GELDERN. 30 Millimeter Durchmesser, zwei Gramm Gewicht und in fast jedem Haushalt zu finden: Kronkorken. Meist landen sie umgehend im Müll, nur für Sammler sind sie von Wert. Einer von ihnen ist Gregor Claßen aus Geldern – er sammelt Kronkorken jedoch nicht, um sie in einer Vitrine auszustellen. Er unterstützt damit eine Aktion zugunsten der „Patientenhilfe Darmkrebs“.

Kronkorken Claßen
Aus zwei Gramm mach fünf Tonnen: So viele Kronkorken haben Gregor Claßen und seine Mitsammler im vergangenen Jahr zusammengetragen. Fotos: privat

Alles begann vor vier Jahren. „Es gibt ja diese bekannte Geschichte“, erzählt Claßen: „Irgendwo im Bekanntenkreis sammelt jemand etwas für den guten Zweck.“ In diesem Fall waren es Kronkorken, und mit dem Erlös sollte ein Rollstuhl angeschafft werden. Einen Speiskübel hatte er bereits gefüllt, da verlief die Aktion im Sand. „Die ganzen Kronkorken wegzuwerfen, fand ich aber auch zu schade“, erinnert sich Claßen. Also recherchierte er im Internet, stieß dort auf Ingo Peter aus Liesborn im Kreis Warendorf und seine „Kronkorkensammelaktion“.

Seit 2012 ruft Petermeier dazu auf, die kleinen Metallverschlüsse zu sammeln und ihm zukommen zu lassen. Einmal im Jahr bringt er die Kronkorken zu einem Wertstoffhändler, der Erlös geht komplett an die „Patientenhilfe Darmkrebs“.

160 Kilo Kronkorken aus Geldern auf einem Tieflader

Gregor Claßen meldete sich bei Petermeier, „und auch Ingo war sofort begeistert. Er organisierte auch die erste Abholung der Kronkorken in Geldern.“ Ein außergewöhnliches Bild bot sich damit den Passanten auf einem großen Parkplatz in Geldern: Claßen mit seinem Pkw und Anhänger, darauf 160 Kilo Kronkorken – daneben ein riesiger Tieflader. „Ingos Bruder arbeitet bei einer Spedition“, erläutert Claßen. „Und immer, wenn er oder ein Kollege in der Region ist, holen sie eine Ladung bei mir ab.“ So werden gerne mal 1,5 Tonnen Kronkorken mit einem 40-Tonnen-Lkw transportiert.

Tatsächlich ist Gregor Claßen mit seinem Sammelengagement längst aus dem Kilo- in den Tonnenbereich aufgestiegen. Nach 270 Kilo zum Auftakt in 2016 waren es im Folgejahr schon rund 1,8 Tonnen, zwei Jahre später dann 3,5 Tonnen; im vergangenen Jahr standen etwa fünf Tonnen zu Buche, aktuell ist Claßen mit seinen Mitsammlern bereits bei knapp drei Tonnen.

Die Kronkorken bekommt Claßen in Zwei-Kilo-Säcken angeliefert. Er lagert sie in Postkisten – natürlich mit Erlaubnis der Post – zu Hause unter der Kellertreppe und der Garage. „Die Kisten lassen sich gut stapeln“, erläutert Claßen. Zehn bis elf Kilo wiegt eine Kiste voller Kronkorken. „Zwei bis zweieinhalb Tonnen kann ich lagern, dann bin ich voll.“ Dann ist wieder ein Anruf bei Ingo Petermeier fällig, um die nächste Abholung zu organisieren.

Ein Netzwerk vom Westerwald bis in die Niederlande

Doch wie bekommt ein einzelner Mensch so viele Kronkorken zusammen? Nicht allein! Verwandte, Freunde und Bekannte hat Claßen dafür gewonnen, die Sammelaktion zu unterstützen. Er hat Handzettel gesetzt und drucken lassen, die er überall verteilt. Wenn er irgendwo zu Besuch ist – sei es private Einladung oder Theaterbesuch –, fragt er, ob die Kronkorken gesammelt werden könnten. So er hat im Laufe der Zeit ein wahres Netzwerk aufgebaut, das bis ins Ruhrgebiet, in den Westerwald und die Niederlande reicht. „Ich habe etwa 80 bis 100 Leute, die regelmäßig ihre Kronkorken bei mir abgeben.“

Sammelstellen
Im Kreis Kleve gibt es drei Sammelstationen für Kronkorken.
Geldern:
Gregor Claßen, Franz-Hitze-Straße 6, Telefon 02831/88660 (wenn keiner dort ist, einfach vor die Tür stellen)
Kevelaer:
Micha Zeiger, An der Bahnstraße 1a, im Handyladen
Pfarrheim Antonius, Bahnstraße 2, Kontaktaufnahme übers Pfarrbüro, Gelderner Straße 15a, Telefon 02832/9752610, E-Mail pfarrei@antonius-kevelaer.de
Weitere Infos: https://www.kronkorkensammelaktion.de/

Unternehmen, Sportvereine und Feuerwehren sind dabei, in Geldern machen mehrere Restaurants, Gaststätten und auch das Kino mit. Und natürlich unterstützen ihn auch die Pfadfinder, bei denen Gregor Claßen seit vielen Jahre ehrenamtlich aktiv ist: beim Sammeln, aber auch mal beim Verladen der nächsten großen Lieferung nach Liesborn.