Wie viel Geduld hat das Kreis-Veterinäramt?

Vorwürfe nicht artgerechter Tierhaltung beim Rassegeflügelzuchtverein

SONSBECK. Das Gelände des Rassegeflügelzuchtvereins Sonsbeck an der Grunewaldstraße 9 ist ein 22.000 Quadratmeter großer Park. Züchter können Parzellen mieten zur Unterbringung ihrer Tiere. Was einst wie eine Erholungsanlage wirkte, ist inzwischen ein runtergekommenes Areal.

Ein trostloser Anblick nach dem Regen. Jetzt ist das Vereinsgelände wegen des Corona-Virus für die Öffentlichkeit gesperrt.
NN-Foto: Lorelies Christian

Unstimmigkeiten zwischen Verpächter und Verein führten im letzten Jahr zur Verlegung des Vereinsheims in die ehemalige Gaststätte „Zur Börse“ in Sonsbeck. Dort fand bis Ausbruch der Corona-Krise auch jeden ersten und dritten Sonntag im Monat der Kleintiermarkt mit Vogelbörse statt. Das ehemalige Vereinsheim am Grunewaldweg wurde ausgeräumt. Der Müll lag monatelang auf dem Vereinsgelände, wurde aber inzwischen entsorgt. Sogar abgemeldete Autos stehen dort schon seit langem.

In einem Container wird Tiermist gesammelt. Seit eineinhalb Jahren ist er gefüllt, doch der Verein sorgt nicht für eine Entleerung. Also karren alle ihren Mist verbotener Weise auf eine Wiese, wo er ohne Bodenabdeckung lagert. Habichte, Marder und Ratten sind quasi die „natürlichen“ Feinde des Geflügels, die sich kaum abschrecken lassen, dort auch ihre Beute zu machen. In den letzten Jahren mussten mehrfach Parzellen geräumt werden, weil die Züchter die Tiere nicht ordnungsgemäß gehalten und gefüttert haben. Züchter Dr. Frank Greshake ist darüber verärgert: „Geflügel darf auch im Winter nicht dauernd im Matsch stehen. Es soll zwei Mal täglich – zumindest morgens – mit frischem Wasser und Futter versorgt werden. Das muss jeder Landwirt auch!“ Umstritten ist auch das Dauerwohnen in den Häuschen der Parzellen. Laut Satzung des Vereins ist das nicht gestattet. Eine ordnungsgemäße Abwasserentsorgung gibt es dort nicht.

Verpächter Albert Janßen bestätigt die Missstände: „Ich habe viel Ärger mit dem Vereinsvorsitzenden. Die Kosten für das Toilettenhäuschen hat er nicht bezahlt. Daraufhin gab es fünf Tage lang gar keine Toilette, jetzt ist ein anderes aufgestellt. Hier wird nur noch gefeiert und gesoffen, um Geflügelzucht geht‘s nicht mehr.“

Diese Meinung scheint sich zu bestätigen, denn am 8. Januar informierte der Kreisverband die Mitglieder, dass der Sonsbecker Verein aus dem Landesverband Rheinland und dem BDRG (Bund deutscher Rassegeflügelzüchter) ausgetreten sei . Die Züchter hätten nun keine Möglichkeit mehr, Bundesringe legal zu beziehen. Wer seine Rassegeflügel züchten und zur Schau ausstellen will, muss sich einem anderen Verein anschließen.

Sicht des Vereinsvorsitzenden

Dennis Kinat, Vorsitzender des Vereins, wohnt seit fünf Jahren auf dem Gelände und hält die Schweine. Nach seiner Aussage, sei das alles rechtens, die Satzung sei entsprechend geändert. Er räumt ein, dass es die Tierhalter, die sich aufopfernd um ihr Hobby gekümmert haben, so nicht mehr in der Mehrheit gibt und dass nicht alle „mit anpacken bei Arbeiten auf dem Vereinsgelände“. Das Gelände würde nun im Frühjahr / Sommer auch wieder attraktiver aussehen. Vehement widerspricht er, dass Tiere hier nicht artgerecht gehalten werden. Im Gegenteil glaubt er, dass das Ausstellen bei Zuchtschauen durch den Transport stressig für die Tiere sei, daher habe sich der Verein aus dem Landesverband abgemeldet. Ein weiteres Argument nannte Kinat: „Die Verbandsbeiträge sind sehr hoch und stellten eine echte finanzielle Belastung für den Verein dar. Außerdem bekamen wir keine vernünftigen Quittungen über unsere Zahlungen, so dass wir Schwierigkeiten mit dem Finanzamt bekommen können.“

Weiterhin könnten Vereinsmitglieder Tiere züchten und auch beim Verein impfen lassen.

Veterinäramt ist informiert

Das Veterinäramt des Kreises Wesel bestätigt, dass vereinzelten Tierschutzmeldungen in der Vergangenheit nachgegangen wurde. Die Pressestelle des Kreises Wesel teilt mit: „In den letzten Monaten vor der Presseanfrage wurde das Gelände dreimal anlassbezogen amtstierärztlich besichtigt. Dabei wurden Mängel festgestellt, darunter auch zwei verwahrloste Parzellen, aber keine erhebliche Vernachlässigung von Tieren, die ein sofortiges Eingreifen erfordert hätten. Anfang März erfolgte die bisher letzte Kontrolle im Beisein des Vereinsvorsitzenden. Die beanstandete Schweinehaltung war tierschutzrechtlich noch akzeptabel. Der Besitzer strebt eine vom Veterinäramt dringend angeratene Auflösung des Schweinebestandes kurzfristig an. Nachkontrollen stehen an, da es in einzelnen Tierhaltungen weiteren Verbesserungsbedarf gibt. Um nicht im Einzelfall auf den Kommunikationsweg über den Vereinsvorsitz angewiesen zu sein, wenn Kontrollen durchgeführt werden und auch Maßnahmen erforderlich werden, wurde bei der Begehung im März ein aktueller Parzellenplan angefordert und mittlerweile vorgelegt.“

Das Veterinäramt bestätigt, dass die gemeinsame Haltung mit Ponys, Gänsen, Enten und Hühnern zulässig und üblich sei. Allerdings solle sichergestellt werden, „dass die verschiedenen Tierarten ihre Bedürfnisse befriedigen können. Eine Einzäunung des Teiches ist nicht erforderlich, zumal das Wassergeflügel Zugang zum Gewässer haben muss. Auch in anderen Haltungen haben Pferde ungehinderten Zugang zu Bächen, Flüssen oder Teichen.“

Ob Menschen auf dem Gelände dauerhaft leben dürfen, ist nicht Sache des Veterinäramtes und auch nicht der Gemeinde Sonsbeck. Hier ist die Bauaufsichtsbehörde des Kreises Wesel zuständig, die sich aber leider auf Anfrage nicht dazu geäußert hat.