranstaltungen mit 100 oder 200 Besuchern.

Nur eines ist klar: Derzeit helfen vor allem Optimismus und das Prinzip Hoffnung. Denn der Ausfall einer weiteren Spielzeit würde alle Beteiligten hart treffen. „Außerdem hätten wir dann ein Jahr ohne Theater“, sagt Loffeld, „und das will ja niemand.“